Life Ball: Zwischen Spaß und Ernst

Life Ball: Zwischen Spaß und Ernst

Im Vorfeld des Life Balls spricht Conchita Wurst die Situation der Homosexuellen in Österreich an - parallel dazu gibt es Festnahmen in Russland. Auch die anderen Star-Gäste des Events schlagen eher ernste Töne an.

Songcontest-Siegerin Conchita Wurst tritt am heurigen Life Ball auf. Ihren dazu passenden Besuch im Ö1-"Journal zu Gast" nutzt sie, um die Situation der Homosexuellen in Wien zu thematisieren. Sie sei "ungeduldig", was die Gleichstellung von Homosexuellen anbelangt, sagt sie im Gespräch: Sie verstehe nicht, warum die absolute Gleichstellung noch nicht stattgefunden hat und was da so lange dauern kann. "Ich brauche keine Diskussion, sondern eine Entscheidung," sagt sie weiters.

Zur Kritik einer parteipolitischen Vereinnahmung durch Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) bei ihrem Empfang im Bundeskanzleramt eine Woche nach ihrem Songcontest-Sieg sagte Wurst: "Ich fühle mich in keinster Weise instrumentalisiert." Sie habe sich sehr über den Empfang gefreut, das zeige ihr, dass Musik sehr ernst genommen werde. Sie selbst wollte nicht auf den Balkon des Bundeskanzleramts treten, "weil ich denke da sollten wichtigere Menschen stehen". Parteipolitisch würde sie sich nicht engagieren, sagte Wurst auf eine entsprechende Frage.

Umstrittenes Plakat

Das umstrittene Life Ball-Plakat von David LaChapelle mit dem nackten Transgender-Model Carmen Carrera findet die Sängerin "schön, mir gefällt es gut, ich finde es ist ästhetisch". Die Aufschreie der verzweifelten Eltern, wie sie das denn nun ihren Kindern erklären sollen, hätten sie schon in Bezug auf ihre Persönlichkeit "immer schon sehr amüsiert, weil ich mir denke, wie schwer ist denn das zu erklären. Daher verstehe ich die ganze Aufregung nicht."

Die Aufregung um sein Bild nahm der Fotograf selbst gelassen: "Die Menschen machen, was sie machen", sagte er. Life Ball-Organisator Gery Keszler fand sogar Gefallen an der Kontroverse. "Wäre es eine kommerzielle Kampagne gewesen, wäre sie unbezahlbar", meinte er.

"Schützt die Kinder"

Der Life Ball in Wien ist mit seinem Aufgebot an Stars und schrillen Kostümen für seinen hohen Glamour- und Spaß-Faktor bekannt. Doch die Promis, die in diesem Jahr den Life Ball in Wien besuchen, haben im Vorfeld recht ruhig gewirkt: Weniger Glamourfaktor, dafür auf die Sache bedacht, um die es eigentlich geht, nämlich Geld für die Aidshilfe zu lukrieren. "Schützt die Kinder", sagte etwa Sänger Ricky Martin vor Medienvertretern.

Die Pressekonferenz am Samstagvormittag weniger laut und schrill als diese Termine in den vergangenen Jahren. Sogar Sängerin Courtney Love, die eigentlich gar nicht erwartet wurde, gesellte sich ungeschminkt und ohne Sonnenbrille zu den Journalisten und hörte den Vortragenden für einen Moment zu.

Auch Ricky Martin ließ es ruhig angehen. Am Abend seiner Ankunft brachte der eher wortkarge Sänger lieber die Kinder ins Bett, als Party zu machen. Ihm sei es ein besonderes Anliegen, das die Kleinsten vor einer HIV-Infektion verschont bleiben, sagte der Künstler.

Trotz des ernsten Themas freute sich der puerto-ricanischer Popsänger auf den Life Ball. "Das wird ein großer Spaß und ein tolles Fest", meinte Martin.

Festnahmen in Russland

Parallel dazu ging es in anderen Teilen der Welt weniger frivol zu: Bei einer Demonstration zu Ehren von Conchita Wurst in Moskau sind zwei Frauen festgenommen worden. Die beiden hatten nach Angaben eines AFP-Reporters auf einem Platz in der russischen Hauptstadt eine Regenbogenfahne in die Höhe gehalten. Aus einem vorbeifahrenden Auto, das ebenfalls mit Regenbogenfarben geschmückt war, schallte das Lied "Rise Like a Phoenix" der Songcontest-Siegerin.

Der nach Conchita Wurst benannte Protestmarsch war von den Behörden nicht genehmigt worden. Insgesamt nahm nur eine Handvoll Aktivisten daran teil, die jedoch schnell von Sicherheitskräften vertrieben wurden.

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