Lisa - der neue Roman von Thomas Glavinic

"Wie macht der das bloß, dass er nichts vergisst, was er jemals aufgeschnappt oder erlebt hat, obwohl er angeblich so viel sauft? Ich schütt schon mein Bier um, wenn ich das Notebook öffne …“, schrieb jüngst ein Fan auf der Facebook-Seite des österreichischen Autors Thomas Glavinic.

Glavinic antwortete prompt: „Vielleicht trinkt der Mann ja gar nicht so viel?“ Und machte damit ein Dilemma deutlich, in dem sich so mancher Autor befindet: Der Leser verwechselt ihn nur allzu gerne mit seinen Romanfiguren. Bei Thomas Glavinic besonders leicht, denn egal ob mit dem „Kameramörder“, der „Arbeit der Nacht“, in „Das Leben der Wünsche“ oder im Buch „Das bin doch ich“, mit dem Glavinic dem Genre der Künstler-Autobiografie neuen Drive verpasst hat – er erfindet sich immer neu, experimentiert mit Stimmung und adäquater Sprache, geht authentisch in seinen Protagonisten auf, verarbeitet, was er erlebt.

So auch im neuesten Roman, der das Horror-Genre auslotet, mit der totalen Verunsicherung spielt. Schlichte Ausgangssituation: Aus Angst vor einer unbekannten Serienkillerin, deren DNA man in seinem Haus gefunden hat, flüchtet ein Mann mit seinem Sohn in ein verlassenes Haus am Land. Jeden Abend setzt er sich mit einer Flasche Whiskey und sehr viel Koks vor das Mikro seiner kleinen Internet-Radiostation. Dem Gesetz des „Maschierpulvers“ gehorchend, folgt eine Suada übers Leben, über die Facebook-Community, über Fluchten in virtuelle Welten, Frauen, Sex, Bobos und die FPÖ – authentisch, als säße man nächtens in einer In-Bar.

Glavinic weiß, wovon er seinen paranoiden Helden sprechen lässt … Das liest sich passagenweise beklemmend, auch höchst amüsant, wie etwa die schlüssigen Überlegungen zu schlechter Performancekunst, passagenweise aber gilt: Man erkennt die Absicht – und ist verstimmt.

Thomas Glavinic: „Lisa“
Hanser, € 17,90
Der Monolog ist ab 7. 2. im Handel. Am 14. 2. präsentiert der Autor sein neues Buch im Rabenhof Theater, 20 Uhr.

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