Rock- & Popfestivals als Urlaubsalternative bei Schlechtwetter und Finanzkrise

Bei Finanzkrise und Schlechtwetter kann die Urlaubs­alternative durchaus auch Festival-Tourismus heißen. Die Auswahl an Groß-, Mittel- und Kleinevents ist jedenfalls riesig.

Was tun, wenn die Wetterfrösche Recht behalten und der heurige Sommer eher ein Herbst mit viel Tageslicht wird? Muss man sich da als Konzertveranstalter sorgen um den Umsatz machen? „Ich habe sechs Jahre lang mit dem ‚FM4 ­Frequency‘ den Salzburger Schnürlregen ausgehalten, da schrecken mich diese Wetterprognosen auch nicht mehr ab“, erklärt Harry Jenner, Chef des Veranstaltungsunternehmens Musicnet, trocken seine Sicht der Dinge. In Kooperation mit Musikveranstalter Ewald Tatar von Nova Music beherrscht Jenner gut 75 Prozent des heimischen Musikveranstaltungsmarktes und organisiert mit dem Nova Rock und dem Frequency auch die größten heimischen Fes­tivals. „Der Vorverkauf läuft okay.

Weniger Ausland, mehr Musik

Die Tendenz, dass in Krisenzeiten weniger Auslands­urlaube gebucht werden, kommt uns durchaus zu­gute“, fasst Jenner zusammen, der im Markt noch Potenzial sieht. „Die Festivalkultur hier­zulande hinkt im Vergleich zu England noch gut 20 Jahre hinterher. Über 40 zu sein und auf ein Festival zu gehen ist dort völlig normal.“ Vielleicht ist dies mit ein Grund, dass das heimische Alternative-Kult-Festival „Forest­glade“ nach vier Jahren wiederauferstanden ist. Nostalgie für die Kinder der 90er-Jahre. Der Festivalmarkt – an die 90 Veranstaltungen gibt es den Sommer über – floriert also auch in Krisenzeiten. Vor allem Klein- und Kleinstfestivals, die in relativ intimem Rahmen über die Bühne gehen, erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie zielgruppenadäquat programmiert werden können und (um noch einmal auf dem Thema Wetter her­umzureiten) Orte bespielt werden, die dieses Risiko minimieren. Ein gutes Beispiel dafür findet man Anfang Juli in Wien, wo sich die Club-Player Pratersauna, Planetarium und Fluc zum mehrtägigen „Prater unser“ zusammenschließen und ungewöhnliche Locations im Wurstelprater bespielen wie z. B. eine Riesenradgondel oder das Schweizerhaus. Da ist man relativ unabhängig, was widrige Wetterumstände betrifft.

Manfred Gram

Nova Rock, 11. – 13. Juni
Seit 2004 wird das burgenländische Grenzgebiet drei Tage lang zum Treffpunkt für Freunde krachender Gitarrenriffs, und die kommen immer wieder. So wie die Bands, die da heuer zur Abwechslung u. a. wären: Green Day, Slayer, Rammstein, The Prodigy, Beatsteaks, Sportfreunde Stiller und Slash. Aber auch mit kleinen Überraschungen kann das Line-up aufwarten. So ziehen etwa Deichkind ihre denkwürdige Show, angesiedelt zwischen Avantgarde und Kindergeburtstag, ab; und die britische Singer-Songwriterin Kate Nash findet sich ebenfalls im Programm wieder.

Forestglade, 16. – 17. Juli
2006 hat eine Mure das Festivalgelände von Wiesen verwüstet, und das beliebte Forestglade-Festival konnte nicht stattfinden. Vier Jahre später wird das beliebte Festival reanimiert. Veranstalter ist der heimische Marktleader Musicnet/Novamusic, der das Festivalzelt für diese Wieder­belebung ziemlich breit programmiert hat. Ein Auszug aus dem Line-up liest sich wie das Who’s who der 90er-Jahre: Die Fantastischen Vier, K’s Choice, ­Therapy?, The Cranberries und Faith No More sind da etwa zu sehen. Den Gegen­pol dazu machen New Model Army (80er) und Gossip mit ihrer charismatische Sängerin Beth Dito. Willkommen im neuen Jahrzehnt!

FM4 Frequency, 19. – 21. August
Zum zweiten Mal präsentiert sich das größte ­heimische Festival im Green Park in St. Pölten. 120.000 Menschen finden dort Platz. Im Vorjahr war die Sache jedenfalls ausverkauft. Dementsprechend Wert legt man auch auf ein Nachhaltigkeitskonzept zur Umweltschonung und Müllvermeidung. Ansonsten sind Bands wie die Toten ­Hosen, Massive Attack, Muse und Tocotronic dabei; irgendwie schafft man den Spagat, für jeden etwas zu haben. Im Nightpark fürs Club- & Partyvolk spielen Tiefschwarz oder Paul Kalkbrenner. Auf den Bühnen gibt es einen Alter­native-Mainstream-Reigen. Jan ­Delay und ­Fettes Brot sind ebenso dabei wie der grandiose James Murphy mit LCD Soundsystem, dem es meist gelingt, Männer ab 40 zu rhythmisieren.

Festivals für alle:
● Donauinselfest (25.–27. 6.): Eine Million Menschen werden an drei Tage erwartet. Es spielen Rainhard Fendrich, Die Seer und Adam Green.
● Clam Classic Rock (9. 7.) in Klam mit Toto, Uriah Heep, ­Manfred Mann’s Earth Band.
● Lovely Days (10. 7.) in Wiesen, wo die Altrocker (Manfred Mann’s Earth Band) nochmals zu sehen sind.
● Das Poolbar Festival (2. 7. – 22. 8.) bringt Popkultur nach Feldkirch. Eröffnet wird mit den Goldenen Zitronen (2. 7.) und der Funk-Punkerin Ebony Bones am 3. 7.
● Beim Four Elements (8.–11. 7.) gibt es Hip-Hop in Graz.
● Beim Beat­patrol (23.–25. 7.) in St. Pölten sollen heuer die Crookers, Bauchklang und Fritz Kalkbrenner die Massen anlocken.
● Und mit dem Stuck Festival (5.–7. 8.) reklamiert sich Salzburg auf die Veranstaltungsliste.
● Beim Two Days a Week (2.–4. 9.) klingt der Sommer mit Pla­cebo in Wiesen dann aus.

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