Deutsche Kinos gegen Disney: "Avengers: Age of Ultron" ist zu teuer

Deutsche Kinos gegen Disney: "Avengers: Age of Ultron" ist zu teuer

Scarlett Johansson wird wieder als "Black Widow" in Disneys neuestem Blockbuster zu sehen sein - aber nicht in allen deutschen Kinos.

Scarlett Johansson und andere US-Stars werden im neuen Disney-Blockbuster "Avengers: Age of Ultron" bald wieder gesamte Kinowelt begeistern. Die gesamte Kinowelt? Nein: Eine Gruppe unbeugsamer deutscher Kinobesitzer weigert sich, den Film zu zeigen - weil sie die Konditionen des Konzerns nicht akzeptieren wollen.

Es ist eigentlich ein Stoff für einen Hollywood-Blockbuster, ein Kampf David gegen Goliath: Kleine Underdogs wagen den Aufstand gegen einen weltweiten Unterhaltungskonzern, streiten für ihre Existenz gegen einen übermächtigen Gegner. Der Disney-Konzern bringt morgen, Donnerstag, "Avengers: Age of Ultron" in die Kinos und hofft auf großes Interesse an Helden wie Iron Man, Hulk oder Captain America. Der Vorgänger, "The Avengers" ist der erfolgreichste Disney-Film aller Zeiten; er kam 2012 in die Kinos und spielte weltweit über 1,5 Milliarden Dollar ein - bei einem Produktionsbudget von nur 220 Millionen Dollar. die Hoffnung des entertainment-Konzerns ist groß, mit der Fortsetzung den Erfolg des Vorgängers zu wiederholen.

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Doch aus einer norddeutschen Provinz geht nun ein Aufstand von Kinobesitzern aus, die empört sind über die Preispolitik des Global Players. Viele hundert Kinos in den kleineren Städten Deutschlands werden den Film voraussichtlich boykottieren.

Ticketpreise: Die Hälfte geht an Disney

Disney verlange von den Kinos als Miete 53 Prozent des Ticketpreises, sagt Karl-Heinz Meier. Der 64-Jährige betreibt in der 500-Einwohner-Gemeinde Quernheim im niedersächsischen Kreis Diepholz die Lichtburg. Und er ist Sprecher der "I.G. Nord", eines Zusammenschlusses norddeutscher Kinobetreiber. Mehr als 50 Prozent als Miete für einen Film sei einfach zu viel. Gerade für Kinos in der Provinz werde es bedrohlich. "Sollten auch andere Verleiher auf diesen Zug aufspringen, gibt es ein Kinosterben in der Fläche", betont das Kino-Urgestein.

Disney habe gegen ein lange bestehendes ungeschriebenes Gesetz verstoßen, sagt Andreas Kramer vom Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF). Bezogen auf die Ortsgröße habe es von den Verleihern immer einen flexiblen Rahmen bei der Filmmiete gegeben. "Und dieser Rahmen wird nun nach oben hin ausgereizt, ohne dass die Kinos informiert worden oder darauf vorbereitet worden sind." Die Kinos in den größeren Städten müssen bereits die 53-prozentige Filmmiete zahlen.

Umbau für 3,4 Milliarden Euro

Die Kinos kommen gerade von einer sehr teuren Investitionsrunde: Die Kosten für die Umrüstung der Kinosäle auf digitale Projektionstechnik habe die Unternehmen in den vergangenen Jahren seiner Einschätzung nach gut 3,4 Milliarden Euro gekostet, sagt Kramer. Auch wenn viele Kinobetreiber für die Umstellung sowohl Branchen- als auch staatliche Fördergelder bekommen hätten, dauere die Amortisierung gerade in den kleinen Städten deutlich länger als in den Metropolen.

Die ausländischen Major-Verleiher blendeten die Vielfältigkeit der deutschen Kinolandschaft einfach aus, klagt Kramer. Und die Verleiher beobachteten untereinander genau, was die Kollegen tun. "Wenn Konditionen einmal auf dem Markt durchgesetzt sind, werden auch andere darauf aufspringen."

600 Kinos zeigen "Avengers" nicht - Disney schweigt

Mit dem Aufstand gegen Disney begonnen haben 160 Kinobetreiber in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Der Protest sei aber deutschlandweit, sagt Kino-Urgestein Meier. "Es sind Kinos vom Rheinland bis Thüringen, von Rendsburg bis Oberbayern", sagt er. Bis zu 600 Lichtspielhäuser in Deutschland zeigten deshalb die "Avengers" nicht.

Zu dem Thema wollte sich Disney nicht äußern. "Es entspricht nicht unserer Firmenpolitik, vertrauliche Details unserer Geschäftsbeziehungen öffentlich zu kommentieren", sagte Petra Strobl von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany in einer schriftlichen Stellungnahme.

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