Pop und Popsch – Sex geht immer

Shakira, der Superstar meldet sich aus der Babypause zurück. Das Album "Shakira" erscheint am 21. März. Auch die immerjunge Kylie Minogue erfindet sich mit "Kiss me Once" nach vier Jahren Pause neu. Ihr Album, auf dem auch Pharell Williams mitmischte, gibt es schon ab dem 14. März zu kaufen

Pop und Popsch – Sex geht immer

Vier Jahre war Sendepause. Und jetzt das: Im wichtigen Musikmonat März - werden doch im Lenz nach guter alter Tradition die Weichen in Richtung Sommerhit zu stellen versucht - veröffentlichen gleich zwei Ikonen des Mainstream-Pops neue Alben. In der einen Ecke die Kolumbianerin Shakira, die Anfang der Nullerjahre ihren weltweiten Durchbruch schaffte und sich nun aus der Babypause zurück meldet. Vater - für alle, die nicht die Societyseiten studieren - ist der spanische Fußballer Piqué, der als Innenverteidiger beim FC Barcelona kickt. In der anderen Ecke wartet die Australierin Kylie Minogue (Bild). Die geistert seit den späten 1980er Jahren durch die Charts und hat schon einiges an groben wie feineren Imagewechseln erlebt.

Sex sells

Gelandet sind beide im Superstar-Pool. Dort plantschen sie friedlich vor sich hin und werden von Millionen als globale Identifikationsfiguren gefeiert. Künstlerisch ist in diesem Becken traditionell ganz viel Luft nach unten, weshalb Risikofaktoren in Form von kreativer Experimentierfreudigkeit eher gemieden werden. Eine Armada der wichtigsten und kreativsten Gegenwartsproduzenten rückt dann an und schneidert jeweils zum Image passende Mainstream-Pop-Alben zurecht, die dem Zeitgeist entsprechen sollen, ganz auf die Stärken und Qualitäten des jeweiligen Stars ausgerichtet sind und vor allem viel Sex thematisieren. Weil - Sex geht bekanntlich ja immer.

So tragen dann auf Kylie Minogues neuem Release "Kiss Me Once“ Songs auch Titel wie "Les Sex“, "Sexy Love“ oder - bitte festhalten - "Sexercize“. Im Video zur ersten Single-Auskoppelung "Into the Blue“ gibt die 45-Jährige dann ihrem Alter entsprechend die gediegene, freiheitsliebende High-Class-Milf. Menschen, die sich heute noch gerne "Sex and the City“-Folgen reinziehen und nach dem Pilates-Work-out gelegentlich in Cocktailbars versumpern, werden glücklich sein und sich jung fühlen. Denn auch ein bisschen 1980er Jahre Glockengebimmel hört man bei der einen oder anderen Nummer im Hintergrund.

Rihanna als Gast-Sängerin

Bei Shakira, die zwölf Jahre jünger als Kylie ist und Anfang Februar 37 Jahre alt wurde, konnten die Produzenten beim Comeback - ein durchaus gelungenes übrigens - noch in anderen Codes-Kisten wühlen, mussten aber, um den Publikumskreis sinnvoll zu erweitern, auch schon ein wenig tricksen. "Can’t Remember To Forget You“ heißt der Vorbote zu ihrem selbstbetitelten Album und man hat ihr mit Rihanna einen anderen lateinamerikanischen Superstar zur Seite gestellt. Die Sängerin aus Barbados ist eine Pop-Generation jünger, der Altersschnitt ihrer Fans niedriger, die Zielgruppe ähnlich. Folglich rekelt man sich gemeinsam durchs Video und versucht, eine enttäuschende Liebe zu vergessen.

Das Duo schlägt sich wacker und findet sich beim gemeinsamen Rauchen von Cohibas auch körperlich sehr sympathisch. Die zarte Andeutung von gleichgeschlechtlichen Zärtlichkeiten, wenn gleichzeitig auch noch zwei rauchende Phallussymbole im Mund stecken, beflügelt sicher universelle Sex-Phantasien. Bei so etwas läuft der Aufmerksamkeitsgenerator auf Hochtouren. Man erinnere sich bloß an die Aufregung, als Madonna, quasi die Säulenheilige der eindeutig inszenierten Posen, bei den MTV Video Music Awards ein bisschen mit Britney Spears und Christina Aguilera herumschmuste.

Wachablöse

Madonna wird auch heute noch gerne herbei gerufen, wenn die Bühnenshow sexuellen Schmackes braucht. Gut zu sehen ist das an Miley Cyrus. Die 21-jährige Amerikanerin, an der seit Monaten niemand vorbei kommt und die sich perfekt zwischen den Polen Häme und Bewunderung bewegt, musste dringend ihr Disney-Club-Hannah-Montana-Image loswerden. Wenn Kinderstars flügge werden, reichen oft nicht ein bisschen Drogenmissbrauch, eine Ess-Störung, ein paar Piercings und komische Tätowierungen, um globale Aufmerksamkeit zu erregen. Offensiv ausgespielte Sexualität, die nicht selten wie ins Comichafte übersteigert wirkt, waren für Miley ein probates Mittel bei dieser Selbstfindung. Sie fliegt in Videos (halb-)nackt auf Abrissbirnen durch die Gegend, reitet in ihrer Bühnenshow zum oft gelobten Album "Bangerz“ auf einem Riesen-Hot-Dog, lässt mit Vorliebe die Zunge raushängen und reibt beim Tanzen gerne ihren wackelnden Popo an Menschen. Twerking heißt das im Fachterminus, und getwerkt wurde unlängst auch Madonna.

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Ende Jänner lud MTV zur Unplugged-Session und dem Akustik-Konzert wohnte eben auch Madonna bei. Gemeinsam performte man im Cowboy-Kostüm, seit den 1990er Jahren untrennbar mit Madonna verbunden, ein kleines Hit-Medley. Und Cyrus vollendete dabei, was die Mutter der Popbühnen-Erotik einst an Britney Spears begann. Sie übernahm das Kommando auf der Bühne und rieb sich ordentlich an der 55-jährigen Altvorderen. Geschmust wurde zwar nicht, aber die Zunge ließ Cyrus trotzdem heraushängen und als Höhepunkt klatschte sie Madonna auch noch ein paar Mal auf den Popsch. Entweder ist die junge Dame ein Fall für die Klapsmühle - oder im Jahr 2014 sieht Wachablöse im Popgeschäft eben so aus.

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