Kabarettist Thomas Maurer präsentiert sein neues Programm als Best-of aus 22 Jahren

Thomas Maurer residiert derzeit beinahe schon im Café Ritter, ein Interviewtermin jagt den anderen. Es könnt nicht besser laufen vor der Premiere des neuen Programms, das am 1. März im benachbarten Stadtsaal über die Bühne geht und mit Spannung erwartet wird.

Denn Thomas Maurer hat sich einen Namen gemacht und einen regelrechten Promifaktor erarbeitet. „Mittlerweile bin ich ein bekanntes Gesicht“, schmunzelt er, „sogar wenn ich mir in einem Dorf in der Steiermark eine Käsesemmel kaufe.“

Seine Einstellung zum Beruf ist pragmatisch geblieben: „Ich finde das achtbar, was ich bisher gemacht habe.“ Zuletzt war er gemeinsam mit Florian Scheuba und Robert Palfrader mit der Lesung der „Meischberger-Protokolle“ höchst erfolgreich. An die 3.000 Zuhörer haben sich in und vor dem Audimax gedrängt, um der nahezu Hamlet’schen Frage „Was woa mei Leistung?“ zu lauschen. „Wir haben die Geschichte für ausreichend skandalös gehalten und den Eindruck gehabt, dass das amtlicherseits nicht mit allem Nachdruck verfolgt wird. Daher wollten wir der Causa zusätzliche Wahrnehmung verpassen. Und das ist ganz gut gelungen.“ Wie vieles, was Maurer in den letzten Jahren in Angriff genommen hat.

Seit 1988 ist der 44-jährige Wiener im Unterhaltungsbusiness. Damals war Karriere für den angehenden Buchhändler, der bei einem Kabarett-Nachwuchswettbewerb durchstartete, noch ein „Pfui-gack- Wort“. „In Schreibhandwerk und Themenqualität waren die ersten Programme nicht immer optimal, aber ich hab ma nix g’schissen, und der juvenile Elan hat wohl überzeugt“, blickt er heute gelassen auf seine Anfänge zurück. In den 90er-Jahren hat Maurers Ruhm auf gutem Niveau stagniert, er selbst noch eher zum „Alternativmainstream“ gehört. Das Programm „Zwei echte Österreicher“ mit Florian Scheuba brachte dann im Jahr 2000 eine Zäsur und eklatanten Publikumsanstieg. Heute, nach mittlerweile 13 Programmen, sind ausverkaufte Häuser schon vor der Premiere garantiert.

Der ideale Zeitpunkt also für ein Best-of-Programm. „Am Anfang ist natürlich die Idee gestanden, dass das eine kräfteschonende Zwischendurchübung ist“, gibt Maurer unumwunden zu. „Das hat sich aber natürlich nicht so erwiesen.“ Ob aus „Sputnik“ (1993) oder „Dschungel“ (1995) – in „Out of the Dark“ findet sich aus jedem Programm etwas, außer aus dem letzten, sehr erfolgreichen, „Áodílí“, über den Mühlviertler China-Gastarbeiter Siggi Gschwandtner.

Und wie hat der Kabarettist seine nostalgische Tour de force selbst erlebt? „Zum Teil konnte ich bei den Videos über meine eigenen vergessenen Pointen wieder lachen, einiges war befremdend, vieles würde ich heute anders machen. Wäre ich aber durchgehend nur begeistert gewesen, müsste ich wohl über meine Kritikfähigkeit nachdenken.“ Mehrfach wurden alte Programme durchgesehen und ein hoher Anteil neuer Dinge dazugefügt. In der Rahmenhandlung betritt Maurer als verbrauchter Austropromi die Bühne, dem einige unschöne Fauxpas – die man mittels gefakten YouTube-Videos und überraschender Gaststars belegt – einen Karriereknick beschert haben. Nun will er mit einem Best-of-Programm wieder Fuß fassen …

„Würde ich glauben, dass ich als Kabarettist die Welt verändern kann, wäre ich eher ein interessanter Fall als ein interessanter Künstler“, lautet ein Standardsatz des Kabarettisten. Er habe, was Humorverständnis betrifft, immer mit einem gewissen Fatalismus gearbeitet. „Ich habe mich immer – auch wenn das jetzt arrogant klingt – als Instanz genommen. Ich wollte und will Programme schreiben, die mir, auch wenn sie nicht von mir wären, gefallen täten. Wenn man ein satirisches Naturell hat, gibt es natürlich auch den unchristlichen Wunsch, jemandem eine aufzulegen, wenn einem etwa, wie aktuell, wegen der Asyl-Novelle die Leber überläuft.“

Nach dem Aus für das „Guglhupf“-Nachfolgemodell „Welt ahoi“ auf Ö1 ist Maurer gemeinsam mit Florian Scheuba und Robert Palfrader im letzten Planungs- und Verhandlungsstadium für ein neues ORF-Satireformat im Herbst. Bereits fertig ist die Verfilmung des Glavinic-Bestsellers „Wie man leben soll“, für die Thomas Maurer gemeinsam mit Regisseur David Schalko das Drehbuch geschrieben hat. Der Film kommt im Herbst ins Kino.

Außerdem ist der Vater zweier Kinder (17 und 2½ Jahre) ein obsessiver Gourmet und Weinexperte, der sein Wissen auch in Kolumnen im „A la Carte“-Magazin weitergibt. Und er kocht auch selbst leidenschaftlich und alltagstauglich: „Ich bin es, der in der Familie das warme Essen auf den Tisch stellt.“ Zur Demonstration hat er auch ein Best-of-Rezept parat, das fast keine Arbeit macht: „Ein gutes Huhn in einen Gefrierbeutel geben, mit etwas Wasser, Salz, Pfeffer, einem Buschen Rosmarin und Thymian über Nacht in den Kühlschrank legen. Dann Kräuter wegputzen, mit neuen Erdäpfeln in eine mit Öl ausgepinselte Pfanne ins Rohr, fertig. Saftiger als jedes andere Huhn und voll feiner Aromatik!“

– Michaela Knapp

Stadtsaal: „Out of the Dark“, ab 1. 3.

Nach 22 Bühnenjahren wagt Thomas Maurer einen Blick zurück und präsentiert ein Best-of-Programm. In „Out of the Dark“ steht er als verkrachter Austropromi auf der Bühne, der es noch einmal wissen will.
www.stadtsaal.com

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