Keine Saure-Gurken-Zeit

Flowers & Mushrooms

"Pilze“ auf Polyesterfolie, 1997, von Peter Fischli /David Weiss. Zu sehen im MdM Mönchsberg, bis 27. 10.

Flowers & Mushrooms

Luzia Simons "Stockage 104“, 2010. Zu sehen im MdM Mönchsberg, bis 27. 10.

Grotesk wie effektreich: Ausgerechnet der Penis von Roman Abramowitsch wurde heuer zum Vorboten der Kunstevents in Salzburg. Der russische Oligarch und Kunstsammler ist Teil einer "Wortskulptur“ von Erwin Wurm, die Thaddaeus Ropac anläßlich des 30-Jahr-Jubiläums seiner Salzburger Galerie von Burgstars wie Nicholas Ofczarek und Oliver Masucci performen ließ.

Nach Fat Cars und Fat Houses arbeitet sich der eben mit dem "Großen Österreichischen Staatspreis“ ausgezeichnete 59-jährige One-Minute-Skulpteur hier am aufgeblähten Kunstbetrieb ab. Als selbsternannter "Schnöselbildhauer“ spart der populäre Künstler dabei weder mit Selbst- noch Kollegenhass, lässt aber vor allem seiner Wut auf den Markt, die Rankings und die geschmacklosen "Ich-kauf-mir-alles-auch-dich-Gesicht“-Sammler freien Lauf: "Abramowitsch hat sicher den größten, längsten Schwanz, weil er das größte, längste Boot hat. Eigentlich Schiff. Dieser längste Schwanz bedroht alle zwei Jahre die tollste Biennale der Welt, die Venedig Biennale. Sein Schwanz legt sich darüber und lässt sich bewundern“, heißt es da etwa über den internationalen Großeinkäufer. "Der Spiegel“ hatte vorab ausgiebig aus dem Text zitiert, zumal Wurm mit seinen Attacken im Trend liegt.

Auch bei der Biennale thematisiert eine Arbeit von Jeremy Deller im Britischen Pavillon die Großmannssucht mancher Sammler: Auf dem riesigen Wandgemälde schleudert der britische Sozialist William Morris als Gigant Abramowitschs Yacht "Luna“ wütend ins Meer. Mag die Kunst auch, wie die aktuelle 55. Kunstbiennale in Venedig in der mutigen Programmierung von Kurator Massimiliano Gioni demonstriert, über die Spekulation der vergangenen Jahre siegen, ein Business bleibt sie allemal.

Stilvoll vernetzt

Wie man dabei alle Register zieht, weiß Thaddaeus Ropac allzu gut. Der 53-jährige Kärntner zählt mit jeweils zwei Galerien in Salzburg und Paris und Storages in London und New York längst zu den Topplayern am internationalen Kunstmarkt. 1983 eröffnete er seine erste Galerie in Salzburg, mittlerweile wohnt und arbeitet er höchstens drei Monate im Jahr an der Salzach, wo er mit Savoir-vivre, Highclass-Kunst und seinen noblen Gästen die Salzburger Festspiele aufmischt und en passant Kuratoren und Künstler für neue Projekte vernetzt. Wurms Wortskulptur etwa brachte der smarte Galerist genau vor jener Klientel zur Aufführung, gegen die gewettert wurde: Sammler, Kuratoren, Künstlerkollegen und Kritiker bekamen hier vom Künstler die Gurke - auch in die Hand, um damit zur Minutenskulptur zu erstarren.

Neben Erwin Wurm präsentiert Ropac eine "30 Jahre“-Ausstellung mit Arbeiten von Andy Warhol, Georg Baselitz, Joseph Beuys und lädt ab 29. August zur großen Robert Mapplethorpe-Schau, die von der französischen Schauspielerin Isabelle Huppert kuratiert wird.

Kunst und Blüten

Wenn solcherlei Stars neben Festspiel-Künstlern wie -Publikum durch Salzburg flanieren, dann hat die "an sich konservative Stadt kurzfristig so etwas wie Weltstadtflair“, betont auch Peter Frey. Der gebürtige Salzburger hat gemeinsam mit seiner Schwester neben seiner Wiener Galerie im Vorjahr auch eine Dependance in Salzburg eröffnet. Natürlich profitiere man im Sommer vom kunstaffinen, finanzkräftigen internationalen Publikum. "Aber es macht nicht den Jahresumsatz aus,“ relativiert der Galerist, der zur Festspielzeit von 10 bis 21 Uhr im Dauereinsatz ist. Aktuell zeigt die Galerie die expressiven Arbeiten des Österreichers Anselm Glück. Auch Galerien wie Mario Mauroner, Nikolaus Ruzicska oder Rudolf Budja präsentieren zur Festspielzeit speziell abgestimmte Ausstellungen. Dazu kann man sich auch heuer wieder über ein besonders opulentes Programm im Museum der Moderne am Mönchsberg freuen, mit dem Direktor Toni Stooss seinen Abschied feiert, ehe Sabine Breitwieser als neue Chefin im Herbst die Zügel in die Hand nimmt.

Unter dem Titel "Flowers & Mushrooms“ zeigen Fotos, Malerei, Videos wie Plastiken von Thomas Stimm bis Pipilotti Rist die vielen Bedeutungsebenen von Blumen und Pilzen in der Kunst. Im unteren Stock gibt die Ausstellung "Plants & Murders“ nicht minder üppig einen Überblick über das Schaffen des 61-jährigen Gmundners Hubert Scheibl. Und im Rupertinum sind irritierende wie witzigen Fotoarbeiten des in München geborenen und in Wien lebenden Matthias Herrmann zu sehen.

Kunst-Festspiele

Neben den zahlreichen Ausstellungen in Galerien und Museen lädt man auch heuer wieder in der Residenz Salzburg zur ART Salzburg Kunstmesse, 10.-18. 8. www.artsalzburg.info

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