"Mission possible": Wie die Kreativszene mit Kunst und Kultur Geld verdient

In Zeiten der wirtschaftlichen Krise schlägt die Stunde der heimische Kreativ-Industrie. Eine Hand voll Unternehmen stellt unter Beweis, wie durch Innovation und Zielstrebigkeit auch mit Kunst und Kultur Geld zu verdienen ist.

Wären Sie bereit, ein T-Shirt von Hermann Nitsch zu tragen? Die Avantgarde von gestern, das ist bekanntlich der Kassenschlager von morgen. Dabei haben die alten Unterschiede zwischen Kunst und Kommerz längst ebenso an Trennschärfe verloren wie diejenigen zwischen Pop- und Hochkultur. Für die neue Generation kreativ arbeitender Kulturunternehmer geht die Kombination aus qualitativem Anspruch und wirtschaftlichem Erfolg weit über jeden faulen Kompromiss hinaus.

Fortschrittliche Minderheit
Mit ihrem Modeunternehmen „Advanced Minority“ haben Gabor und David Merö die Idee verwirklicht, zeitgenössische Kunst aufs T-Shirt zu bringen. Dass der Designer eines handelsüblichen Shirts – bis auf einige prominente Ausnahmen – meist hinter das Label zurücktritt, wollten die beiden Brüder nicht so ohne weiteres hinnehmen. Indem sie junge Künstlerinnen und Künstler für Merö-Brüder deutlich, dass ein so alltägliches Kleidungsstück wie ein T-Shirt eben auch Kunst sein kann. „Wenn du in diesem Bereich erfolgreich sein willst, musst du eine Idee haben, die deine Marke glaubwürdig macht“, bringt Gabor Merö das kreative Credo auf den Punkt (siehe Bildergalerie Lukratives Kreatives ).

Jenseits von U und E
Auch die malträtierte Musikindustrie schafft angesichts einbrechender Verkaufszahlen durchaus Platz für neue Positionen. Unter der Leitung eines neuen Managements erlebt das altgediente Salzburger Klassik-Label „col legno“ gerade einen zweiten Frühling, der mit der Abkehr vom rigiden Avantgarde-Konzept einhergeht. Für Andreas Schett (im Bild), den künstle­rischen Leiter von „col legno“, ist diese Ausrichtung auch im Sinne eines umfassenderen ästhetischen Wandels zu verstehen: „Wir gehen heute alle genauso ins Haubenrestaurant essen wie zu McDonald’s oder zum Würstelstand. Unsere Generation will sich nicht mehr vorschreiben lassen, was gute Musik ist und was man in welcher Form und auf welchem Tonträger hören darf.“ Besonders an jenem Erfolg, den „col legno“ mit Produktionen im Genre der Kinderoper erzielen konnte, lässt sich ablesen, wie geschickt es ihnen gelingt, die sinnliche Freude und den Spaß an der Musik mit einem ästhetisch-erzieherischen Anspruch zu vereinen.

Neue Kreative
Das Potenzial derartig unverkrampfter Herangehensweisen und innovativer Geschäftsmodelle hat man inzwischen auch im Rahmen offizieller Unternehmensförderung erkannt. „Die heimische Kreativszene hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt“, kommentiert Christoph Thun-Hohenstein, Geschäftsführer der Wiener Förderagentur „departure“, den anhaltenden Trend. Mehr als 50 Prozent der österreichischen Kreativindustrie konzentrieren sich auf die Bundeshauptstadt. Mit gut 100.000 Beschäftigten in insgesamt 29.000 Unternehmen erwirtschaftete die Branche im Vorjahr einen Umsatz von 18,3 Milliarden Euro. Überdies kommt es durch diesen Sektor auch zu einem positiven Imagetransfer für den Wirtschaftsstandort Österreich.

Bildende Künste im Web
In kaum einer anderen Sparte zeitigen die innovativen Geschäftsmodelle der jungen Kreativen so große Auswirkungen wie im Bereich der bildenden Künste. Die virtuelle Galerie „PhotographersLimitedEditions.com“ etwa bietet Fotokunst auf höchstem Niveau: „Wir machen das Œuvre der renommiertesten zeitgenössischen Starfotografen einer rasant wachsenden Gruppe von Sammlern weltweit und rund um die Uhr zugänglich“, beschreibt Andrea Preiss ihr E-Commerce-Konzept, das vor allem Käufer aus den USA, Deutschland und England anlockt.

Podcasts für den Kulturbetrieb
Auf neues Terrain wagen sich auch „CastYourArt“ mit ihrem Versuch, sich der Welt der Kunst durch das Medium des Podcasts zu nähern. Wolfgang Haas und Helmut Feier geht es nicht einfach darum, Künstlerporträts zu produzieren. „Wir möchten den ganzen Kunstbetrieb – vom Künstler über den Galeristen und Kurator bis hin zum Kunst-Versicherer und zum Rahmenmacher – abbilden“, meint Wolfgang Haas. Bislang gelang es „CastYourArt“ damit immerhin, geschäftsträchtige Kooperationen mit Big Playern wie dem KHM, der Albertina und der Ars Electronica abzuschließen. Besonders eine klare Corporate Identity und der Enthusiasmus aller Beteiligten machen die Stärke des Kunst-Podcasts aus: „Wir hören eigentlich von allen Seiten, dass die Qualität unseres Produktes einfach passt.“

Von Birgitt Kohl und Thomas Schindl

Mehr Information zu den Kreativunternehmern finden Sie in der Bildergalerie Lukratives Kreatives .

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★