Madonna: Die Queen des Pop bringt ihr neues Album "MDNA" heraus

Mit ihrem 12. Studioalbum "MDNA“ will Madonna es noch mal wissen. Reicht das? Starautorin Julya Rabinowich blickt für FORMAT hinters Image der Pop-Ikone und entdeckt eine Tragikomödie griechischen Ausmaßes.

Madonna: Rebellin gegen den strenggläubigen Vater, eine Shapeshifterin und Trendsetterin. Ein Vorbild für Millionen Teenies in den 80er- und auch noch in den 90er-Jahren. Eine, die auch ich als 15-Jährige unglaublich faszinierend fand.

Eine, die auszog, ein neues Frauenbild im Showbiz zu installieren. Eine, die provokativ und lächelnd alle gängigen Regeln brach, um sich schlussendlich den eigenen Regeln so zwanghaft zu unterwerfen, dass sie daran zu zerbrechen drohte. Eine nur scheinbar freie Frau. Ihre Musik: durchschnittlich. Innovativ waren ihre Produktkonzeption, ihre Modeimpulse. Keiner Sängerin zuvor war es so grandios gelungen, sich selbst als Marke und ihre Weiblichkeit als Machtinstrument zu positionieren.

Nicht ihre Stimme war der Grund ihres Erfolgs, sondern ihr Körper. Ein aggressiv der Masse preisgegebener Körper. Der entblößte weibliche Körper ist immer eine interessante Schnittstelle zwischen feministischen Aktionen (das Tastkino der Valie Export, die Demonstrationen der Femen) und dem von meist männlichen Entscheidungsträgern beherrschten Markt - von Musik und Film bis hin zur Prostitution. Sex sells, hat aber eine entscheidende Schwachstelle: Diese geschäftsträchtige Wirkung eines Körpers, der ausschließlich über Erotik einer provokativen jungen Frau definiert wird, ist einem zeitlichen Rahmen unterworfen.

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Irgendwann war nichts Geheimes mehr an ihr zu finden, war jeder Winkel schamlos ausgeleuchtet. Sie entzieht sich erneut in andere Rollen, als die Stimmung im prüden Amerika gegen sie zu kippen droht. Dann kam "Evita“ und die Mutterschaft mit ihren werbewirksamen Freuden. Die medial üppig zelebrierte innere Einkehr nach der Nachaußenstülpung.

Madonna war stets gelenkig im Abstreifen ihrer zu Markte getragenen Showbizhaut. Bald definierte sie sich als Neuinterpretin der amerikanischen Traditionen, nachdem die exotischen und die religiösen abgegrast waren. Die Handbemalungen und Meditationshaltungen wichen einer Jeans, einem nietenbesetzten Cowboyhut und einer einfachen Gitarre.

Dann das Asketische und schließlich Kabbalarituale. Die Rolle der englischen Schlossbesitzerin und Ehefrau. Die Kinderbücher. Die Ehekrise. Reitunfälle. Gnadenlose Sportexzesse. Halblegale Adoptionen. Der Mann, der sie noch vor der Scheidung "Gristlegranny“ nannte. OPs. Und wieder eine sexy Show.

Irgendwann überwog der Eindruck, diese Frau befinde sich mehr auf der Flucht vor sich selbst als auf einer Erfolgsreise durch ihr Leben, obwohl die Medien ihren Siegeszug noch lange nicht als beendet ansahen. Sie ist und bleibt einer der größten weiblichen Acts der Musikgeschichte, keine Frage. Aber ihr Ankämpfen gegen die Zeit hat etwas Sisyphushaftes. Ein Aufbäumen gegen das Unvermeidliche, das sie umso mehr dem Spott der wirklich Jungen preisgibt. Statt einer notwendigen Neudefinition gibt sie more of the same, als wäre ihre Wandlungsfähigkeit immer nur auf die Aspekte der jungen Frau festgelegt, als gäbe es darüber hinaus nichts mehr zu entdecken.

