Jenseits von Eden

Darüber, ob Rolf Eden ein rebellierender Pubertierender war, geben seine jüngst erschienenen Memoiren "Immer nur Glück gehabt - Wie ich Deutschlands bekanntester Playboy wurde“ nicht wirklich Auskunft.

Jenseits von Eden

Dafür erinnert sich der heute 82-Jährige, der vor wenigen Monaten zum "peinlichsten Berliner“ gewählt wurde, gerne an ein prägendes Erlebnis mit seinem Vater zurück. Der zog weiland den 14-Jährigen, als nicht mehr zu verbergen war, dass dessen Lendenlust eine wohl unstillbare sein wird, konspirativ zur Seite und eröffnete ihm: "Hör zu, bevor du jetzt bald in irgendeinen schlechten Puff gehst, nehme ich dich lieber mal in einen gescheiten mit!“

Der Grundstein für eine außergewöhnliche Playboy-Karriere mit einem überbordenden Maß an erzählenswerten Geschichten war also gelegt. Oder, um eine noch saftigere Metapher zu bemühen: Der Samen war gepflanzt. Verstreut wurde der in den ersten Jahren von Eden, der in Berlin als Rolf Sigmund Sostheim das Licht der Welt erblickte, in Israel. Dorthin emigrierte nämlich Edens Familie 1933 nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland.

Blutjung kämpfte er im israelischen Befreiungskrieg in der Elitetruppe Palmach, schon bald nach Kriegsende spürte Eden, gerade frisch Vater geworden, den Drang, den jungen Staat zu verlassen.

Big in Berlin

Es folgten Playboy-Lehrjahre in Pariser Cafés, Varietés und Kneipen, um dann die Herrenjahre in Berlin zu erleben. In der Spreemetropole stieg Eden, stets adrett gekleidet, zum Nachkriegsnachtklubkönig auf. Er wurde zur Trademark, der es, ausgestattet mit einer gesunden Portion Charme, kräftig Selbstvertrauen, Marketinggeschick und Geschäftstüchtigkeit, verstand, ein kleines Partyimperium aufzubauen. In seinen Lokalen "Old Eden“, "New Eden“, "Big Eden“, dem "Eden Playboy Club“ oder seinem Kabarett "Schlüsselloch“ trafen sich der internationale Jetset, Berliner Lokalprominenz, ein bisschen Halbwelt und vor allem schöne, erlebnishungrige junge Frauen. Seine Lokale hat Eden mittlerweile alle verkauft. Dafür besitzt er Immobilien, die Geld in seine Kassa bringen. Über zwanzig Zinshäuser allein in Berlin etwa lässt der Lebemann in seinem Namen verwalten.

Mythos Authentizität

Mit viel Geschick kreierte Eden also seinen eigenen Mythos. Der Anzug vom egozentrierten Party-Erotomanen, der allzu gerne Geld und Lifestyle für sich sprechen lässt, scheint ihm dabei am besten zu stehen. Auch heute noch, wenn er sich als alternder Salonlöwe, stramm geliftet, schön blondiert und befreit von Tränensäcken, auf die Partypirsch begibt.

Dass dieser Mythos immer ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkt, ist der Lauf der Dinge. Dass gerade durch diesen Bruch in der Inszenierung ein skurriler Zauber von Erhabenheit entsteht, fasziniert aber nach wie vor. Warum auch nicht, Bob-Dylan-Konzerte sind ja üblicherweise auch gut besucht.

So gibt der alternde Filou, der sich übrigens rühmt, das Wort "abschleppen“ für einen gelungenen Aufriss im deutschen Wortschatz verankert zu haben, in seiner Biografie unterhaltsame Lebenseinblicke. Allerdings auch Lebensweisheiten mit nicht zwingender Tiefenschürfe und Abschlepptipps, die beim eierlosen Mittelmaß wohl ohnehin nicht funktionieren. Amüsant wird es insbesondere dann, wenn es in irgendeiner Form um erotische Eroberungen geht.

Übers Wochenende schnell nach Cannes, St. Tropez oder Paris? Kein Problem Schnuppi, steig ins Cabrio, Klamotten und Zahnbürste shoppen wir dort, ist eh viel lustiger, denn das Leben ist "fantastico“, manchmal auch "molto fantastico“. Wie nah man sich kommt, wird im Kalender notiert: "14. Juli 1978: Paris, Concorde La Fayette, Amy Lee aus Hollywood, ohne Gummi!“ Das muss man nämlich wissen, um sich bereits im Vorfeld dieses lästige Vaterschaftsprozedere zu ersparen. Und sollte doch mal ein Treffer versenkt worden sein? "Denk gar nicht einmal im Entferntesten daran, dass ich jemals auch nur eine Windel wechseln werde.“

Eine gewisse Offenheit und Direktheit hat Eden also immer gepflegt. Er gaukelte seinen Damen nichts vor, man wusste im Vorfeld also immer ums Gesamtpaket Bescheid.

Damit dies alles nicht zur vollkommen Ego-Show mutiert, kommt auch Edens engstes Umfeld zu Wort. Seine einzige Tochter Irit zum Beispiel oder seine ehemalige Geliebte Uschi Buchfellner, die als erstes deutsches Playmate im amerikanischen "Playboy“ war, oder einer seiner sechs Söhne. Sie rücken einiges wieder gerade und offenbaren - trotz oft harscher Kritik an seiner Person - einen meist großzügigen Menschen, der nur geliebt werden will. Sicher sind sie sich aber nicht.

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