Soap & Skin: Konzentrat an Emotionen

Bereits mit ihrem ersten Album wurde Soap&Skin als Ausnahmetalent gefeiert. Mit ihrem neuen Album untermauert die 21-jährige Steirerin ihren Status und liefert ein Meisterwerk aus Elektro-Pop & E-Musik.

Drei Jahre ist es her, dass die mittlerweile 21-jährige Anja Plaschg als Soap&Skin auf der internationalen Popbühne erschienen ist. Ein Auftritt, der mit einem enormen medialen Echo und Getöse einherging, denn – so war man sich einig – mit dem Debütalbum „Lovetune for Vacuum“ war etwas Großartiges von zeitloser Schönheit entstanden. Die Steirerin, die bei Gnas auf einem Schweinemasthof aufgewachsen ist und mit sechs Jahren mit dem Klavierspielen begann, avancierte zum wichtigsten (und vor allem ernst zu nehmenden) heimischen Musikexport der letzten Jahre.

Plaschg landete am Cover von Musikmagazinen, im internationalen Feuilleton wurde der Teenager mit guten Kritiken richtiggehend überschüttet, und ihr Erstling erhielt einiges an Musikpreisen. Hier – so der Tenor – ist ein Wunderkind am Werk, das authentisch seinen Weltschmerz reflektiert und kompromisslos sein Innerstes, sein Seelenleben verarbeitet, zur Schau stellt und von dunkler Melancholie getragene ­Einblicke gibt. Die hoch artifizielle und ins Detail durchdachte Mischkulanz aus Pianoklängen und Elektronik tat ein Übriges – so wurde einem Pop schon lange nicht mehr serviert. Zudem konnte und wollte sich Soap&Skin auch nicht den gängigen Erwartungen, die das Publikum an eine Bühnenperson hat, fügen. Schüchtern, zerbrechlich und äußerst zurückhaltend trat die junge Frau auf, sprach kaum mit ihrem Publikum. Tut sie bis heute nicht gerne und braucht sie auch nicht, denn hier wird mit Musik interagiert. So etwas fasziniert und irritiert gleichermaßen. Exzentrisch? Nein, in ers­ter Linie ist Soap&Skin einfach nur konsequent.

Alles unter Kontrolle

Mit „Narrow“, ihrem zweiten Album, untermauert Plaschg, die mit 16 Jahren nach Wien zog, um Kunst zu studieren, nun eindrucksvoll ihren Status als Ausnahmetalent in der heimischen Musikszene. Quasi im Alleingang hat sie die acht Songs geschrieben, komponiert, eingespielt und arrangiert. Veröffentlicht wird – wo sonst? – auf ihrem in der Zwischenzeit gegründeten eigenen Label Solfo. Die Sängerin hält die Zügel ihrer Kunst also fest in der Hand. „Narrow“ ist mit seinen acht Songs, die insgesamt kaum eine halbe Stunde dauern, wieder ein Konzentrat an Emotionen. Plaschg nimmt einen dabei mit auf eine aufwühlende, berührende Reise in ih­ren Kosmos. Auf „Vater“, dem Eröffnungsstück, singt Plaschg auf Deutsch über den schmerzlichen Verlust und unerwarteten Tod ihres Vaters. Was als Ballade am Klavier beginnt, wächst sich zu einem dichten, von Elektronik und Bläsern getragenen Epos aus.

Voyage ­Voyage

Danach covert sie den 80er-Jahre-Hit „Voyage ­Voyage“ von Desireless und ringt dem traurigen Schmachtfetzen durch Reduktion aufs Wesentliche neue Seiten ab. Soap&Skin präsentiert sich auf ihrem neuen Album vielfältig und reduziert, zeigt dabei aber die ganze Bandbreite ihrer musikalischen Einflüsse.

Auf „Lost“, einem weiteren todtraurigen Stück, zitiert sie Schuberts „Sehnsuchtswalzer“, und mit dem „Cradlesong“ belebt sie gar das Genre „Wiegenlied“ neu. Getragen von dunkler Romantik, ist dieses ­Album irgendwie mehr als ein Diesseitsbeweis. Live zu erleben bei der CD-Präsentation am 10. 2. in der Arena.

– Manfred Gram

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