Klassik: Vieles hat sich wie im Pop- und Rockgeschäft Richtung Live verschoben

Große Namen, starke Töne. Die Klassik-Festivals des Sommers versprechen Stars hautnah, in entspannter Atmosphäre und in an sprechenden Locations. Ein Überblick über die besten Festivals – national und international.

Da hängt der Himmel buchstäblich voller Geigen, wenn Elina Garanca in einer von Blütenduft getränkten, lauen Sommernacht im Park des burgenländischen Schlosses Esterházy zu „Carceleras“ aus „Las Hijas de Zebedeo“ von Ruperto Chapí anhebt. „Ihre Konzerte im Römersteinbruch von St. Margarethen in den vergangenen beiden Jahren waren großartige Erfolge“, freut sich Veranstalter Wolfgang Werner über den geglückten Auftakt zur neuen Konzertreihe „Proms in the Park“ am 24. Juni. Der Generaldirektor der Esterházy-Stiftungen, Stefan Ottrubay, hat dafür die Privatparkanlage öffentlich zugänglich gemacht.

Am 7. Juli wird die lettische Mezzosopranistin dann beim traditionellen „Klassik unter Sternen“- Abend vor Stift Göttweig ihr Publikum verzaubern.

Auch Elisabeth Kulman ist dieser Tage nicht nur in der Staatsoper zu finden oder bei den Salzburger Festspielen mit Glucks „Orfeo ed Euridice“. Sie hat auch als zugkräftiger Star mit einem Liederabend das Liszt-Festival in Raiding eröffnet (bis 27. 6.) und wird mit ihrem außergewöhnlichen Mahler-Programm bei den Gustav Mahler Musikwochen im Südtiroler Toblach gastieren (16. 7.). Christopher Maltman, der gefeierte „Don Giovanni“ der Salzburger Festspiele, präsentiert sich derweil auch unweit der Festspielstadt, beim Attersee-Klassik-Festival mit einem Liederabend von Debussy und Schubert (14. 8.).

Gut für den Marktwert

Immer mehr Stars begeben sich den Sommer über auf Tour, geben sich mit eigenen Programmen publikumsnah. Universal-Chef Hannes Eder, der Klassik-Stars wie Anna Netrebko, Elina Garanca, Magdalena Kozena, Cecilia Bartoli, Jonas Kaufmann und Starpianistin Hélène Grimaud unter Vertrag hat, bestätigt: „Auftritte bei Festivals machen Künstler bekannter und steigern ihren Marktwert.“ Denn analog „zum Pop- und Rockgeschäft hat sich auch in der Klassik vieles in Richtung Livekonzerte verschoben“, so der Marktexperte. „Dass die Festivals wie die Schwammerln aus dem Boden schießen, heißt ja, dass Markt und Nachfrage dafür vorhanden sind.“ 2008 förderte das BMUKK 41 Festspiele um 11,5 Millionen Euro.

Die Nachfrage nach Stars unter freiem Himmel oder in atmosphärisch anregender Umgebung ist ungebrochen. Das kann auch styriarte-Zugpferd Nikolaus Harnoncourt nur bestätigen. Die drei Termine für Friedrich Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“, mit dem Harnoncourt und das Chamber Orchestra of Europe dieses Wochenende die styriarte eröffnen werden, sind ebenso ausverkauft wie alle weiteren heurigen Konzerte des Stardirigenten. Für andere Konzerte bei der styriarte 2011, für die der musikalische Leiter bereits mit einer halbszenischen Produktion von Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ die Werbetrommel rührt, gibt es noch Karten.

Klassik-Reisen

Auf Opern- und Konzertreisen ist Dagmar Blahutova mit ihrem Reisebüro in der Operngasse seit 1993 spezialisiert. „Vor allem Senioren interessieren sich dafür. Besonders gefragt sind hier italienische Festivals wie Pesaro und Verona. Aber auch in Böhmen und der Slowakei gibt es Festivals von ausgesprochen guter Qualität.“ Die Tipps der Expertin: das Smetana Festival in Litomysl sowie Krumau oder Zvolen in der Slowakei. Das französische Avantgardefestival Aix-en-Provence wiederum ist Hotspot für eine junge Klientel, die gewohnt ist, via Internet zu buchen. Und einen erfreulichen Trend bestätigt: Immer häufiger interessieren sich jüngere Menschen für Klassik. So stieg 2009 laut einer Studie der deutschen Musikindustrie der Anteil der Klassikkäufer bei den 20- bis 29-Jährigen von 2,7 auf 4,7 Prozent.

– M. Gram, M. Knapp

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★