Luk Perceval zeigt in St. Pölten seine Version von "Hamlet“

Luk Perceval zeigt in St. Pölten seine Version von "Hamlet“

In Luk Percevals umstrittener "Hamlet“-Inszenierung ist Gertrude eine derangierte Ballerina und Claudius ein dummer König.

Da ist viel faul und finster im Staate Dänemark! Und so präsentiert Luk Perceval seinen Blick auf "Hamlet“ im düsteren Bühnenbild: Eine schwarze Wand ragt hoch in den Raum, bei genauem Hinsehen entpuppt sie sich allerdings als Wand aus sauber gehängten Anzügen, Hunderte in Reih’ und Glied; zehn, zwölf Reihen übereinander bis ganz oben - überlebensgroß! Das drückt auf die Szenerie wie Mord und Intrigen auf die Seele Hamlets.

Percevals zweistündiger Abend über verwirrte Seelenlagen ist nun am Landestheater St. Pölten als Gastspiel zu sehen und hatte bereits 2010 am Hamburger Thalia Theater Premiere, wo der 55-jährige leitender Regisseur ist. Seine bildstarken Deutungen sorgen international für Aufsehen. Eben hatte die Adaption der "Brüder Karamasow“ am Thalia Theater Premiere, auch beim aktuellen Berliner Theatertreffen ist Perceval mit seinem Fallada-Abend "Jeder stirbt für sich allein“ eingeladen. Auch "Hamlet“ sorgte bei der Premiere für Diskussionen und Kritiken zwischen "geniale Deutung!“ und "kranke Family-Soap!“

Shakespeares Stück ist in neuer Textfassung von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel zu sehen. Aufgrund eines Kindheitstraumas ist Hamlet hier eine gespaltene Persönlichkeit und wird demgemäß von zwei Schauspielern gespielt, die über weite Strecken in einem Kostüm stecken (Josef Ostendorf, Jörg Pohl), Hamlets Mutter (Gabriela Maria Schmeide) ist eine derangierte Ballerina, der Onkel (André Szymanski) ein tumber König. Rosenkranz und Güldenstern sind eine Person, Ophelia hat dafür drei Doubles, während ihr Bruder Laertes auf Stelzen durch die Welt geht. Grelle Komik, große Worte und die durch Mark und Bein gehende Musik von Jens Thomas. Dass bei dem komischen wie berührenden Abend nicht "Sein oder Nichtsein“ die eigentliche Frage sein kann, ist klar: Percevals überforderter Prinz quält sich mit den Möglichkeiten des Seins und bleibt von leidenschaftlicher Entschlusslosigkeit.

Landestheater Niederösterreich, "Hamlet“, Fr., 10. & Sa., 11.5., 19.30 Uhr.

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