Ran an die Kunst! Die Wiener Festwochen 2009 bringen erfrischende Produktionen

Die gute Nachricht zu den Wiener Festwochen: Karten gibt es derzeit noch für alle Vorstellungen! Die beunruhigende: Die Auswahl an guten Produktionen ist enorm.

Keine Angst! Wenn Sie Mitte Mai am Schwedenplatz im ersten Wiener Gemeindebezirk gleich sieben Kameras auf einmal erspähen, sind Sie nicht im Google-Visier, sondern Teil eines Projektes der Wiener Festwochen. Das britisch-deutsche Künstlerkollektiv Gob Squad befragt für „Saving the World“ 24 Stunden lang Passanten über Gewohnheiten. Derart soll die Welt gespeichert werden, um auch dem Publikum von morgen zu zeigen, was die Wiener 2009 geliebt haben. Was wird wichtig gewesen sein? Geld? Liebe? Oder etwa gar ein Besuch bei den Wiener Festwochen?

Der Zuschauer im Container
Karten gibt es derzeit noch für alle Vorstellungen, denn der Vorverkauf an den Kassen startet erst am 25. 4. Die Mischung des mit 14 Mio. Euro budgetierten Festivals (8. 5. – 14. 6.), das sich heuer mit Workshops und Performances abseits der herkömmlichen Bühnen noch intensiver „Into the City“ mischen will, kann sich sehen lassen: Neben den angesagten Topacts des internationalen Bühnengeschehens – von Eigenproduktionen mit Christoph Marthaler bis zu Inszenierungen von Andreas Kriegenburg, Peter Stein oder Jürgen Gosch – ist es dem Team um Langzeit-Intendant Luc Bondy (Schauspielchefin Stefanie Carp, Musikdirektor Stéphane Lissner) gelungen, auch erfrischend neue und wegweisende Produktionen im Programm zu platzieren.

Frische Produktionen
So wird sich etwa der ungarische Film- & Theaterregisseur Kornél Mundruczó in seinem zynischen „Frankenstein-Projekt“ mit dem Thema Castingshow auseinandersetzen. Der Zuschauer sitzt demgemäß in einem vollgestopften Container. Schrittweise verfolgen konnten Festwochen-Aficionados die Entwicklung des lettischen Regisseurs Alvis Hermanis: Mit „Schuschkins Erzählungen“ präsentiert er seine vierte Arbeit in Wien. Nach den Erzählungen des russischen Kultautors & -filmers, der 1974, erst 45-jährig, an einem Herzinfarkt starb, stellt er das Leben der Megapolis Moskau jenem in der russischen Provinz gegenüber. Auch die Ästhetik und Arbeitsweise von Ivo von Hove ist bei den Festwochen schon erprobt. Ob bei „Römische Tragödien“ oder „Szenen einer Ehe“, der Zuschauer sitzt immer mitten auf der Bühne und darf auch diesmal wieder einer hochemotionalen Grenzüberschreitung zwischen Privatem und Beruf beiwohnen. „Opening Night“ erzählt nach John Cassavetes’ Film von der Krise einer alternden Schauspielerin.

Bürgerliches Purgatorium
Eine Krise ganz anderer Art hat die deutsche Formation Rimini Protokoll vorweggenommen: Ihre Dokuperformance beschäftigt sich mit dem „Kapital“ von Karl Marx und thematisiert Ware, Wert und Wertschöpfung. Mit verstörenden wie irritierenden Bildern wiederum arbeitet Romeo Castelluccis Gruppe Socìetas Raffaello Sanzio. Unter dem Titel „Purgatorio“ nach Dantes „Göttlicher Komödie“ zeigt man eine unangenehm moderne Hölle: ein bürgerliches Designer-Wohnzimmer mit verdammt einsamen Protagonisten, verflucht dazu, ihr voraussehbares Leben zu leben. Voraussehbar erfolgreich einzustufen ist Peter Sellars’ Shakespeare-Adaption „Othello“ mit dem amerikanischen Kinostar Philip Seymour Hoffman (siehe Artikel ) .

Von Michaela Knapp

Im Bild: The Andersen Project
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