Krimis: Neue Fälle mit Lokalkolorit und Schmäh

Georg Haderer "Es wird Tote geben“, Major Schäfer in Bestform! Haymon Verlag, € 19,99

Stephan Dorfmeister "Transitmordroute“, Paul Karasic deckt einen Schlepperring auf. Quasimodo, € 22,90

Major Schäfer hat schon viel erlebt. Nach Depressionen und Angststörungen wird er von Wien aufs Land versetzt. Als Postenkommandant im Salzburger Niemandsland will der launige Ermittler endlich Dienst nach Vorschrift machen, über attraktive Kolleginnen nachdenken und sein Gartenhaus samt Weinkeller genießen. Kurz, Hüter seiner eigenen Lebensqualität sein. Zwischen Bagatelldelikten wie Werkzeugdiebstahl und entlaufenen Hunden schaut es nicht schlecht aus mit der inneren Friedensfindung Schäfers. Bis ein junges Mädchen, vollgepumpt mit Drogen, von der Autobahnbrücke springt, ein weiteres von einem Getreidesilo - und im Internet verwackelte Filme zu den angeblichen Selbstmorden auftauchen. Schrittweise macht Schäfers Mitarbeiterstab Bekanntschaft mit den ruppigen wie unkonventionellen Methoden des Superhirns vom Bundeskriminalamt Wien. Und Schäfer zeigt in allen Facetten, warum er im Ranking der abgedrehtesten Bullen des Landes immer noch weit vorn rangiert.

"Was denkt sich der Bub bloß immer aus …“, lässt Autor Georg Haderer auf seiner Homepage seine Mama sagen. Und recht hat sie. Seit 2009 mischt der geborene Kitzbühler mit Wohnsitz Wien das heimische Krimibiz auf. Vier Major Schäfer-Fälle hat der 40-jährige Autor - der sich auch schon als Barkeeper, Landschaftsgärtner und Skilehrer versucht hat, ehe er als Texter in der Werbung landete, um sich dann ganz dem Schreiben zu widmen - schon vorgelegt. Mit seinem letzten Band "Engel und Dämonen“ steht Haderer auf der Shortlist für den Leo-Perutz-Preis 2013. Am 9. 8. kommt der fünfte Fall in den Handel. Ein Krimi, wie man ihn gern hat: Der Plot fern der politischen Korrektheit, witzige Sprache, abgründiger Schmäh und eine Hauptfigur voll galligem Humor. Mit seichtem Provinz- oder englischem Landhauskrimi hat man es hier nicht zu tun.

Auch bei den weiteren Neuerscheinungen heimischer Krimis geht es nicht um den klassischen Who-dunit. Vielmehr schreiben die Autoren hart an der Realität entlang, ihre Figuren sind in der gegenwärtigen Welt verhaftet und in soziale und politische Aktualität eingebettet. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen da in den Grauzonen der Macht nur allzu leicht. Wie etwa im neuen Buch von Stephan Dorfmeister .

Schlepper, Gammelfleisch & Kulinarik

Der Autor aus der Künstlerfamilie legt mit "Transitmordroute“ seinen zweiten Krimi um den Privatermittler Paul Karasic vor. Der erfolgreiche Wiener Unternehmensberater schlittert bei einem Auftrag für einen Kunden aus der Frachtbranche im Salzkammergut in eine Schlepper- und Mädchenhändlergeschichte. Die Spur weist auf ein österreichisch-russisches Mafia-Syndikat hin, das sich bei finanzschwachen Unternehmen einkauft, um kriminelle Nebengeschäfte umzusetzen. Karasic beginnt sich durch kriminelle wirtschaftspolitische Verflechtungen zu wühlen. Daneben kommen natürlich auch Kulinarik und Weinbetrachtungen nicht zu kurz, die allerdings stark an die Pionierin des gesellschaftspolitischen Österreich-Krimis, Eva Rossmann, gemahnen. Ihr nächstes Buch "Männerfallen“ kommt übrigens am 2. 9. auf den Markt, und lässt Journalistin Mira Valensky und Freundin Vesna Krajner in einem mörderischen Geschlechterkampf recherchieren.

Nach dem Öko-Krimi "Erdenkinder“ legt der 47-jährige Philosoph und Musiker Günther Neuwirth seinen zweiten Roman mit der resoluten Kriminalbeamtin aus Steyr, Christina Kayserling, vor: Sie gerät in "Neumondnacht“ in einen Gammelfleisch-Skandal und damit zwischen die Fronten von Fleischlieferanten und Tierschützern. Und auch Manfred Koch spielt eloquent mit Lokalkolorit und all den Klischees, die das Leben hinter den sieben Bergen in Salzburg so her gibt. Der ehemalige Werbetexter und Dramaturg lässt in "Kaltfront“ ein Brüderpaar in die Abgründe der Kunst- und Festspielschickeria blicken.

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