Robert Lepage gastiert bei den Wiener Festwochen

Robert Lepage gastiert bei den Wiener Festwochen

Robert Lepage ist einer der Big Names des Welttheaters. Jetzt gastiert der medienscheue Frankokanadier mit seinem aktuellen Projekt "Playing Cards 1“ über Spielsucht, Sex, Gewalt & Drogen bei den Wiener Festwochen.

I will always love you tender and never send you return to sender“, lässt der Pastor als Elvis-Imitator ein Hochzeitspaar in Las Vegas ihr unkonventionelles Ehegelöbnis nachsprechen. Unweit davon hat ein spielsüchtiger britischer Manager sein ganzes Geld durchgebracht, an der Bar streiken all seine Kreditkarten, während daneben ein schwules Soldaten-Paar auf seinen Einsatz wartet. Geschichten aus Las Vegas im Frühling 2003, an jenem Wochenende, an dem George Bush entschied, im Irak einzumarschieren. Wir befinden uns in "Playing Cards 1: Spades“, einer Robert Lepage-Show. Das heißt: subtil verschachtelte Plots, ausgetüftelte Technik, raffinierte Effekte auf einer multifunktionalen Bühne und tolle Schauspieler, die mindestens in drei Sprachen agieren.

Der 55jährige Frankokanadier Robert Lepage zählt, wie Robert Wilson oder Peter Brook, zu den Weltstars und Neuerern des Theaters. Mit seinen genialen bildkräftigen Arbeiten gelingt es Lepage, sein Publikum weltweit oft bis zu neun Stunden zu fesseln. Er ist auf allen internationalen Festivals vertreten und auch ein Fixpunkt im Programm der Wiener Festwochen. So waren hier seine Produktionen "The Far Side of the Moon“, "The Anderson Projekt“ und zuletzt auch das Neunstunden-Epos "Lypsynch“ zu sehen.

Am 11. Juni hat seine aktuelle Arbeit "Playing Cards 1: Spades“ in Wien Premiere: Der Zweieinhalbstunden-Abend ist Teil eins einer Tetralogie, die der Bühnenzauberer dem Kartenspiel und seinen Symbolen Pik, Herz, Karo und Kreuz widmet. Ein ergiebiger Rahmen für einen Theaterzyklus, den Lepage nach "Spades“ in den nächsten Jahren mit "Hearts“, "Diamonds“ und "Clubs“ fortsetzen wird. Jedes der Stücke steht für sich und erforscht ein eigenes Universum, inspiriert von den Eigenschaften der Spielkarten: Während Pik - das sich von der Lanze ableitet und mit Militär gleich gesetzt wird - von Gewalt, Sex und Drogen erzählt, wird "Herz“ über Liebe, Magie und Glaubenssysteme erzählen, "Diamonds“ in die Businesswelt am Flughafen von Dubai führen und "Cubes“ sich mit dem arabischen Frühling beschäftigen. So der Plan. Denn im Universum von Robert Lepage kann und muss sich immer alles ändern, überraschend und work in progress bleiben. Die phantasievollen Bilderbögen, die mit filmischen Codes Theater kreieren, erarbeitet Lepage in seiner Heimatstadt Québec. Seit 1993 leitet der multimedial agierende Künstler da die Theaterkompagnie Ex Machina. Für "Playing Cards 1“ spielen sechs Schauspieler an die 50 Rollen. Phantasie, Eigensinn, Mut und Intelligenz verlangt er seinen mehrsprachig agierenden Schauspielern ab.

"Als Regisseur bin ich eine Art Christopher Kolumbus, dementsprechend brauche ich bei der Entdeckung eines Kontinents abenteuerlustige Schauspieler“, propagiert der medienscheue Theatermann gerne. Mit Opernsängern, Tänzern wie Dramaturgen aus allen Teilen der Welt, entwickelt Lepage dann eine gemeinsame Theatersprache, die Anleihen bei Film, TV, dem Zirkus oder großen Las Vegas-Shows nimmt. Immerhin hat Lepage nicht nur Mega-Tourneen von Peter Gabriel konzipiert oder eine der teuersten Shows des Cirque du Soleil kreiert. Zwischen 2010 und 2012 hat er auch Wagners gesamten Ring-Zyklus für die New Yorker Metropolitan Oper als 16 Millionen Dollar-Projekt in Szene gesetzt.

Am Spieltisch des Lebens

Für Spades greift er die Form der Arena auf: die Zuschauer sitzen um eine kreisrunde Bühne, die gesamte Show findet auf einem Rondeau statt, das sich vom riesigen Spieltisch blitzschnell in eine Bar, ein Pool, eine Kaserne oder ein Hotelzimmer verwandelt und dem Zuschauer etwas von der Dynamik eines Boxkampfes liefert. "Es ist eine Lust, der Verwandlungsfähigkeit und Präsenz der Spieler und den Zauberern unter der Bühne zuzusehen“, bringt Stefanie Carp demgemäß die Magie der Theaterarbeit von Lepage auf den Punkt. Die Schauspielchefin der Wiener Festwochen, die Lepages neuestes Projekt als unverzichtbaren Part im Programm empfindet, streut ihm vor allem als modernem Geschichtenerzähler Rosen: "Lepage erzählt Geschichten über Menschen, sehr alltägliche Geschichten sehr alltäglicher Menschen. Meist zeigt er uns Ausschnitte ihres Lebens; meist sind es viele Menschen, deren einzelne ausschnitthaft miterlebte Erfahrungen er aufeinandertreffen oder neben einander her laufen lässt. So lässt er uns an vielen auf die Welt verstreuten Biografien Anteil nehmen mit einem humanen, zugewandten Blick auf das heutige Leben heutiger, meist großstädtischer Menschen.“

In diesem facettenreichen Universum kommt natürlich auch der Humor nicht zu kurz: So enthält "Spades“ auch eine Sequenz über ein Paar, das unbedingt in ein Celine Dion-Konzert will. Eine Episode, die auf einer wahren Begebenheit beruht: Als 2003 das Bombardement auf Bagdad begann, startete die kanadische Sängerin im Caesar’s Palace in Las Vegas gerade ihre neue Show. Die "Los Angeles Times“ schrieb in der Konzertkritik: "An diesem Wochenende gab es gleich zwei Katastrophen in zwei unterschiedlichen Wüstenstädten.“

Festwochen: "Playing Cards 1: Spades“

"Spades“, der erste Teil der Tetralogie "Playing Cards“, ist ein Porträt der nordamerikanischen Lebensweise. Regisseur und Autor Robert Lepage lässt viele Menschen mit ihren persönlichen Dramen in Las Vegas aufeinander treffen. Es geht um Sucht, Geldwahnsinn, Krieg und südamerikanische Sklavenarbeit. Messe Wien, Halle D, Prem.: 11. 6., 19.30 Uhr.

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