Ö-Töne: Exportschlager Popkultur

Ö-Töne: Exportschlager Popkultur

Mozart, Falco, Kruder & Dorfmeister. Das sind die drei Namen, die fallen, wenn im Ausland die Sprache auf österreichische Musik kommt. Hat sich daran etwas geändert?

Schließlich hat man den Eindruck, dass die heimische Musikszene seit einigen Jahren prosperiert und Künstler wie Soap&Skin, Parov Stelar, Gustav oder Ja, Panik auch international wahrgenommen werden. Philip Ginthör, Geschäftsführer beim Plattenmajor Sony Music für Österreich, Deutschland und Schweiz, meint: "Momentan gibt es eine gesteigerte Aufmerksamkeit für das Popland Österreich. Vor allem weil die heimische Szene sehr kreativ und umtriebig ist und immer wieder facettenreiche Acts hervorbringt.“

Abseits von Schlager- und Volksmusik, die hierzulande die Albumcharts fest im Würgegriff haben, macht Österreich nämlich spannende Popmusik. Ein Grund, warum das größte und wichtigste Showcase-Festival Europas, das " Eurosonic “, heuer die Alpenrepublik zum Schwerpunktland bestimmte. Im niederländischen Groningen trifft sich jährlich die Musikbranche. Labelbetreiber, Konzertveranstalter, Journalisten und Werber suchen nach Newcomern und nicht selten ist die Musikmesse ein Karriereturbo für Bands.

In den letzten Jahren wurden bereits österreichische Formationen wie Elektro Guzzi oder die nörgelnden Grantler Kreisky in den Niederlanden vorstellig und konnten daraus ihren Nutzen ziehen. Als Schwerpunktland stellt man heuer aber gleich stattliche 18 Bands vor. Und der Blick, den man auf die österreichische Szene wirft, ist breit gefächert. So sind etwa die Feuilletonlieblinge Ja, Panik dabei, ebenso die altgedienten Rampensäue Attwenger und Fuckhead. Aber auch der Hangspieler Manu Delago, der regelmäßig mit Bjork auf Tour geht, die schrägen Club-Humoristen König Leopold oder die Elektropopper Klangkarussell spielen auf. Die Auswahl, wer beim Eurosonic auftreten darf, wird zwar von der niederländischen Festivalleitung getroffen, Beratung im Vorfeld holte man sich aber unter anderem auch beim Austrian Music Export.

Die junge Plattform ist eine Initiative von "mica - music austria“ und dem Österreichischen Musikfonds und unterstützt heimische Bands und Labels dabei, außerhalb von Österreich Fuß zu fassen. "Wir versuchen, Bands über Live-Auftritte international zu etablieren oder eben bei Showcase-Festivals unterzubringen“, erzählt Tatjana Domany vom österreichischen Musikfonds über branchenübliche Exportstrategien.

Erfolg in der Nische

Wer besonders erfolgreich ist, lässt sich dabei nicht wirklich in Zahlen festmachen. Rezente Studien zum österreichischen Musikexport gibt es nicht. Allerdings eine, die das European Music Office in Auftrag gegeben hat und die Downloads bzw. Airplay europäischer Musiker in anderen Ländern untersucht hat. Ein Fazit daraus: Die Zahl der Künstler, die fähig sind, den lokalen Erfolg in einen grenzübergreifenden umzuwandeln, ist recht begrenzt. Für Österreich sogar überschaubar: Im untersuchten Zeitraum 2011 konnte lediglich Christl Stürmer außerhalb Österreichs nach diesen Maßstäben Erfolge verbuchen.

Allerdings, ganz so trist ist die Situation natürlich nicht, Charterfolge sind nicht alles, und in Nischen lässt es sich gut leben. Der österreichische Rapper Raf 3.0 landete etwa im Vorjahr mit seinem Album "Hoch 2“ auf Platz eins der deutschen Charts. Kaum weniger erfolgreich ist der Wiener Rapper Nazar, der mit seinem Albumrelease "Fakker Lifestyle“ in den deutschen Charts auf Platz drei stand.

Heimische Elektro-Musiker werden ebenfalls international bemerkt. "Die sind traditionell in ihren Bereichen sehr gut vernetzt“, stellt Domany fest, "zudem fallen auch Sprachbarrieren weg.“ Und nicht selten ist es so, dass man den Umweg übers Ausland gehen muss, bevor man überhaupt hierzulande von einem breiteren Publikum wahrgenommen wird. So spielte der momentan vielleicht kommerziell erfolgreichste heimische Künstler, der Linzer DJ und Produzent Parov Stelar, zuerst in Osteuropa, landete dann in England, bevor man hier von ihm Notiz nahm.

Auch für den vorwiegend in New York lebenden Musiker Ferdinand Sarnitz alias Left Boy, der Sohn von André Heller übrigens, sieht es nicht schlecht aus. Seinen Mix aus Rap, HipHop, Elektro und überbordender Medienästhetik hat der Produzent und Musiker gut auf diversen Plattformen wie YouTube verankert. Konzerte von ihm sind flott ausverkauft und sein erstes, richtiges Album erscheint bei Warner.

Austro-Sound: "Musiker brauchen heute vor allem Authentizität, Musikalität, Unverwechselbarkeit und viel Eigeninitiative für den Erfolg. Wenn das dann auch kommerziell verwertbar ist, werden auch Majors aufmerksam“, analysiert Sony-Plattenboss Philip Ginthör die Marktansprüche. Und Musikexperte Walter Gröbchen weist darauf hin, dass "Pop zuvorderst ein Modeartikel ist. Zufall, Zeitgeist, ein cleveres Kalkül und ein gewisser populistischer Instinkt - selbst in Nischenbereichen - spielen eine mindestens so große Rolle wie Showcase-Festivals, Förderungen und solide PR- und Labelarbeit.“ Da ist sich auch Hannes Tschürtz sicher, der mit seiner Agentur "Ink Music“ Künstler betreut, Konzerte veranstaltet und auch ein Label betreibt: "Es gibt kein Patentrezept, bei 20 Bands sind es 20 verschiedene Wege, wie man es schaffen kann“, erklärt der Musikmanager, der unter anderem die burgenländische Band Garish betreut und - bevor die Leute ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegten - auch Ja, Panik in seiner Agentur hatte.

Das zeigt vor allem, dass auch auf Deutsch singende österreichische Indie-Bands auf einem größeren Markt reüssieren können. "Deutschsprachige Musik ist für mich ohne österreichischen Einfluss nicht denkbar und wäre arg trist“, fasst etwa Linus Volkmann zusammen. Der stellvertretende Chefredakteur des deutschen Popkulturmagazins "Intro“ beobachtet die österreichische Szene genau.

"Durchs Internet hat sich die Schwelle von Österreich nach Deutschland deutlich gesenkt. Und ohne pittoresk oder paternalistisch klingen zu wollen: Ich freue mich natürlich auch, wenn die spezielle Identität eines österreichischen Acts auch an irgendeiner Stelle gewollt oder ungewollt durchscheint“, erklärt Volkmann die Außenwirkung des heimischen Sounds.

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