Musik-Sommer 2009: Festivalveranstalter blicken einem echten Rekordjahr entgegen

Die Auswahl ist so groß wie noch nie. Der Andrang ebenfalls. Festivals und Super-Acts bestimmen das sommerliche Konzertgeschehen. FORMAT gibt einen Überblick, wo die Top-Acts in diesem Sommer zu finden sind.

Das Spielchen wiederholt sich jährlich aufs Neue. Wenn die Tage länger und die Sonnenstrahlen kräftiger werden, setzt in ganz Europa eine kleine Völkerwanderung ein. Beteiligt sind hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 35. Ihr Ziel sind die temporären Kathedralen der Popkultur. Auf Arealen irgendwo im Nirgendwo, die letztlich dann aber doch recht einfach zu erreichen sind, werden nämlich den Sommer über die Feldmessen der Musikindustrie zelebriert. Dann wird auf die angebrochene Festivalzeit angestoßen. Vorwiegend mit Gerstensaft – je nach Wetterlage wohl- oder gar nicht mehr temperiert.

BeatPatrol setzt auf Elektronik
Die Möglichkeit dazu hat man heuer übrigens öfters denn je, buhlen doch an die 90 Festivals (siehe FORMAT-Tipps ) bis tief in den September hinein um jugendliche und jung gebliebene Zuschauer. Ein neuer ­Rekord für den dann doch recht kleinen heimischen Markt. „Es wirkt beinahe so, als werde jedes größere Feuerwehr- und Sportfest heuer als Festival deklariert“, ironisiert René Voak die aktuelle Lage. Der 35-jährige niederösterreichische Veranstalter und Geschäftsführer der Eventagentur NXP organisiert mit seinem Team heuer erstmals das Festival BeatPatrol, das im Hoch­sommer am St. Pöltner VAZ-Gelände seine Premiere feiert. Den musikalischen Schwerpunkt wählte man dabei mit Bedacht und setzt nun auf massentaugliche, elektro­affine Acts wie Faithless, die Asian Dub Foundation oder den deutschen DJ-Star Paul van Dyk. Eine Million Euro Budget steht dafür zur Verfügung.

Umwegrentabilität in Millionenhöhe
„Im Alternative- und Rockbereich ist der Bedarf am heimischen Markt sicherlich gedeckt. Der Markt verändert sich aber sehr schnell, und in einer breit aufgestellten Elektro-Schiene gibt es durchaus Potenzial“, erörtert Voak seine Beweggründe, ein zweitägiges Festival für rund 20.000 Besucher aus der Taufe zu heben. Ähnlich gelagerte Festivals, wenn auch nicht in dieser Dimension, gibt es zwar schon mit dem „Urban Art Forms“ in Wiesen und dem Grazer Spring Festival, die spannend programmiert die Elektro-Klientel bedienen, so groß beraumt ist aber keines. Und Events, die sich in dieser Größenordnung bewegen, bringen immer auch einen Mehrwert für die jeweilige Region. „Man kann von einer Umwegrentabilität von rund fünf Millionen Euro ausgehen“, ist sich Veranstalter Voak sicher.

Szenekonformer Freizeitspaß
Die Hotels in der Umgebung sind (hauptsächlich der Künstler und Crews wegen) ausgebucht, und – Stichwort Völkerwanderung und Festivaltourismus – rund 15 Prozent der Besucher kommen bei derartigen Events aus dem benachbarten Ausland. Die Festivalmaschinerie sorgt also für anständig Cashflow auf den Geländen, und einmal mehr trotzt das hedonistische junge Partyvolk der Wirtschaftskrise. Es wird ihnen aber auch nicht schwer gemacht. Bei Großveranstaltungen wie dem Nova Rock (rund 160.000 Besucher) oder dem Frequency (150.000 Gäste) wird auch abseits der Bühnen jede Menge szenekonformer Freizeitspaß (Kletterwand, Bungee-Jumping etc.) geboten. Aber noch wichtiger: Man programmiert breitenwirksam, versucht möglichst viel zu vereinen und geht dabei für Spezialisten auch gleichzeitig in die Tiefe. Beim Nova Rock etwa reicht der Bogen von den Toten Hosen bis zu Placebo.

Entertainment boomt
„Ich schätze, dass im Durchschnitt jeder Besucher hundert Euro ausgibt. Die Schlange beim Bankomaten ist jedenfalls immer lang“, beziffert Harry Jenner, Geschäftsführer der Music­net, die Ausgaben von Festivalbesuchern. Gemeinsam mit Ewald Tatar, dem Geschäftsführer von Nova Music, mit dem er über ein Firmengeflecht wirtschaftlich eng verbandelt ist, hält man rund 75 Prozent des heimischen Konzert und Festivalmarktes.
„Heuer ist absolut unser bestes Jahr im ­Vorverkauf, anscheinend fahren die Leute weniger auf Urlaub und planen vermehrt Festivalbesuche. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir zwischen 30 und 40 Prozent mehr Kartenabsatz“, erzählt Jenner. Ein Eindruck, den auch Veranstalter René Voak hat, der ebenfalls von einem sich bereits jetzt abzeichnendem Rekordjahr spricht. Der Sommer scheint also eine lukrative Angelegenheit zu werden.

Von Manfred Gram

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★