Katz-Ausstellung in Albertina: US-Maler schenkt Albertina druckgrafische Werke

Der US-Malstar Alex Katz hat sein gesamtes druckgrafisches Œuvre der Albertina geschenkt, die ab 27. 5. eine repräsentative Auswahl präsentiert. Der Porträtist der New Yorker Intellektuellen im Gespräch.

Für eine „Porträtsitzung“ bei ihm hat sich sogar die gestrenge Herrin der US-amerikanischen „Vogue“, Anna Wintour, Zeit genommen und die obligate große Sonnenbrille abgenommen. Immerhin handelt es sich bei Alex Katz um einen der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen amerikanischen Kunst, den Dandy der US-Malerei. Seine Sujets sind glamourös und fashionabel. Mit seinen überlebensgroßen Porträts und plakativen Szenen aus der New Yorker Intellektuellen-Szene, die er flächenhaft, fast schablonenartig gestaltet, und unnahbar wirkenden Naturidyllen hat er einen eigenen Stil kreiert und sich einen dem gemäßen Marktwert geschaffen.

Wegbereiter der Pop-Art

Arbeiten wie seine Leinwand „Blue Umbrella 2“ rangieren in der Höhe von 670.000 Dollar. Das war nicht immer so, wie sich der heute 82-Jährige an die Anfänge erinnert. Der in Brooklyn als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geborene Katz hat sich seinen prägnanten Stil von der Pike auf erarbeitet, wurde schon in der Highschool im Abzeichnen von Gipsfiguren nach antiken Vorbildern trainiert, werkte in einer Offset-Druckerei und übte sich früh in der minimalistischen Formensprache nach dem Motto „Je reduzierter, desto größer die Wirkung“. Das gilt auch für sein druckgrafisches Werk, das er sich bis in die Gegenwart als eigenständigen Zweig seines Schaffens erhalten hat. Vergangenen Herbst hat Katz dieses Œuvre der Albertina geschenkt, die ab 27. 5. (18.30 Uhr) eine repräsentative Auswahl an „Prints“ präsentiert.

Katz kommt natürlich zur Ausstellungseröffnung nach Wien. Vergangene Woche sorgte seine Präsentation mit signifikanten Porträts in der National Portrait Gallery in London für Gesprächsstoff. FORMAT bat ihm am Rande der Eröffnung um ein Gespräch.

FORMAT: Was macht eine Person spannend genug, dass Sie sie zu einem Alex-Katz-Bild werden lassen?

Katz: Viele sind „ein Katz“ geworden. Ich habe aber eigentlich keine Ahnung, warum. Am meisten interessiert mich natürlich mein Lebensraum, der Kreis der Künstler und Intellektuellen, in dem ich mich bewege.

FORMAT: Sie sind seit 1958 mit der Krebsforscherin Ada Del Moro verheiratet, sie ist wohl Ihr am meisten porträtiertes Modell.

Katz: Ada ist das perfekte Modell für mich, und das schon seit den 50er-Jahren! Eine echte Schönheit und fabelhafte Erscheinung. Ich weiß noch heute, was sie bei unserer ersten Begegnung im Jahr 1957 trug, ¬einen beigen Sweater und High Heels. Mittlerweile hat sie viele Rollen übernommen. Sie ist Ehefrau, Mutter Muse, Modell und sie ist in jeder Rolle perfekt und stilsicher, weiß, wie man das macht, fast wie eine Schauspielerin.

FORMAT: Sie haben Ihr gesamtes druckgrafisches Werk – über 500 Arbeiten – der Sammlung der Albertina übergeben. Warum gerade der Albertina?

Katz: Die Albertina ist als Sammlung einfach der perfekte Platz und Rahmen für meine Druckgrafiken. Ich freue mich schon auf die Ausstellung und darauf, wieder einmal in Wien zu sein. Ich liebe die Vielfalt an Museen und das wunderbare Licht in der Stadt.

FORMAT: Sie feiern im Juli Ihren 83. Geburtstag, Was treibt Sie an, immer noch weiterzumalen?

Katz: Was sollte ich sonst tun? Der Kick ist die ¬Sache an sich. Man denkt über Kunst nach, man betrachtet Dinge anders, lässt sich inspirieren, von Werbung oder Filmen. Mein Leben ist in der Tat nicht langweilig. Aber Malen ist einfach interessanter als alles andere.

FORMAT: Mit Ihren Arbeiten haben Sie einen signifikanten Stil entwickelt, böse Zungen würden sagen, eine Brand kreiert. Was reizt Sie daran, schablonenartig zu arbeiten?

Katz: Ich liebe es, mit Symbolen zu arbeiten, das kann von jedem anders interpretiert werden, denn man hat es immer mit unterschiedlichen Betrachtergruppen zu tun, mit jenen mit Kunstbackground, wie jenen ohne. Und Galeristen sehen wieder etwas anderes in meinen Arbeiten als Künstlerkollegen oder Dichter, mein bevorzugtes Publikum.

FORMAT: Sie gelten als einer der anerkanntesten Künstler, mit großem Einfluss auf die nächste Generation. Was attestieren Sie der Next Generation?

Katz: Die Malerei geht nahtlos weiter, es gibt nichts wirklich Neues.

FORMAT: Sie haben in dem Zusammenhang schon oft betont, dass Malerei viel mit Mode und Moden zu tun hat.

Katz: Natürlich, man ist in oder out, es geht darum, das richtige Bild zum richtigen Zeitpunkt zu haben. Es gibt keinen Fortschritt in der Malerei, nur Wechsel. Die Leute brauchen auch keinen Fortschritt in der Kunst, sondern bloß Abwechslung.

FORMAT: Sie haben in einem Interview von Miró als dem „King Kong“ der Kunstszene der 1920er gesprochen. Wer wäre heute King Kong?

Katz: Niemand ist mehr so stark wie Miró in den 20er-Jahren. Das Angebot ist ungleich größer und vielschichtiger geworden, aber das meiste hat kein Anliegen und überzeugt mich nicht.

FORMAT: Sie kümmern sich nicht viel darum, was Leute über Sie denken. Ist Ihnen ein Platz in der Kunstgeschichte wichtig?

Katz: Es ist mir so was von egal, was passiert, wenn ich tot bin. Es geht doch darum, in der Gegenwart zu leben.

FORMAT: Ihr Sohn Vincent ist nicht nur auf zahlreichen Porträts verewigt, er hat auch den Film „Five Hours“ über Ihre Arbeitsweise gedreht, der zeigt, dass Sie das Bild „January III“ in nur fünf Stunden fertiggestellt haben…

Katz: Ich kann nicht den ganzen Tag malen, wie es Picasso tat oder Willem de Kooning, das entspräche nicht meinem Temperament. Ich stelle auch nicht eine Arbeit weg und beginne später wieder damit. Ich arbeite gerne fokussiert und konzentriert. Meine Tage sind gut eingeteilt. Ich lebe da, wo ich arbeite, ganz nach traditioneller Bohemien-Philosophie. Einen Tag mache ich eine Skizze, am anderen eine Zeichnung und wieder an einem anderen eine komplette Leinwand. Ich bereite mich exakt vor und arbeite schnell. Ich arbeite sieben Tage die Woche, aber nicht 9 to 5.

FORMAT: Arbeiten Sie wirklich immer noch mit weißen Handschuhen?

Katz: Natürlich, ich will mir ja nicht meine Hände schmutzig machen. Man hat dann ewig dreckige Fingernägel. Es ist auch nicht gesund. Mit Handschuhen muss man sich keine Sorgen machen.

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