Nehmen Sie Platz, die Salzburger Festspiele sind eröffnet. Sorgen macht der Ticketabsatz

Der Ticketverkauf für die heurigen Festspiele in Salzburg (25. 7. – 30. 8.) läuft schwächer als in den vergangenen Jahren. Lesen Sie hier, für welche Vorstellungen es noch Karten gibt und wie man sie kriegt.

Es war ein neuer Rekord. Als im vergangenen November das Programm der Salzburger Festspiele für den Sommer vor­gestellt wurde, konzentrierten sich die Kartenvorbestellungen nicht ausschließlich auf den Domplatzklassiker „Jedermann“, sondern auf einen Lieder­abend mit Anna Netrebko, musikalisch ­geleitet von Daniel Barenboim. Binnen weniger Tage war der einzige Saisonauftritt der Operndiva an der Salzach aus­verkauft und gleich mehrfach überbucht. Die Austro­russin zieht eben auch in Zeiten globaler Finanzkrisen und des (noch geltenden) Antikorruptionsgesetzes. Sieht doch das Festivalmanagement im Zusammenspiel dieser beiden Faktoren den Hauptgrund, dass der Kartenvorverkauf im Vergleich zu den vergangenen (Rekord-)Jahren ein wenig hinterherhinkt. Bislang wurden im Vorfeld um fünf Prozent weniger Karten verkauft. Bei Firmenkunden, die traditionell für ihre Gäste teurere Plätze erstehen, ist sogar ein Verkaufsrückgang von elf Prozent zu bemerken. „Ein Unternehmen, das Entlassungen vornimmt, wird nicht bei den Festspielen Hof halten“, erklärt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler.

Trotzdem Optimismus
Dennoch: In Salzburg ist man zuversichtlich, dass die 89. Auflage des Kulturspektakels – das unter dem Motto „Das Spiel der Mächtigen“ steht – den notwendigen Kartenumsatz von 22,5 Millionen Euro noch erreicht. Vor allem auch, da „die Zahl der Individualbesteller um ­sieben Prozent gestiegen ist“, zeigt sich Rabl-Stadler optimistisch, dass der Ticketverkauf während der Festivalwochen noch ansteigt. Statt eines Urlaubes gönnt man sich als Privatperson in wirtschaftlich härteren Zeiten vielleicht eher einen Kulturausflug. Die erhoffte Auslastung von rund 90 Prozent ist also durchaus im Bereich des Möglichen.

Ran an die Plätze
Die Chance für ­spontane Kulturtouristen, dieses Jahr ohne viel Aufwand begehrte Billetts zu erobern, ist zudem größer denn je. So gibt es etwa für die Eröffnungsoper „Theodora“ nach wie vor Premierenkarten – in der Festspielgeschichte ist dies bislang noch nicht besonders oft vorgekommen. Und auch fürs erklärte Opernhighlight der Saison, Claus Guths Inszenierung von Mozarts Opera buffa „Così fan tutte“, warten Premierenkarten noch darauf, abgeholt zu werden.Und selbst für ausverkaufte Vorstellungen wie die konzertante Aufführung von Beet­hovens „Fidelio“ oder den vom estnischen Stardirigenten Paavo Järvi mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen erarbeiteten Beethoven-Zyklus kann man mit Glück noch Restkarten erhaschen. „Ein Kontingent ist immer an der Abendkasse vorhanden. Manches bleibt liegen oder wird nicht in Anspruch genommen, weil einzelne Bestellungen einfach eine lange Vorlaufzeit haben“, erklärt das Kartenbüro der Festspiele.

"Schönwetter-Karten"
Mit einem vorderen Wartelistenplatz gibt es abends auch für Freunde des gepflegten Risikos noch Karten. In welcher Preiskategorie man dann allerdings sitzt, ist eine Frage des Zufalls und Glücks. Glück braucht man übrigens auch, will man dem „Jedermann“-Treiben am Domplatz beiwohnen. Die Vorstellungen sind zwar hoffnungslos überbucht, macht der Salzburger Schnürlregen aber einmal Pause, gibt es an der Abendkassa die „Schönwetterkarten“. 200 Stehplätze um 5 Euro stehen so bei Sonnenschein zusätzlich zur Verfügung, zudem werden noch die letzten beiden Reihen (25 bzw. 50 Euro pro Platz) freigegeben. Ratsam ist es, eine Stunde vor Vor­stellungsbeginn zu kommen, dieses Jahr ist es aber besser, vielleicht noch früher vor Ort zu sein. „Viele wollen Peter Simonischek ein letztes Mal als Jedermann erleben – das steigert die Nachfrage nochmals “, heißt es vonseiten des Ticket-Managements.

