Sofa Surfers melden sich mit neuem Album zurück

Kreisky - Trouble

Erwin Schrott - Rojotango

Die Sofa Surfers sind zurück. Mit "Superluminal“ gelang der Wiener Band das Kunststück, ihre kreativen Kräfte zu bündeln und sich auf Wesentliches zu konzentrieren.

Ist das wirklich schon 15 Jahre her?“ Überrascht belustigt reagieren die Sofa Surfers, wenn man sie auf ihr halbrundes Bandjubiläum anspricht. Vor anderthalb Jahrzehnten tauchten die vier Elektro-Musiker mit ihrem Debüt "Transit“ auf der Bildfläche auf und avancierten neben Kruder & Dorfmeister, Patrick Pulsinger oder Erdem Tunakan zu maßgebenden Proponenten der Wiener Schule des Dub. Also diese gefeierte Soundmelange aus Electro, Downbeat, Drum’n’Bass und TripHop, die Wien weltweit auf der Poplandkarte verankerte.

Seitdem hat das Elektro-Quartett Wolfgang Schlögl, Wolfgang Frisch, Markus Kienzl und Michael Holzgruber viel gesehen, erlebt und produziert. Privat - man hat Familien gegründet. Und beruflich - man hat den Paradigmenwechsel im Musikbusiness hautnah miterlebt. "Gezwungenermaßen sind wir Unternehmer geworden“, resümiert Wolfgang Frisch. Und als Unternehmer in der Kreativindustrie muss von Produktion, Finanzierung bis hin zur Logistik nun vieles über das eigene Plattenlabel Monoscope Productions gemanagt werden.

Auch die Kontakt- und Netzwerkpflege. "Die Sofa Surfers sind kein regionales Produkt, wir sind auf Internationalität angewiesen“, erklärt Frisch. Dementsprechend intensiv bemüht man sich um Marktterritorien wie Deutschland, die Schweiz und Portugal. Warum ausgerechnet Portugal? "Unsere Musik hat in Portugal immer bestens funktioniert. Wahrscheinlich, weil unsere Musik das Saudade-Prinzip, diese ganz spezielle Melancholie und Sehnsucht, ergänzt. Portugal ist das südlichste Land, das uns am nächsten ist“, schwärmt Markus Kienzl.

Gemeinsam solo

Jedenfalls steht jetzt mit "Superluminal“ Studioalbum Nummer sieben zum Verkauf, und auch sonst hat man einiges an kreativem Output in der Werksliste. Für die Verfilmungen der Wolf-Haas-Brenner-Krimis "Komm, süßer Tod“, "Silentium“ und "Der Knochenmann“ steuerte die Gruppe etwa die Soundtracks bei. Und, auch nicht ganz unwichtig, die einzelnen Mitglieder wandelten immer wieder auf Solopfaden oder widmeten sich ausführlicher Nebenprojekten.

Wolfgang Schlögl, auch bekannt unter seinem Nom de Guerre i-Wolf, musizierte etwa in den Nullerjahren sehr erfolgreich mit Thomas Rabitsch und Hansi Lang als "The Slow Club“ und verlagerte seinen musikalischen Output auch immer stärker ans Theater. Zuletzt etwa in der auf Gedichte von Christine Nöstlinger basierenden Inszenierung "Iba de gaunz oamen Leit“ im Wiener Rabenhof und in der Burgtheaterproduktion "Krieg und Frieden“ unter der Regie von Burgchef Matthias Hartmann.

"Die Soloprojekte sind als kreativer Freiraum für uns enorm wichtig, weil man da Dinge verwirklicht, die man in der Band nicht macht“, merkt Markus Kienzl an, und Wolfgang Frisch ergänzt: "Dinge, die man dann auch nicht mehr machen braucht, weil man es ohnehin für sich schon erledigt hat.“

Harmoniebedürfnis

Das spart dann einiges an Diskussionen beim Arrangieren neuer Tracks und dementsprechend entspannt kann man ins Studio gehen. Trotzdem: "Bei uns läuft alles sehr harmonisch und demokratisch ab“, kommentiert Michael Holzgruber die Arbeit am neuen Album "Superluminal“. Harmonie, die man hört. Dennoch musste die Band im Kreativprozess erst wieder zueinanderfinden. Das geschah, bevor überhaupt etwas produziert wurde, abgeschottet in einem Studio am Linzer Stadtrand. "Wir haben uns zehn Tage Klausur verschrieben und im Studio gejammt, um eine gemeinsame grundsätzliche Haltung fürs neue Album zu finden“, umreißt Holzgruber die Vorarbeit.

Mit dabei bei der Themensuche waren auch die beiden Sänger Mani Obeya und Jonny Sass. Der in Nigeria und London aufgewachsene Obeya stieß bereits vor gut sieben Jahren zu den Sofa Surfers und gehört mittlerweile zur Crew. Der 22-jährige Jonny Sass, Sohn von Tuba-Virtuose Jon Sass, kam neu dazu. Die beiden Herren haben ordentlich Schmelz in der Stimme und bringen den Soul ins Bandgefüge und aufs sehr vielschichtig ausgefallene neue Album, das die Erfahrungen aus 15 Jahren Bandgeschichte bündelt und unverkrampft hörbar macht.

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