Rise like a Phoenix: Conchita Wurst gewinnt den Eurovision Song Contest 2014

Rise like a Phoenix: Conchita Wurst gewinnt den Eurovision Song Contest 2014

Conchita Wurst, das Alter Ego des Travestie-Künstlers Tom Neuwirth, triumphierte beim Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen. Der Frau mit Bart flogen bei dem Wettbewerb die Herzen zu. 13 Mal erhielt sie für den Song "Rise like a Phoenix" die Höchstpunktezahl 12. Österreich hat wieder einen Star.

Die Nacht des 10. Mai 2014 wurde zur großen Nacht von Conchita Wurst. Die Drag-Queen aus Wien gewann mit dem Titel "Rise like a Phoenix" den 59. Eurovision Song Contest in Kopenhagen mit einem Respektvorsprung vor den Niederlanden und Schweden und holte damit zum zweiten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs den Titel für Österreich.

Nicht nur die Interpretin selbst, auch Österreich ist mit diesem Song wieder auferstanden. Seit 1966, als Udo Jürgens mit dem Klassiker "Merci Cherie" den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen hatte, hatte man in Österreich und beim ORF vergebens auf eine Wiederholung des Triumphes gewartet. Entsprechend groß war auch die Freude bei ORF-Programmchefin Kathrin Zechner und Generaldirektor Alexander Wrabetz, die bei der großen Show in Kopenhagen mitfieberten.

In den vergangenen Jahren war eine Teilnahme am ESC für den ORF oft schon eine Kostenfrage gewesen. In den Jahren 2006, 2008, 2009 und 2010 hatte man sogar schon auf eine Teilnahme verzichtet. Zu aussichtslos schien es, bei dem Wettbewerb, der jährlich rund 150 Millionen Zuseher vor die Bildschirme holt, überhaupt in die vorderen Ränge kommen zu können. Seit der Jahrtausendwende wurde der Wettbewerb von den Ost-Staaten dominiert, die sich bei den Votings gegenseitig bevorzugen zu schienen. Zechner machte den ESC wieder zur Chefsache im ORF, musste 2012 und 2013 mit den Trackshittaz und Natália Kelly aber noch Rückschläge einstecken. Mit einem letzten (Tracksittaz, Woki mit dem Popo) und einem drittletzten Platz (Natália Kelly, Shine) blieb die Ausbeute sehr mager.

Es ging um die Wurst

2014 ging es beim ORF also um die sprichwörtliche Wurst. Conchita Wurst, die Kunstfigur, Drag-Queen und Alter Ego des ebenfalls schon in einer ORF-Show gecasteten Sängers Tom Neuwirth, sollte es ganz Europa zeigen. 2012 war Conchita, die Frau mit Bart, noch in einem ORF-internen Casting den Trackshittaz unterlegen geblieben und damit nicht nach Baku (Aserbaidschan) zum ESC gefahren.

Womöglich war das gut so - auch wenn die Blamage in Baku sowohl für den ORF als auch für die Trackshittaz und deren Frontmann - dem ebenfalls einer ORF-Castingshow ("Helden von Morgen", 2010) hervor gegangenen Mundart-Rapper Lukas Plöchl - schwer zu verdauen war und für zweiteren einen massiven Karriere-Knick bedeutete.

Neuwirth hatte hingegen zwei Jahre Zeit, um sein Alter Ego Conchita Wurst zu perfektionieren, die Frau mit Bart so zu gekonnt in Szene zu setzen, dass sie alleine durch ihr Erscheinen und Auftreten schon ein Star ist. Wenn Conchita Wurst heute auf der Bühne ihre Stimme erhebt, dann bleibt kein Auge mehr trocken. Auch wenn ein langer Konzertabend mit Conchita Wurst Längen haben kann - die Wiener Drag-Queen ist ein Star, vielleicht der größte, im Musikgeschäft, den Österreich in vielen Jahren hervor gebracht hat.

Kas-Ding und Casting

Der ORF kann sich freuen, dass die Mission ESC gelungen ist. Im Vorfeld des ESC 2014 hatte man gar nicht mehr gewagt, an einen Titel zu denken. Schon mit einer Platzierung unter den Top 5 wäre man hoch zufrieden gewesen. Auch wenn man natürlich hoffte und wusste, dass über Conchita, die Frau mit Bart, in ganz Europa gesprochen und diskutiert wurde. Im Osten Europas drohte man im Vorfeld des ESC, die Übertragung zu unterbrechen, wenn Conchita auf auf die Bühne kommt. Diesen "Schmutz", warnte man, werde man nicht zeigen. Der Kabarettist Michael Mittermeier nimmt in seinem aktuellen Programm "Blackout" auf sie Referenz. Dieter Bohlen will sie als Jurorin für die Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar (DSDS)", Stefan Raab in TV Total. Der ORF wäre allerdings besser beraten, seinen neuen Star selbst an der Hand zu nehmen und in die Jury der eigenen Casting-Show "Die große Chance" zu setzen.

Nun wird der 60. Eurovision Song Contest im nächsten Jahr in Österreich stattfinden. Goodbye, Kopenhagen, Servus Wien. Die Organisation und Veranstaltung des ESC 2015 wird dem ORF sicher eine Stange Geld kosten und Programmchefin Kathrin Zechner kann jetzt schon überlegen, wie sie das Budget dafür zusammenkratzt. Andererseits: Die Gelegenheit, eine Sendung mit 150 Millionen Zusehern weltweit zu inszenieren bekommt der ORF wohl so schnell nicht wieder. Da sind die Kosten vermutlich Wurst. Man darf sich im Mai 2015 auf ein langes, intensives ESC-Monat gefasst machen. Sponsoren und Werbepartner dafür zu finden sollte keine Schwierigkeit sein.

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