Minimax, ganz groß

Minimax, ganz groß

Wir zeigen Max Ernst, nicht Wolfgang Beltracchi“, nimmt Klaus Albrecht Schröder gleich vorab etwaigen Fragen zu Fälschungen den Wind aus den Segeln. Ab 22. 1. zeigt der Albertina-Boss in seinem Haus die erste Retrospektive des Surrealisten Max Ernst in Österreich. Bereits 2008 setzte man sich mit einem frühen grafischen Werk von Ernst auseinander, nun also eine Gesamtschau.

Die Verstrickungen mit dem Fälschungsmarkt stehen nicht von ungefähr im Raum, immerhin heißt der Kurator der Schau Werner Spies. Der heute 75-jährige Kunsthistoriker ist der führende Ernst-Experte - er lernte den deutschen Künstler bereits 1966 in Paris kennen - er ist aber auch jener Mann, dem die Fälschungen von Wolfgang Beltracchi zum Alptraum wurden, weil er sie nicht erkannte, ja sogar bis zur Aufdeckung des Skandals 2010 mit Provisionen vermittelte. Dennoch bleibt Spies der Fachmann für das Œuvre des 1976 verstorbenen Malers, Grafikers und Bildhauers und bekommt von der Albertina eine Chance zur Rehabilitation.

Zu sehen sind rund 150 Gemälde, Collagen und Skulpturen sowie illustrierte Bücher und Dokumente aller Werkphasen, Entdeckungen und Techniken des Künstlers, die sein Leben und Schaffen im biografischen wie zeitgeschichtlichen Kontext vorstellen: Maximilian Maria Ernst, Sohn eines Laienmalers, gründete bereits 1919, angeekelt von der "großen Schweinerei dieses blödsinnigen Krieges“, mit dem Beinamen "minimax dadamax“ gemeinsam mit Hans Arp die Kölner Dada-Gruppe und entzog sich als Pionier des Surrealismus und Entdecker raffinierter Techniken wie Frottage, Grattage oder Oszillation einer griffigen Definition. Durch seinen Erfindungsreichtum zählt der rastlose Künstler, der 1941 ins amerikanische Exil floh, neben Matisse, Picasso, Beckmann, Kandinsky oder Warhol zu den Jahrhundertfiguren der Kunstgeschichte und erzielt am Auktionsmarkt Rekordpreise: 2011 etwa kam bei Christie’s New York "The stolen Mirror“ (1941) für 12 Mio. € unter den Hammer.

Albertina, Eröffnung: 22. 1., 18.30 Uhr

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