Oberkörper frei machen! Die Red Hot Chili Peppers sind zurück

Nach fünf Jahren Pause sind die Red Hot Chili Peppers zurück aus der Rock-Frühpension. Zwar bleibt alles beim Alten, aber das dafür recht ordentlich.

Zu den schwierigeren Aufgaben im globalen Popgeschäft gehört das Altern in Würde. Legenden scheitern regelmäßig daran, wenn sie glauben, dass die Flamme der Kreativität noch ordentlich in ihnen lodert, unterm Strich ihr Output aber oft nur den eigenen Status quo einzementiert. Meist ist dann Stagnation auf hohem Niveau das Optimum, das sich rauskitzeln lässt, wenn man wieder mal ein Lebenszeichen von sich gibt.

Bloß keine Überraschungen, bitte! Das Leben als Rocklegende ist irgendwie eh schon anstrengend genug. Man hat jedes Klischee mal selbst ausprobiert, ein bisschen gar arg in der Weltgeschichte herumgeschnackselt und kaum eine illegale Substanz an sich vorbeiziehen lassen. So gehört sich das aber auch, wenn man stellvertretend für Millionen Fans so ein Leben als Larger-than-life-Figur führen muss.

Konservierung

Nun denn, die kalifornischen Rockveteranen Red Hot Chili Peppers hat der schleichende Hund Alter nun auch endgültig erwischt. Sänger Anthony Kiedis und Bassist Flea sind mittlerweile stolze Endvierziger, Drummer Chad Smith wird im Oktober 50. Nüchtern betrachtet liegen die musikalischen Crossover-Großtaten mehr als zwei Jahrzehnte zurück.

Vorbei auch die Zeiten, in denen man in Unterhosen oder mit weißen Tennissocken ums Gemächt drapiert Bühnen enterte. Geblieben sind lediglich der frei gemachte Oberkörper und eine energetische Bühnenperformance. Drängt sich die Frage auf, ob es peinlich ist, wenn eine alternde Spaßtruppe im Grenzland zwischen Funk, Pop, Punk gelenkig herumhüpft? Ja, sicher. Aber auch nein, natürlich nicht, solange man sich nicht verkrampft gegen sein Schicksal stemmt und die Angelegenheit würdevoll über die Bühne bringt. Also seine Mitte zwischen alter Rocksau, Yogakurs, neu entdeckter Vaterschaft, Bandehe und strategischem Marketing findet.

Die Red Hot Chili Peppers können das und schnüren ihr neues, mittlerweile zehntes Studioalbum „I’m With You“ (Warner) in diesem Sinne zu einem guten Rundumpaket zusammen. Gitarrengott John Frusciante hat die Gruppe zwar zum mittlerweile zweiten Mal verlassen und die vakante Stelle an seinen Freund Josh Klinghoffer weitergereicht. Der beherrscht aber die Klampfe ebenfalls ziemlich gut, senkt mit seinen 31 Jahren den Alterschnitt zudem erheblich und macht brav, was von ihm verlangt wird: nette Soli spielen und kreativen Input geben, aber bitte so, dass die Band-DNA nicht maßgeblich dabei verändert wird. Schließlich lebt man auch von einem gewissen Wiedererkennungswert.

Und da wird auch nichts dem Zufall überlassen. Die Plattenpräsentation in Köln wird überhaupt weltweit und live in 600 Kinos übertragen. Produziert hat (wieder) Rick Rubin, das Cover wurde vom britischen Überkünstler Damien Hirst gestaltet, und den Videoclip zur ersten Single drehte der exzentrische Performance- und Videokünstler Matthew Barney. Der gleich mal einen Rooftop-Gig inszeniert und damit die Beatles herbeizitiert. Mag der Sound vielleicht konserviert klingen und die 90er hochleben lassen, an der Oberfläche bleiben die Kalifornier zumindest auf der Höhe der Zeit.

– Manfred Gram

Leben

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