Retrospektive Robert Bresson: Das Gesamtwerk

Retrospektive Robert Bresson: Das Gesamtwerk

Robert Bresson (1901-1999) zählt mittlerweile unbestritten zu den unumstrittenen Giganten der Filmgeschichte. Sein 13 Langfilme umfassendes Werk wird retrospektiv dem Weltkulturerbe zugeordnet. Das Österreichische Filmmuseum zeigt jetzt, in Kooperation mit dem Institut Francais, alle Filme des französischen Meisterregisseurs.

Er war ein Querdenker, ein unbequermer Nein-Sager, der sich allen politischen Zuordnungen konsequent verweigerte. Bemerkenswert in einer Zeit, da es als chic und selbstverständlich galt, weiter oder noch weiter links politisch verortet zu sein und darüber öffentlich möglichst große Töne zu spucken. Bresson jedoch ging es immer um andere Dinge. Sein Thema war Religion, verdichtet auf Gut und Böse, Gott und Teufel.

Das Geheimnis der letzten Dinge

"Gerade weil ich Realist bin, verspüre ich eine Neugier auf das Geheimnis der Dinge und der Menschen. Ich glaube an eine kinematographische Psychologie, die sich einer Erklärung verweigert", sagte Robert Bresson einmal. Seine Filme kreisen allsamt um das Geheimnis der letzten Dinge und den Dreiklang Leben-Liebe-Tod und um Glaube und Gewalt. Dinge passieren, en passant, wie nebenbei und doch bezwingend in ihrer Selbstverständlichkeit. Es geht natürlich immer um das große "Warum", alleine die dramaturgische Stringenz der Handlung fast aller seiner Werke lässt diese Frage nicht zu. Bresson war ein zutiefst moralischer Filmemacher, in dessen Filmen weniger eine "Moral", schon gar nicht seine Moral, als vielmehr das Gegenteil zu finden ist. Gewalt und der Teufel – möglicherweise. Es ist so, weil es so sein muss. Punkt.

Verknappung und Verdichtung

Bressons bevorzugtes Stilmittel ist Verknappung verquickt mit Verdichtung. Ein staubtrockender Minimalismus, der jedoch der 'Wahrheit' verpflichtet ist. Oder, wie Michale Haneke dem "Spiegel" sagte, "einer Genauigkeit der Bilder". Wer die Filme des französischen Regiegroßmeisters kennt, und das Werk Hanekes, weiß um diese Referenz. Die Befreiung der Bilder von unnötigem Beiwerk, 'Nötige Bilder' zu schaffen ist auch Hanekes moralisches Anliegen.

Der österreichische Oscarpreisträger (Lieblingsfilm: Au hasard Balthazar (Zum Beispiel Balthasar)) spricht am Eröffnungsabend der Schau (FR, 8. März, 21.00) über seinen Bezug zum Schaffen Robert Bressons und über den dann folgenden Lancelot du Lac (Lancelot, Ritter der Königin). Für Haneke schlicht "der beste Anti-Kriegs-Film aller Zeiten".

Ein weiteres Meisterwerk: Pickpocket, die von Dostojevski inspirierte Geschichte eines Taschendiebs. Ein kristallin-schillerndes Balett der Gesten und Hände.

Der Respekt vor diesem verbietet es, aus Bressons Oeuvre einzelne Filme herauszustellen, Au hasard Balthazar (Zum Beispiel Balthasar) (1966) und Le Diable probablement (Der Teufel möglicherweise) (1977) seien dennoch markiert. Ersterer alleine der traurigen Augen des Esels Balthazar wegen, der das Elend der Welt, das Elend was wir uns und allen Kreaturen antun, auf seine Schultern lädt (wie Christus am Kreuz) und stellvertretend für alle Mensch trägt und erträgt. Letzterer wiederum, eine gewaltige Chronologie des Todes, die ihren Titel zu Recht trägt: Der Teufel möglicherweise.

Bressons letztes Werk, L’Argent (Das Geld) von 1983, ist ein Mal mehr von seinen Themen Moral und Gewalt bestimmt: Eine von gut situierten Jugendlichen in Umlauf gebrachte gefälschte Banknote ruiniert Beruf, Freiheit Familie und Seele einer unbescholtenen Bürgerin. Wie dem Programmheft zur Retrospektive zu entnehmen: Die 16 Jahre bis zu seinem Tod hat Robert Bresson keinen Film mehr gedreht, aber L'Argent ist genug für die Ewigkeit.

"Wenn ich Filme von Tarkovskij sehe, glaube ich an Gott", lautet ein bekanntes Zitat.

"Wenn ich Filme von Bresson sehe, glaube ich an den Teufel", sagt
Ihr Autor.

Das Österreichische Filmmuseum feiert Bresson mit einigen Gästen aus dessen unmittelbaren Umfeld: Isabelle Weingarten, Hauptdarstellerin in Vier Nächte eines Träumers und Fotografin am Set von Der Teufel möglicherweise, wird ebenso anwesend sein wie Marika Green (Pickpocket), Florence Delay (Procès de Jeanne d'Arc) und Dominique Sanda (Une femme douce).

Alle Infos und Programm: www.filmmuseum.at

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