"Klassikstar '09": Startenor Michael Schade will mit Wettbewerb junge Sänger fördern

Am 18. Juni steht Michael Schade wieder auf der Bühne der Wiener Staatsoper, auch bei den Salzburger Festspielen ist er stark vertreten. Jetzt will der Startenor sein Know-how an junge Sänger weitergeben. Ein Gespräch über „the next Klassikstars“.

Ein Mozart-Requiem in Boston, ein Liederabend mit Valéry Gergiev in London, einer mit Kent Nagano in Montreal, dann Abende mit Harnoncourt und Thielemann. – 2013 könnte man noch anfragen, da hätte er noch einige Termine frei, schmunzelt Michael Schade. Der Tenor mit schweizerisch-kanadischen Wurzeln ist ausgebucht und hat auch eine starke Saison hinter sich. Zuletzt sang er in Hamburg die Partie des Gustav von Aschenbach in Benjamin Brittens „Death in Venice“. In Wien kann man den 44-Jährigen kommende Woche in der Wiederaufnahme der „Schweigsamen Frau“ erleben und ab 20. August in Haydns „Armida“ bei den Salzburger Festspielen, wo er auch zwei Konzertabende unter Riccardo Muti gibt.

Nachwuchspflege der anderen Art
Der passionierte Golfspieler – „während dieser Zeit“, so Schade auf sein Image als Genussmensch anspielend, „kann wenigstens keiner behaupten, der Schade isst schon wieder“ – sieht seine Profession nicht als Beruf, sondern als Berufung. Er weiß, wie das Business funktioniert, ist flexibel, professionell und belastbar. Der Startenor agiert nicht nur auf den internationalen Opernbühnen, sondern hat sich auch als Konzert- und Liedersänger einen Namen gemacht und war selbst im Privatleben der Oper verbunden. Nach der Ehe mit Mezzosopranistin Noreen Burgess hat der Sänger nun zusammen mit seiner zweiten Frau Dee insgesamt acht Kinder im Alter zwischen zwei und 18 Jahren. Nun will er sich verstärkt einer Nachwuchspflege anderer Art widmen und jungen Sängern auf die Sprünge helfen. „Ich habe mit 23 Jahren angefangen, habe sehr früh an der Met debütiert und vieles schnell er­leben dürfen.“ Quasi über Nacht machte ihn etwa Opernchef Ioan Holender 1992 nach einem Vorsingen zum Ensemblemitglied. Etwas von diesem Know-how will der Profi jetzt weitergeben.

Klassik-Starmania
Gemeinsam mit Hapag-Lloyd-Manager Sebastian Ahrens hat Michael Schade einen Gesangswettbewerb für klassische Musik, „Stella Maris“, ins Leben gerufen, der zukünftig jedes Jahr stattfinden soll: Acht der renommiertesten Opernhäuser der Welt suchen unter der künstlerischen Leitung von Schade an Bord des Kreuzfahrtschiffes „Europa“ den Klassikstar ’09 (siehe Artikel ) . Mit dabei sind die Dresdner Semperoper, die Canadian Opera Company Toronto, die Metropolitan Opera New York, die Mailänder Scala, die Hamburgische Staatsoper, das Royal Opera House in London, die Opéra national de Paris und das Opernhaus Zürich. Jedes Haus schickt einen Nachwuchsstar ins Rennen. Nach vier Konzerten werden eine hochkarätige Jury sowie das Publikum drei Preisträger wählen. In der Jury finden sich neben Schade auch der designierte Chef der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer, der Marketingboss der Deutschen Grammophon, eine Künstleragentin und Christoph Poppen, Leiter Deutsche Radio Philharmonie.

Letzter Schliff für Kandidaten
Auf die Finalisten warten neben dem mit 15.000 Euro dotierten Publikumspreis ein Engagement an der Staatsoper, Konzertauftritte und Testrecordings. „Starmania“ für Klassikstars also? Das hört Michael Schade weniger gern. Denn die Grunderfordernis – blendende Erscheinung, gute Stimme und die technische Beherrschung derselben – erfüllen alle Kandidaten bereits. „Nur müssen sie jetzt lernen, dass das nicht genug ist“, betont der Profi, der bereits im Vorjahr als künstlerischer Leiter des Young Singers Project der Salzburger Festspiele Erfahrungen mit der „next generation“ sammeln konnte. Die Sänger müssen lernen, dass harte Knochenarbeit auf sie zukommt. Man wolle ihnen den letzten Schliff geben, ehe sie ihre Flügel ausbreiten. Denn der Markt ist hungrig nach neuen Talenten, aber auch das internationale Musikbusiness agiert in Krisenzeiten nicht zimperlich und will Quote machen.

"Stella Maris" will langfristig fördern
Längst herrschen auch in der Klassikbranche andere Mechanismen, nach denen sich die Stimmwunder wie Popstars gerieren. „Den Druck machen sich aber die Sänger selber“, relativiert Schade den Hype um Namen wie Netrebko oder Villazón. „Dass jemand gut singt und gut aussieht, ist ja nichts Neues.“ Man dürfe nur „nicht Äpfel mit Orangen vergleichen“, betont er, in Anspielung auf das Phänomen Paul Potts, jenen britischen Mobiltelefonverkäufer, der sich als Castingshow-Entdeckung zum Echo-Gewinner 2009 hochsang. „Ich bin sehr froh, dass Paul Potts mit ‚Nessun Dorma‘ so viel verdient wie Bon Jovi, aber ein Opernsänger ist das noch lange nicht. Es spricht auch nichts gegen eine Symbiose von Rock und Classic, aber man darf seine Seele nicht verkaufen.“ In der klassischen Musik, analysiert Schade, herrsche derzeit eine gewisse Dualität. Zum einen gebe es kurzlebige Marketingstrategien, die die Paul Potts dieser Welt hochpushen und nur in Plattenverkaufszahlen rechnen, zum anderen den sukzessiven Aufbau einer Bühnen­karriere. ‚Stella Maris‘ fällt unter das Kapitel des nachhaltigen Karriereaufbaus.“

Pläne für Wien und Salzburg
Das Projekt lässt Schade schon vor Amtsantritt von Dominique Meyer mit dem de­signierten Staatsopern-Direktor zusammenarbeiten. Man hat auch schon Pläne für Wien: „Ich komme gleich in den ersten zwei Saisonen mit etlichen Strauss-Opern, und auch die Neuproduktion einer bedeutenden Mozart-Oper ist fixiert.“ Zunächst einmal steht allerdings Salzburg auf dem Terminplan des Tenors (Salzburger Festspiele, 25. 7. bis 30. 8). Was Cannes für den Film ist, sei Salzburg für die Klassik, „mit Paparazzi und allem Drumherum“, kommentiert der Publikumsliebling den „Scouting Circus“. „Salzburg ist DAS Festival des ‚who is hot and who is not‘.“ Hot ist derzeit jedenfalls Neo-Intendant Alexander Pereira, der ab 2011 den Spagat zwischen Starzirkus und dem Hunger nach Jungtalenten vollführen muss. „Fürs Publikum ist aber nicht wichtig, wer Intendant ist, sondern was er macht“, sieht es Schade pragmatisch. „Ich werde ihm jedenfalls meine Visitenkarte zukommen lassen.“

Von Michaela Knapp

Im Bild: Michael Schade in der Produktion „Armida“: Auch heuer wieder darf Schade in Salzburg dem Charme von Annette Dasch in der Titelrolle der geheimnisvollen Zauberin verfallen.
Premiere: Felsenreitschule, 20. 8.

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