Lebe lieber ungewöhnlich!

Lebe lieber ungewöhnlich!

FORMAT: In Ihrem Buch "Zweite Welten“ analysieren Sie, warum und wovon wir träumen müssen, um etwas anderes leben zu können bzw. die wirkliche Welt in Gang zu halten. Wovon träumen Sie, der um die Hintergründe Bescheid weiß?

Robert Pfaller: Von nichts anderem als andere Leute auch. Ich meine ja auch nicht, dass die Leute etwas anderes träumen sollten. Sondern sie sollten den Umstand, dass ihre Träume etwas anderes sind als ihr Leben, mit weniger Misstrauen betrachten als derzeit. Wenn zum Beispiel ein aktuelles "Vogue“-Cover verboten werden soll, das eine Frau und einen Mann in leidenschaftlicher, ungestümer Umarmung zeigt, dann frage ich mich: Wovon dürfen wir eigentlich noch träumen? Warum haben wir solche Angst, dass wir, wenn wir etwas mehr oder weniger Böses träumen, es dann auch tun werden? Sigmund Freud etwa schrieb, unter Verweis auf Platon, "dass der Tugendhafte sich begnügt, von dem zu träumen, was der Böse im Leben tut“.

Unsere Welt strebt anscheinend in allen Bereichen nach dem Glatten und Gesäuberten und Gleichgeschalteten. Der Staat reglementiert alles in jedem Bereich. Optimiert man uns zu Tode?

Pfaller: Ich würde sagen: Man optimiert uns zu einem Leben, das kein Leben ist.

Während der Alltag immer glatter abläuft, macht das TV mit zunehmend grauslicheren Formaten Quote: Wird so das letzte Stück Rock ’n’ Roll und Genuss ausgelagert, nach dem wir uns eigentlich sehnen?

Pfaller: Ausgelagert wurde wohl immer - nur unser Verhältnis zu unseren Stellvertretern hat sich geändert. Frühere Idole lebten uns etwas vor, das wir in kleinen Mengen, vielleicht nur in der einen oder anderen Geste, für unser Leben zu übernehmen versuchten. Unsere heutigen Objekte dagegen sind schwarze Schafe, die wir neugierig beobachten, um nur ja nicht so zu werden wie sie. Wir putzen uns sozusagen an ihnen ab und zeigen mit dem Finger auf sie. Wir wollen von ihnen ein bestimmtes Glück wie etwa Trinken, Sex, Prominenz derart abstoßend vorgeführt bekommen, dass wir erleichtert darüber sind, es selbst nicht zu besitzen. Das begünstigt in der Folge unseren politischen Verzicht.

Würden uns mehr Kanten im Leben wieder glücklicher machen?

Pfaller: Uns fehlen nicht die Kanten, sondern die Fähigkeit, damit umzugehen. Wir sind, wie der Philosoph Max Scheler bemerkte, umgeben von lauter lustigen Dingen, die angeschaut werden von traurigen Menschen, die nichts damit anzufangen wissen. Da jedes Glück immer mit etwas Ungutem verbunden ist - Alkohol ist ungesund, Sex unappetitlich, Musikhören Zeitverschwendung -, schrecken Individuen nämlich, alleine gelassen, davor meist zurück. Nur einem geselligen Gebot folgend, das zu uns sagt: "Komm, sei keine Spaßbremse, trink mit uns ein Glas!“, werden wir zum Glück fähig.

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