Kino der Achtziger-Jahre:
Das unterschätzte Jahrzehnt

Kino der Achtziger-Jahre:
Das unterschätzte Jahrzehnt

„Wer sich an die 80er Jahre erinnert, der war nicht dabei“, sagte Falco in den 90er Jahren. Es war jenes Jahrzehnt, in dem cool sein noch cool war, Sakkos prinzipiell Schulterpolster hatten, und die Farbe Neongrün dem Outfit den letzten Schliff verlieh. Ganz Wien war grau in grau gehalten, die überschaubare „Szene“ ging in die Blue Box und ins U4 oder in den Volksgarten und ins Monte.

Irgendwie haben die 80er Jahre ein schweres Imageproblem. Die Mode (Miami Vice!) genießt retrospektiv nicht unverdient einen zweifelhaften Ruf. Musikalisch aber ist das Jahrzehnt, dass mit dem Freitod von Joy-Division-Sänger Ian Curtis und der Gründung von Depeche Mode 1980 schon zu Beginn äußerst heterogen geprägt wurde, längst rehabilitiert, auch wenn die unbeholfenen Versuche mit den ersten erschwinglichen programmierbaren Synthesizern und Samplern aus heutiger Perspektive vergleichsweise unbeholfen und antiquiert anmuten (Yazoo, ABC, Heaven 17).

Aber in dem unterschätzten Jahrzehnt sind dann doch bis heute gültige musikalische Großwerke zu finden. U.a. von Prince (Purple Rain, 1984; Parade 1986), Talking Heads (Remain in Light, 1980; Stop Making Sense, 1984), Grace Jones (Night Clubbing, 1981; Island Life, 1985) und natürlich David Bowie (Scary Monsters....and Super Creeps, 1980; Let's Dance, 1983).

Neubestimmung des Hollywood-Kinos der 80er Jahre

Auch dem Hollywood-Filmschaffen dieser Ära haftet ein Hautgout von Kommerz und unkritischer Einfallslosigkeit an, der sich, so das Klischee, prima in die neoliberale Agenda des Schauspielers Ronald Reagan fügte.
Zu Unrecht, manches Mal aber auch zu Recht, wie die 47 Werke umfassende Schau „The Real Eighties“ Im Österreichischen Filmmuseum zeigt. Es ist der bisher umfassendste Versuch weltweit, das amerikanische Kino der 80er Jahre neu zu vermessen und gebührend zu verorten.

Ambivalentes Jahrzehnt

Der Vielfältigkeit sowie Ambivalenz des amerikanischen Kinos der Achziger wird diese Schau mit dem genretypischen "Sexy Eighties Thriller" (The Big Easy), philosophischen Splatter-Attacken von George A. Romero (Day of the Dead) und Meisterwerken von Regiegrößen wie John Carpenter (Escape from New York), William Friedkin (To Live and Die in L.A) oder dem wunderbaren 'Blow Out' von Brian De Palma gerecht. Den Beginn des Jahrzehnts markieren zwei empfehlenswerte Filme, die 1980 ins Kino kamen:

'Out of the Blue', Hauptwerk von Dennis Hopper als Regiesseur, ist die Geschichte des Teenagermädchens Cebe (Groß: Die kleine Linda Manz, bekannt als Erzählerin aus 'Days of Heaven' von Terence Malick)
und ihrer dysfuktionalen Family. Dad (Hopper) kommt gerade aus dem Knast, Mum hat Männer- und Drogenprobleme. Ende: tragisch.
Dazu intoniert Neil Young beseelt:

My my, hey hey
Rock and roll is here to stay
It's better to burn out
Than to fade away
My my, hey hey.

'Gloria', John Cassavetes' formal gelungenster Streifen, handelt von einer kinderfeindlichen Gangsterbraut (Gena Rowlands), die plötzlich einen kleinen Klugscheißer zu betreuen hat.

Keine 80er ohne Mickey Rourke: 'Johhny Handsome'

Mickey Rourke in 'Johnny Handsome' (1989, Walter Hill) und die Bridges-Boys in 'The Fabulous Baker Boys' (1989, Steve Kloves) unterstreichen am Ende der 80er nochmals eindrucksvoll die Relevanz des Hollywood Kinos dieser Ära.

Sexy Thriller: 'The Big Easy' mit Dennis Quaid und Ellen Barkin

Die Schau wird betreut vom Kurator/inn/enkollektiv The Canine Condition – Lukas Foerster, Nikolaus Perneczky, Fabian Tietke und Cecilia Valenti. Lukas Foerster und Nikolaus Perneczky werden Einführungen zu zahlreichen Vorstellungen geben und gemeinsam mit dem TFM der Universität Wien ein Workshop zum Thema bestreiten
(5. Juni, Depot, Breitegasse 3, 1070 Wien).

Infos und Programm: www.filmmuseum.at

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