Jüdisches Museum Neu: Ab 19. Oktober

Nach den Scherben zu Beginn ihrer Amtszeit präsentiert die neue Direktorin des Jüdischen Museums, Danielle Spera, nun ein komplett saniertes und neu konzipiertes Haus.

Dieses Regal müssen wir höher hängen!“ „Warum brennt hier das Licht noch nicht?“ „Da gibt es eine falsche Beschriftung! Auf dem Foto sieht man eine Bat-Mizwa und keine Bar-Mizwa!“ Trotz starker Grippe kann Danielle Spera beim Rundgang durch das neu gestaltete Jüdische Museum kaum innehalten, auch selbst Hand anzulegen. Jedes Detail muss stimmen. Immerhin geht es für die Neochefin des Hauses um den perfekten Neustart. Sie will nach den Turbulenzen rund um die im Zuge der Totalsanierung zu Bruch gegangenen 21 Hologramme mit einem „offenen, hellen, freundlichen Haus“ einen „lebendigen Ort für Vermittlung und Verständnis“ schaffen.

Zur Erinnerung: Im Juli 2010 übernahm die ehemalige ORF-Moderatorin die Leitung des von der Wien Holding finanzierten Jüdischen Museums. Mit dem Auftrag, das Haus breitenwirksamer zu verankern. Nachdem Spera die Außenstelle des Museums im Misrachi-Haus auf dem Judenplatz revitalisiert hatte, hat man sich im Haupthaus, dem Palais Eskeles in der Dorotheergasse, der Neukonzeption gewidmet. Im Laufe der umfassenden Sanierungsarbeiten sind Hologramme aus der Dauerausstellung zu Bruch gegangen.

Die von der ehemaligen Chefkuratorin des Hauses initiierte Debatte darüber löste aber eine Welle von Protesten und einen medialen Scherbenhaufen aus, der selbst die ORF-Intrigengeeichte Journalistin Spera fast sprachlos machte. Die Chefkuratorin verließ das Haus, ein neues vierköpfiges Kuratorenteam zieht nun an einem Strang mit der Direktorin, die künftig verstärkt auf Diskurs und Diskussion setzen will. „Ich hoffe, dass das neue Haus so viel Anklang findet, wie wir Herzblut hineingesteckt haben“, sieht sie der Eröffnung gespannt entgegen.

Alles ist erleuchtet

Der Neustart zeigt sich schon an der Außenfassade, mit einer Installation von Brigitte Kowanz, die das Wort Museum auf Hebräisch erleuchtet hat. Auch das Entree des barocken Palais präsentiert sich nun hell und offen, das alte Bodenniveau wurde wiederhergestellt, die Durchgänge nach den strengen Vorgaben des Denkmalamtes wieder geöffnet und die Infrastruktur im Haus vom Einbau neuer Aufzüge bis zur kompletten Erneuerung der Klima- und Haustechnik um 2,6 Millionen Euro modernisiert. Eingang und Kassenbereich sind nach der Sanierung zentral gelegen, auch das Café und die Buchhandlung von Dorli Singer wurden renoviert. Besucher, die sich über das jüdische Leben in Wien informieren wollen, können das nun an einem eigenen Servicedesk des Hauses, denn Vermittlung wird bei der neuen Museumsdirektorin großgeschrieben.

Das frühere Auditorium im Erdgeschoß hingegen fungiert jetzt als Ausstellungsraum. Hier steht vorerst die Erarbeitung der neuen Dauerausstellung im Zentrum. Nach internationalen Vorbildern soll anhand von sieben Fragen zur Sprache kommen, welche Erwartungen heute an ein Jüdisches Museum gerichtet werden. „Wer besucht heute überhaupt ein jüdisches Museum und mit welchem Interesse? Kann man die Schoa begreifen dürfen, wollen, sollen, können? Gleichzeitig können Besucher in rabbinischer Tradition Fragen stellen.

Auch die Sammlungen selbst werden neu präsentiert, wie Spera im Schaudepot erläutert: „Wir haben die Schätze des Jüdischen Museums kontextualisiert, das heißt, wir stellen sie in einen Zusammenhang: mit den Orten, aus denen die Objekte stammen, den Synagogen oder den Sammlern.“ Neben der Sammlung der Israelitischen Kultusgemeinde werden vor allem die Privatsammlungen Eli Stern, Max Berger oder Martin Schlaff vorgestellt. Der österreichische Unternehmer übergab eine Antisemitica-Sammlung von ca. 5.000 Objekten.

Judentum modern erlebbar machen

Im Atelier des Hauses hat Spera Raum geschaffen für Objekte, die durch den jüdischen Lebenszyklus führen: von der Beschneidung über das koschere Leben bis zum Tod. Damit will man BesucherInnen den jüdischen Alltag näherbringen, für neue Publikumsschichten „Judentum erlebbar machen“ und die „Schwellenangst nehmen“. Denn das Interesse an den Bräuchen und dem Leben der Juden Wiens sei so groß wie die Wissenlücken dazu, meint die 54-jährige Politikwissenschaftlerin.

Viel zu selten wage es aber jemand, direkt nachzufragen. Spera, selbst dreifache Mutter, sieht in der Jugend ihre Kernklientel, sie will sich in Zeiten starker Migrationsbewegungen vor allem an Schulklassen wenden. „Das Jüdische Museum wird sich auch stark an ein nicht jüdisches Publikum wenden, denn die jüdische Gemeinde kennt ja ihre Feiertage und die Sammlungen des Hauses.“ Sie wird sich daher eher zu Wechselausstellungen und Events einfinden. Zur Eröffnung des Hauses, das ab 19. 10. zugänglich ist, ist auch gleich die erste Schau zu sehen: „Bigger Than Life – 100 Jahre Hollywood“ widmet sich den meist jüdischen Gründern der großen US-Filmstudios und wirft einen Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik. Zu sehen sind Filmplakate und Exponate, wie ein Sessel aus Rick’s Café Américain aus dem Film „Casablanca“.

– Michaela Knapp

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