'The Fighter' porträtiert zwei ungleiche
Brüder auf dem Weg nach oben

Der Boxer-Film „The Fighter“ erzählt die Geschichte eines Brüderpaares, das sich zurück- und nach oben kämpfte. Oscarprämiert und wahr!

Kaum etwas verströmt mehr mythische Aura als ein Sportheld, der sich mit hartem Training und eisernem Willen nach oben kämpft. Während er nebst Kontrahenten zuallererst auch sich selbst besiegen und einiges an Widerständen beseitigen muss. Nach Aufstieg, Fall und Comeback winken dann üblicherweise Heldenstatus und Unsterblichkeit. Das Gros der Sportfilme lässt sich auf dieses Handlungsschema runterbrechen, in der Variation und in möglichen Wendungen liegt die Kunst.

Auch beim klassischen Boxerfilm, der einen eigenen Status in der Leinwandgeschichte einnimmt. Kaum etwas ist archaischer und radikaler als zwei Gegner, die im Ring aufeinandertreffen. Da braucht es keine Erklärungen, das wird überall auf der Welt auch ohne Worte verstanden. Du gegen mich, ich oder du – einfach, ehrlich, effektiv. Gerade deswegen sagt kaum ein Hollywoodstar nein, wenn ihm eine Rolle als Film-Boxer angeboten wird. Wer in den Schauspielerolymp aufgenommen werden will, sollte im Laufe seiner Karriere einmal einen Boxer verkörpert haben.

Herr im Ring

Regisseur David O. Russell, der Ende der 90er-Jahre mit „Three Kings“ eine bösartige Kriegssatire von Dauerhaftigkeit geschaffen hat, verfilmte nun das Leben des ehemaligen Boxweltmeisters Micky Ward (WBU-Champion) und dessen (Halb-)Bruders Dicky Eklund.

Micky (Mark Wahlberg) wird von seinem älteren Bruder Dicky (Christian Bale) trainiert und von seiner Mutter (Melissa Leo) gemanagt. Das Problem wird schnell klar. Micky, einem introvertierten, fast schon sensiblen Kraftlackel, fehlt es an sportlichem Erfolg und Selbstbewusstsein. Davon haben seine überambitionierte Mutter und sein Bruder – einst ein vielversprechender Boxer, der seinen Ruhm aus einem Sieg über den angehenden Weltmeister Sugar Ray Leonard speist – genug. Alle stehen sich gegenseitig im Weg, keiner spricht Klartext, erschwerend kommt hinzu, dass Dicky schwer crackabhängig ist. Ein Umstand, der offensichtlich ist, aber innerfamiliär auf gut irischkatholische Weise verdrängt wird, bis es nicht mehr geht. Es braucht erst einen Knastaufenthalt für Dicky, eine gebrochene Hand für Micky, die Kraft und Perspektive einer jungen Liebe und eine landesweit übertragene TV-Doku über das verpfuschte, triste Junkie-Leben von Dicky Eklund, damit alles besser werden kann.

Dass der Zauber einer wahren Geschichte mit HappyEnd heutzutage lange nicht mehr ausreicht, um ein derart geliebtes Genre wie den Boxfilm zu bedienen, ist klar. Deswegen beschränkt sich „The Fighter“ auch nicht darauf, ein Sportlerporträt zu sein, sondern schafft Vielschichtigkeit, indem noch eine Liebesgeschichte, ein Familienmelodram und ein Bruderzwist in zwei Stunden Film verwoben werden. Zusammengehalten von Christian Bale und Melissa Leo, die für ihre großartige Leistung zu Recht mit den Nebendarsteller-Oscars prämiert wurden; toll, aber sicher nicht der Hauptgrund, dass man es hier mit einem der besten Sportfilme der letzten zehn Jahre zu tun hat.

„The Fighter“, ab 8. 4. im Kino

– Manfred Gram

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★