Teuflisch guter David Garrett

Teuflisch guter David Garrett

Die feinen Finger brausen blitzschnell über die Geigenseiten, das romantisch zerzauste, dunkle Haar fällt über die wohltrainierten Schultern. Im Publikum geht ein verzücktes Raunen durch die Reihen. Als italienischer "Teufelsgeiger“ wurde Niccolò Paganini mit seinen furiosen Geigenkünsten bereits zu Lebzeiten zur Legende.

Im gleichnamigen Film gibt nun Stargeiger David Garrett sein Schauspieldebüt. Eine Traumrolle, auch wegen der vielen Parallelen, die er zwischen sich und Paganini ausgemacht hat. Natürlich ist Garrett viel schöner und weicher als es Paganini jemals war. Die Story aber ist angelehnt an das, was der 32-jährige erlebt hat. In seiner Kindheit soll Niccolò Paganini vom Vater zu stundenlangem Üben gezwungen worden sein. War der Kleine nicht fleißig genug, bekam er einfach nichts zu essen. Ganz so schlimm ist es bei David Garrett natürlich nicht gewesen, und doch liest sich seine Geschichte wie die vieler Wunderkinder.

Mit vier Jahren bekommt der Sohn eines deutschen Anwalts und einer amerikanischen Primaballerina seine erste Geige geschenkt. Später wird er erzählen, dass sein Vater, der eigentlich selbst Geiger werden wollte, viel und sehr intensiv mit ihm gearbeitet hat. Drill könnte man das auch nennen. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hat David Garrett beim Wettbewerb "Jugend musiziert“ mit gerade einmal fünf Jahren. Während andere Fußball spielen oder ins Schwimmbad gehen, übt er bis zu acht Stunden täglich. Privatlehrer helfen ihm, den Schulstoff zwischen den Tourneen zu bewältigen. Mit 14 unterzeichnet David Garrett dann, als jüngster Künstler überhaupt, einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon. Mit 18, plötzlich, reicht es ihm.

Gegen den Willen seiner Eltern geht er nach New York, studiert an der renommierten Julliard School bei Itzhak Perlman und jobbt als Barkeeper, Verkäufer und Model. Er lässt sich die Haare wachsen und Tattoos unter die Haut stechen, hört Rockmusik und Heavy Metal. In Deutschland erinnert sich bald keiner mehr an das einstige Wunderkind. 2007 versucht Garrett ein Comeback und spielt für die Decca ein Crossover-Album zwischen Klassik und Pop ein. Die CD wird nie veröffentlicht, weil bei der Plattenfirma niemand an das Projekt glaubt.

Marktpotenzial

Um nicht unterzugehen, muss David Garrett sich neu erfinden - oder neu erfinden lassen. Ausgerechnet jetzt wird Peter Schenkow auf ihn aufmerksam, jener Mann, der dafür sorgte, dass Klassikkonzerte in Deutschland zu kommerziellen Großveranstaltungen werden konnten. Schenkow vermarktet internationale Stars wie die Sopranistin Anna Netrebko oder den Pianisten Lang Lang und weiß sofort: das ist ein Künstler, der die Massen begeistern kann. Ein Mann mit Marktpotenzial. Dass in der Klassikbranche Worte wie Imagepflege oder Kommerz immer noch als No-Go gelten, kümmert den jungen Geiger wenig; er will spielen und als Musiker Geld verdienen. Also sitzt er bei "Wetten, dass …?“ oder Stefan Raab auf der Couch, erzählt seine Geschichte und sieht dabei noch unverschämt gut aus. Sex-appeal verkauft auch Klassik gut. Das haben selbst Künstler wie Jonas Kaufmann verstanden.

Heute ist der Name David Garrett eine gut etablierte Marke. Der gebürtige Aachener macht Werbung für Schmuck, hat seine eigene Kosmetiklinie und designt T-Shirts. Auch für den Playboy zog er sich schon aus. Dass es Kritiker und Klassikkünstler beim Wort "Crossover“ gruselt, findet Garrett arrogant. Die Leute, die seine Metallica-Version mögen, würden auch in seine Beethoven-Konzerte gehen, sagt er. Gute Musik, müsse schließlich immer eine Plattform haben.

Seine Rolle als Niccolò Paganini gibt David Garrett übrigens ziemlich überzeugend. Natürlich ist der Film auch kitschig, nackig machen inklusive. Aber egal, was Garrett spielt, sagt oder tut: er kommt immer authentisch rüber. Vielleicht liegt ja gerade darin das Geheimnis seines Erfolges.

"Der Teufelsgeiger“, ab 31.10. im Kino

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