"Österreicher haben Spaß, ihrem Nachbarn auf die Finger zu gucken“

"Österreicher haben Spaß, ihrem Nachbarn auf die Finger zu gucken“

FORMAT: Ihre Verlagsgeschichte hat in einem kleinen Laden in Köln mit Comics begonnen. Wie war das?

Benedikt Taschen: 1980 habe ich einen kleinen Comic-Buchladen eröffnet. Ich hatte damals bereits seit ein paar Jahren einen Versandhandel mit alten Heften für Sammler. So fing’s an. Wir verlegten ein paar Comics und dann ab 1985 die ersten Kunstbücher.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihr Verlagsprogramm?

Taschen: Wir verlegen, was uns selbst interessiert.

"Print ist tot“ ist schon fast ein geflügeltes Wort geworden. Wie können Bücher langfristig überleben?

Taschen: Gedruckte Bücher überleben wohl nur, wenn sie den digitalen etwas voraus haben: Zum Beispiel sollten sie schön gestaltet und gut produziert sein, damit man sie besitzen will.

Um hochwertige Bücher vergleichsweise preisgünstig in den Markt zu bringen, scheinen drei Dinge beim Taschen-Verlag wesentlich: mehrsprachige Publikationen und hohe Stückzahlen einerseits, Limited Editions andererseits. Ist das der Kern Ihres Konzepts?

Taschen: Ja. Unser Programm gibt es in vielen Sprachen auf der ganzen Welt. Ob ein Band nun 10 oder 10.000 Euro kostet, selbstverständlich fließt in beide die gleiche Sorgfalt ein. Der Sammler, der sich frühzeitig einen limitierten XXL-Band sichert, erhält nicht nur ein seltenes und außergewöhnliches Buch, sondern darf sich auch einer beruhigenden und raschen Wertsteigerung gewiss sein.

Die limitierten Sammlerstücke sind mittlerweile auch lukrative Wertanlagen. Welches Buch liegt da vorne?

Taschen: Peter Beard führt mit 12.500 Euro. Diesen Titel haben wir in zwei Auflagen von je 125 Exemplaren mit einem Silver Gelatine Print verlegt. Und natürlich Helmut Newtons SUMO von 1999. Obwohl die Auflage von 10.000 Exemplaren vergleichsweise recht groß war, avancierte das Buch von Anfang an zum Klassiker. Wie gesagt kostet heute ein originalverpacktes Exemplar 10.000 Euro. Manchmal sind solche Collector’s Editions bereits vor Erscheinen ausverkauft. Zum Glück haben wir sehr loyale Fans, über den ganzen Erdball verteilt.

Welche Ihrer Bücher verkaufen sich in Österreich besonders gut, gibt’s da Unterschiede zu Deutschland?

Taschen: Alle österreichischen Künstler: Klimt, Schiele, Hundertwasser - um nur einige zu nennen - sind hier die Renner. Und das neue "BILD-Buch“ findet in Österreich unerwartet rasanten Absatz. Das Buch mit all den "Bild“-Titelseiten vermittelt ja deutsche Nachkriegsgeschichte in Nahaufnahme. Offenbar haben die Österreicher einigen Spaß daran, ihrem großen Nachbarn genau auf die Finger zu gucken.

Im Science-Fiction-Klassiker "Fahrenheit 451“ werden Bücher verbrannt. Die Widerständler, die Retter der Bücher, denen sich Feuerwehrmann Montag schließlich anvertraut, müssen jeweils ein Werk auswendig lernen. Welches Buch wären Sie?

Taschen: Diese Frage werde ich mir merken. Wenn mein Gedächtnis nicht so schlecht wäre, würde ich vielleicht sagen: "Candide“ von Voltaire.

Was lesen Sie denn eigentlich?

Taschen: Ich lese jeden Tag drei bis sechs Stunden - und alles durcheinander: Romane, Biografien, Kunstbücher, unzählige Zeitungen.

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