Neuer Roman von Jan Costin Wagner: "Tage des Schnees“

Neuer Roman von Jan Costin Wagner: "Tage des Schnees“

Das Jahr 2010 war ein gutes für Jan Costin Wagner. Da wurde "behind the lines“, die erste Songwriter-CD des deutschen Autors und Musikers, veröffentlicht und sein Kriminalroman "Das Schweigen“ fürs Kino verfilmt. Auch sein aktueller Krimi "Tage des Schnees“ hätte das Zeug dazu.

"Am ersten Mai fiel der letzte Schnee.“ - Schon der erste Satz ruft Bilder wach, vor denen man auch hierzulande angesichts der aktuellen Wetterkapriolen Angst hat. Doch wie schon die vier vorangegangenen Romane Wagners spielt auch "Tage des letzten Schnees“ wieder in Finnland und stellt den jungen, melancholischen, um seine an Krebs verstorbene Frau trauernden Kommissar Kimmo Joentaa ins Zentrum. In seiner Einsamkeit hat er sich in eine junge Frau verliebt, über die er nicht viel weiß, außer dass sie sich unter dem Namen Larissa prostituiert. Viel Zeit, darüber nachzudenken, bleibt ihm nicht.

Als bei einem Unfall mit Fahrerflucht ein 11-jähriges Mädchen getötet wird, begleitet Joentaa die Eltern des Kindes in ihrem Schmerz. Während der Leser diese Anteilnahme und Ermittlungen Joentaas im Mordfall eines auf einer Parkbank aufgefundenen Paares begleitet, erfährt er zudem die Geschichte des Fondsmanagers Markus Sedin, der sich während einer Geschäftsreise in Belgien in die 19-jährige ungarische Prostituierte Réka verliebt. Obwohl er eine Frau und einen kleinen Sohn hat, verliert der Bankmanager seinen Kopf, holt die junge Frau nach Finnland, kauft ihr eine Wohnung und finanziert ihre Familie. Dazwischen streut Wagner noch kurze Kapitel über einen Jugendlichen, der offenbar einen Amoklauf plant - in Nachfolge des norwegischen Attentäters Breivik. Vier Handlungsfäden, die Wagner erst in der zweiten Hälfte des Buches zusammenlaufen lässt. Schrittweise begreift man, dass hier etwas im Gange ist.

Der aktuelle Kimmo-Joentaa-Roman erweist sich damit erneut als melancholische Psychostudie, in der nicht der Thrill im Vordergrund steht, sondern die Frage, wie sich Menschen in extremen Situationen verhalten. Wagner erzeugt Spannung aus der Innenwelt seiner Protagonisten heraus. Das verdeutlicht, warum er bereits mit seinem ersten Roman "Nachtfahrt“ 2002 als Wunderkind der deutschen Krimiszene gefeiert und als das "Abschiedssignal an die Zeitgeistliteratur der Spaßgeneration“ gehandelt wurde.

Finne, der Liebe wegen

Vier seiner bislang sechs Kriminalromane spielen in Finnland. Und obwohl der 41-Jährige ein deutscher Schriftsteller ist, zählen seine Bücher zu den derzeit besten Skandinavien-Krimis. Die "Times“ kommentierte kurz: "Better than Mankell“. Wagner weiß um die Mentalität und Eigenheiten der Finnen Bescheid, denn er ist mit einer Finnin verheiratet und pendelt zwischen Frankfurt und Finnland, das zu seiner zweiten Heimat wurde, wie der Germanist und Historiker gerne betont. Dass er mit einer Magisterarbeit über Adalbert Stifter abschloss, wundert nicht wirklich. Sprachliche Sogwirkung ist Wagners Passion: Manche seiner Textpassagen kommen, wie durch eine dichte Schneedecke gefiltert, auf einen zu und verlieren dennoch nichts von ihrer Wucht.

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