Unsere Bühnentipps für Sie
Der Niederländer Dries Verhoeven lässt in „You Are Here“ (Perner-Insel, ab 22. 8.) einen 200-m2-Spiegel auf der Bühne einbauen. In „The Sound of Silence“ (Perner-Insel, ab 11. 8.) zeigt Alvis Hermanis wortlos, wie inspirativ Simon-&-Garfunkel-Songs sind. Wieder im Programm: Andrea Breths Regiearbeit „Verbrechen und Strafe“ (Landestheater, ab 18. 8.). „Dichter zu Gast“ Daniel Kehlmann wünschte sich u. a. Georg Kreisler (Mozarteum, 10. 8.), Dramatiker Tom Stoppard (Landestheater 3. 8.) und den Magier Juan Tamariz (Landestheater, 2. 8.).

Konzerthöhepunkte
Anna Netrebko gibt mit Daniel Barenboim einen Liederabend mit Werken von Rimsky-Korsakow und Tschaikowski (Festspielhaus, 17. 8., restlos ausverkauft). Thomas Quasthoff gestaltet ebenfalls einen Abend (Haus für Mozart, 18. 8.). Star-Mezzosopranistin Joyce Di Donato singt in Begleitung der Gabrieli Players Werke von Händel (Festspielhaus, 2. 8.). Marc Minkowski erarbeitete mit den Les Musiciens du Louvre – Grenoble ­einen Haydn-Zyklus (Mozarteum, 4., 6. u. 11. 8.), und Starpianist Alfred Brendel leitet die „Schule des Hörens“ (Universitätsaula, 12.–16. 8.). Die Reihe „Kontinente“ ist mit acht Konzerten dem US-Komponisten Edgar Varèse gewidmet (ab 2. 8., Restkarten).

Salzburgs beste Opern
Mit „Così fan tutte“ beendet Regisseur Claus Guth seine Mozart-Da-Ponte-Trilogie. Der Zweiakter ist der Höhepunkt im Opernprogramm. Unterm Dirigat von Adam Fischer gibt Patricia Petibon die Despina und Bo Skovhus den Don Alfonso (Haus für Mozart, 30. 7., Karten vorhanden). Zentraler Komponist im Opernprogramm ist Luigi Nono. Sein Werk „Al gran sole carico d’amore“ wird von Katie Mitchell inszeniert, Ingo Metzmacher leitet dabei die Wiener Philharmoniker (Felsenreitschule, 2. 8.). Jürgen Flimm inszeniert zudem Rossinis „Moïse et Pharaon“ , am Pult steht Riccardo Muti (Festspielhaus, 8. 8., Premiere ausverkauft, sonst Karten erhältlich).

Die Festspiele im Fernsehen
Salzburg-Highlights im TV:  „Così fan tutte“ (Do., 30. 7., 20.15 Uhr, ORF 2 live). Weiters: die Mozart-Opern „Don Giovanni“ aus dem Vorjahr (So., 9. 8., 9.30 Uhr, ORF 2) und „Le nozze di Figaro“ mit Anna Netrebko von 2006 (So., 16. 8., 9.05 Uhr, ORF 2). Porträt Daniel Kehlmann in der Matinee (So., 23. 8., 9.35 Uhr, ORF 2).

Tickets:
Kartenbüro: Herbert-von-Karajan-Pl. 11, Mo.–Sa. 9–13 und 14–17 Uhr, Tel.: +43/662/80 45-500, Fax: -555
Festspielshop im Festspielhaus: Hofstallg. 1. Geöffnet: 24. 7. – 31. 8. von 9 Uhr bis zur ersten Pause der letzten Aufführung
Online: www.salzburgerfestspiele.at

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