Programm-Highlights und Schwerpunkte der kommenden Viennale 2010

Zwischen 21. Oktober und 3. November ist es wieder so weit. Artisten, Kino, Attraktionen sorgen für einen Hype, bei dem Menschen Filme anschauen, in die sie sonst nie gehen würden.

Luxus“ ist ein Begriff, den Viennale-Direktor Hans Hurch nicht zufällig wählt. Auch wenn er ihn auf die Qualität seiner Veranstaltung bezieht – auf der Viennale findet sich auch heuer von Avantgarde bis Action alles vertreten –, so trifft er vor allem auch für die finanzielle Seite zu. Während vielerorts vom Sparen die Rede ist, stellt die Viennale mit 2,8 Millionen Euro Budget selbst das zweitgrößte Filmfestival Deutschlands in München in den Schatten. Der Vorteil: In Wien kann das Publikum mit besonders vielen Filmschaffenden in Kontakt treten. Die Gästeliste ist fast so lang wie bei den großen A-Festivals dieser Welt.

Einer der Stars ist Musik-Ikone Lou Reed, der mit 67 Jahren sein Filmdebüt gegeben hat. Mit „Red Shirley“ porträtiert Reed seine 100-jährige Cousine Shulamit Rabinowitz.

Eröffnet wird die heurige Filmschau von Xavier Beauvois’ Cannes-Jury-Sieger „Des hommes et des dieux“, der die Verschleppung und Ermordung einer Gruppe von Zisterziensermönchen im algerischen Bürgerkrieg durch islamische Terroristen 1996 aufgreift.

Rund 130 Langfilme sind bei der heurigen Viennale zu sehen, darunter verdiente Meister wie Jean-Luc Godard mit „Film socialisme“, Marco Bellocchio und Mike Leigh. Einer der Höhepunkte ist sicherlich Olivier Assayas’ Verfilmung des selbststilisierten Superterroristen „Carlos“. In dem fünfstündigen Epos lässt sich (anders als in Bernd Eichingers Dummschwätzer-Drama „Der Baader Meinhof Komplex“) eine ganze Epoche über PLO und RAF bis zu Kreiskys Nahostpolitik verfolgen.

Einen Kontrapunkt dazu setzen Komödien, ein im Festivalbetrieb nicht unbedingt stark vertretenes Genre. Zu erwähnen wären Todd Solondz’ „Life During Wartime“, eine bitterböse Satire, die als lockeres Sequel von „Happiness“ erneut mit Freude die Peinlichkeiten und Tabus unseres Lebens bloßstellt.

Oder Tim Blake Nelsons „Leaves of Grass“, in dem es Edward Norton in einer Doppelrolle als Drogendealer und Philosophieprofessor aufreibt.

In „Highschool“ (mit Adrien Brody) soll hingegen gleich eine ganze Schule unter Drogen gesetzt werden, um das Vergehen eines Vorzeigestudenten zu verschleiern.

Nichts Neues indes von Woody Allen, dessen Beziehungskrisenmovie „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ wieder einen älteren Herrn Trost bei einer jungen Frau suchen lässt – diesmal Anthony Hopkins bei der 40 Jahre jüngeren Lucy Punch.

Die Tributes

Neugierig darf man auf einen der Tributes sein: Wien widmet dem kanadischen Filmemacher Denis Côté als erstes Festival eine Werkschau. Die fünf Langfilme des Underground-Musikers erschließen sich unterschiedlich. Während „Our Private Lifes“ (2007) eingängig die Beziehung zwischen einer bulgarischen Migrantin und einem Kanadier schildert, muss sich der Zuseher beim Porträt eines eigentümlichen Schrottsammlers, „Carcasses“, übersetzt „Kadaver“, schon auf das Tempo dieses Mannes einlassen.

Eine Welt, deren Schöpfer sich langsam verabschieden, ist die der Nouvelle Vague. Eric Rohmer – wie Claude Chabrol kürzlich verstorben – ist deshalb die Retrospektive im Filmmuseum gewidmet.

– Gunnar Landsgesell

Viennale, 21. 10. bis 3. 11.
Tickets sind ab 16. 10., 10 Uhr, an den Viennale-Vorverkaufsstellen Stubentor, Generali Center und Schottentor erhältlich. Wie auch online: www.viennale.at . Zusätzlich am Startwochenende: Kassen im Gartenbau und im Künstlerhauskino.

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