"Schon ich, aber nicht ganz": Vitásek über
den Fledermaus-Frosch und das Altern

Andreas Vitásek spielt den Frosch in der „Fledermaus“ des Volkstheaters. Wie er ihn anlegt und warum sein nächstes Programm ums Altern kreist, erzählt der Kabarettstar im Interview.

Als er neulich den Kinder­wagen mit seiner jüngsten Tochter durch die Wollzeile schob, kam ihm ein gleichaltriger Schauspielkollege ebenfalls mit Kinderwagen und der Frage entgegen: „Na, auch mit dem Enkerl unterwegs?“ „Da schluckt man dann schon kurz einmal“, räsoniert Andreas Vitásek, sonst ganz stolzer 52-jähriger Vater einer ein­jährigen Tochter. „Das mit den Vätern der Generation ‚Supradyn 50 Plus‘ wird ­sicher auch ein Thema im neuen Programm.“

Selbstironie statt Tabubruch
Noch spielt Andreas Vitásek seine erfolgreiche Abrechnung mit den Spät-68ern, „My Generation“. Ein humorvoller Rückblick auf die letzten 25 Jahre. Mit Jugend­erinnerungen und Seelenstriptease. Denn Provokation oder Tabubruch ist sein Werkzeug nicht. Er punktet bei ­seinen Abenden lieber mit selbstironischen Erkenntnissen. Das angesprochene neue Programm übers Älterwerden wird es allerdings erst im Herbst 2010 geben, mutmaßt der viel beschäftigte Kabarettstar.

Fledermaus im Volkstheater
Denn jetzt hat er erst einmal Premiere im Volkstheater als Frosch in Michael Schottenbergs Schauspiel­fassung der Operette „Die Fledermaus“. Vitásek hat die Rolle des Kerkermeisters schon einmal gespielt – 2002 in der Grazer Oper. Ein Riesenerfolg. „Der britische ­Star-Countertenor, der damals den Prinzen Orlowski sang, zeigte sich schwer erstaunt, als ich sogar mehr Applaus bekam als er. ‚But you didn’t sing?! Did you?‘, hat er mich dann total verunsichert gefragt“, erinnert sich Vitásek schmunzelnd an seinen Riesenerfolg in Graz. Jetzt also ist er der Frosch in Wien, der bei Schottenberg Fröschl heißt.

Frosch im Keller
Der Volkstheaterchef in­szeniert die Strauß-Operette mit einem gesanglich begabten Schauspielerteam und der musikalischen Begleitung einer Fünfmannkapelle, angesiedelt in den 60er-Jahren. „Der Frosch singt aber auch hier als Einziger nicht“, betont Vitásek. Er hat den Monolog für diesen Kontrapunkt im Ensemble komplett neu ­geschrieben. Und gibt der Figur, was die Tradition spätestens seit Alexander Girardi verlangt. Der hat den Frosch zur Komikernummer ausgebaut, die mit politischen Kommentaren auch als Gewissen der ­Nation fungiert. Vitásek redet aber nicht, den 60er-Jahren gemäß, über Kreisky, sondern über die Gegenwart: Er zeigt den Frosch, abseits der besoffenen Lachbudenfigur in Uniform, als Archetyp, der im Keller lebt. „Eine kleine Anspielung auf das österreichische Schicksal und seine Kellerkinder.“

Bescherung und Jux
Einmal mehr lotet der studierte Theaterwissenschaftler und Burgtheaterstatist, der von Samy Molcho ausgebildet wurde und mit Jacques Lecoq und Peter Brook arbeite­te, ganz ungezwungen den schmalen Grat zwischen Kabarett und Theater aus. Zuletzt war er in den Kammerspielen an der Seite von Michael Niavarani in Anthony Neilsons Komödie „Eine schöne Bescherung“, zu sehen, als Weinberl in Nestroys „Einen Jux will er sich machen“ ist er derzeit zudem auf der Volkstheaterbühne im Einsatz. „Ich habe nicht das Gefühl, ich mache einen Salto rückwärts, wenn ich als Schauspieler agiere“, erläutert Vitásek, der sich auch als Regisseur am Theater mehrfach erfolgreich zeigte, aber: „Meine Heimat bleibt das Kabarett.“ Klar würde ihn auch ein zeitgenössisches Stück interessieren, neue Seiten, abseits vom charmant Lustigen.

Konfrontation mit dem Alter
Doch der nächste Nestroy ist schon gebucht: „Umsonst“ ist zu Saisonstart 2009 am Volkstheater angesetzt. Danach will sich der Kabarettist dann mit dem Themenkomplex „Älterwerden und Altsein“ auseinandersetzen. „Die Abarbeitung meiner Kindheit in Favoriten und das Resümee meiner 25-jährigen Bühnenerfahrung habe ich hinter mir“, betont er. „Wenn ich mir überlege, wie ein nächstes Programm ausschauen könnte, zeichnen sich eher ­Themen der Gegenwart ab, Zwischenmenschliches, politische Töne, das Männerbild, die Probleme mit den Patchwork-Familien und natürlich mein Alter, 50 plus ist die Realität.“ Vitásek ist immer wieder damit konfrontiert, dass ihn Fans mit den frühen Film­bildern aus Erfolgen wie „Müllers Büro“ oder „Malaria“ vergleichen. „Sie sind aber alt geworden“, heißt es dann immer.

Spielt Vitásek wirklich Vitásek?  
Im Herbst soll er auch wieder als Titelheld einer ­neuen ORF-Serie fungieren. „Vitásek?“ ­erzählt aus dem Leben des Kabarettisten und ­bewegt sich, so der Titelheld, „zwischen Fiktion und Authentizität: „Also schon ich, aber doch nicht ganz.“ Es geht um einen Kabarettisten in Vitáseks Alter, mit Frau, Kind und Hund und jede Menge familiäre Verwicklungen, wie sie Vitásek auch im Alltag nur allzu bekannt sind. Immerhin hat er selbst drei Kinder (24, 10 und 1 Jahr) von drei verschiedenen Müttern. Wann und ob die neue Serie wirklich auf Sendung geht, dazu will sich der Schauspieler nach bisherigen Erfahrungen mit dem ORF erst äußern, wenn es in ­einer Programmzeitung steht. „Der Pilot wurde jedenfalls bereits gedreht.“ Als Stimme und Gesicht des guten Kabaretts hat der „Texter, Dichter, Denker und Hobbyfußballer“ heuer das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien bekommen, weil ihm, so in der Begründung, „das Schwierigste gelinge, nämlich Leute zu unterhalten, zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen“.

Vitásek-Festspiele im Volkstheater
Hausherr Michael Schottenberg inszeniert die Strauß-Operette „Die Fledermaus“ mit Marcello da Nar­do und Katharina Straßer, Vitásek spielt den Frosch.
Premiere: Fr., 12. 12., 19.30 Uhr.
Gleichzeitig steht der Kabarettist auch als Weinberl in „Einen Jux will er sich machen“ im Volkstheater auf der Bühne. Nächste Vorstellung: 29. 12. Zu Silvester ist Vitásek im Großeinsatz: Nach „My Generation“ (15 Uhr) spielt er abends „Die Fledermaus“.

Von Michaela Knapp

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