Lachnummer?

Natürlich handhaben es viele männliche Stars nicht anders. Hochglanzmagazine sind voll von tragödischen Bildern alternder, sich der Lächerlichkeit preisgebender Machos mit auswechselbaren Freundinnen, abbauend und dies nicht wahrhaben wollend. Wenn aber eine Frau wagt, so zu leben und dementsprechend auch so zu altern wie ein verzweifelnder Macho, wird ihr dafür der doppelte Hohn zuteil.

Madonnas Toyboys sind zwar kein Skandal, aber eine Tragikomödie. Es ist herzzerreißend, diese einst so toughe Frau in peinlichen Jugendposen, mit bandagierten, sehnigen Armen, deren Haut bereits Falten wirft, auf den Schultern von maximal 25-jährigen Showacts zu sehen. Ihr zur Maske maßgeschneidertes Gesicht, ihre stillgelegte Verzweiflung dahinter. Je vergänglicher und ohnmächtiger sie sich fühlte, desto mehr junge, unterwürfige Männer in ihren Videos.

Es gibt auch andere Konzepte: Vivienne Westwood, wild und selbstbestimmt wie einst Madonna, hat sich solchen erniedrigenden Ritualen nie unterworfen. Sie hat ihren wesentlich jüngeren Mann nicht als Aufputz betrachtet, das Erschlaffen ihres Körpers nie versteckt, blieb aber den Medien trotzdem - oder gerade deswegen - als aufregendinteressante Frau mit feuerrotem Haar erhalten. Madonna gerät zur humorlosen Witzfigur, wenn sie versucht, bei Zwanzigjährigen als Gleiche unter Gleichen anzukommen, indem sie gemeinsam mit aufstrebenden Stars Videos produziert, um sich deren Jugend zu leihen. Der Markt hat, wie die Welt dieses Jahr erstaunt feststellen musste, kein unbegrenztes Wachstum zu bieten. Unter dem Bild Madonnas mit dem Electro-Duo LMFAO ("I’m sexy and i know it“) kursiert im Netz der Zusatz "I’m sixty and i know it“.

- Julya Rabinowich

ZUR PERSON: Die Pop-Königin

Daten und Fakten zu Madonna gibt es zahlreiche. Hier die wichtigsten: Geboren wurde die Künstlerin als Madonna Louise Veronica Ciccone am 16. 8. 1958, sie wird also heuer 54 Jahre alt. 1982 brachte sie mit "Everybody“ ihre Debütsingle auf den Markt. Danach begann ein kometenhafter Aufstieg. Mitte der Achtziger galt sie als berühmteste Frau der Welt. Das führte dazu, dass sie heute mit einem geschätzten Vermögen von 500 Millionen Dollar die kommerziell erfolgreichste Künstlerin der Gegenwart ist. 300 Millionen verkaufte Tonträger taten das Ihre, um diesen Status zu erreichen. Sie besitzt u. a. 10 Grammys, null Oscars, aber zwei Golden Globes. Einen bekam sie für ihre Gesangsleistung in "Evita“, den anderen heuer für den Filmsong "Masterpiece“ aus dem Film "W.E.“. Da führte Madonna selbst Regie - zum zweiten Mal nach "Filth and Wisdom“.

Sie schrieb fünf Kinderbücher, die in 110 Ländern und in 37 Sprachen erschienen. Selbst hat Madonna zwei leibliche und zwei Adoptivkinder, verheiratet war sie ebenfalls zweimal. Ihre Gatten: Sean Penn (1985-1989) und Guy Ritchie (2000-2008). Zur Zahl ihrer Liebhaber gibt es nur unseriöse Schätzungen, momentan ist sie mit einem 24-jährigen Tänzer liiert. Am 29. 5. startet in Tel Aviv ihre Welttournee, die sie am 29. 7. auch nach Wien führt. Es gibt noch mehr als genügend Karten!

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