James Last - Der Big-Band-Kaiser feiert ein Revival

James Last - Der Big-Band-Kaiser feiert ein Revival

"Happy Sound“-Kaiser James Last ist unermüdlich. Mit 84 Jahren geht der deutsche Bandleader nochmals auf Tour. Vielleicht die letzte? Eine kleine Würdigung.

James Last hat Schmäh. Der Großmeister des Easy Listening, der in gut einem Monat seinen 84. Geburtstag begeht, geht wieder einmal auf Konzerttour. Die wievielte, weiß der Bremer selbst nicht mehr so genau. In fast 70 Jahren Musikgeschäft häuft sich ein erkleckliches Sümmchen an Konzerten und Reisen an. "Es könnte aber durchaus die letzte Tournee sein, darum hab ich sie auch die ‚LAST Tour‘ getauft.“

An Selbstironie mangelt es dem Grandseigneur der Big-Band-Klänge, der mit seinem "Happy Sound“ das Nachkriegsdeutschland prägte, nicht. Schön eingängig, beständig innovativ in Form und Aufnahme, aber nicht unbedingt mit aufwieglerischem Nachdruck, machte er eine verknöcherte, verspießerte Gesellschaft auf Popmusik aufmerksam. Anzug statt Jeans. Fingerschnippen statt Mittelfinger. In Spitzenjahren pulverte der Komponist bis zu acht Alben im Jahr raus und machte bis zu 30 Prozent des Gesamtumsatzes für seine Plattenfirma Polydor. Mit der ist er übrigens seit 50 Jahren verbandelt.

Swing dein Ding

James Last, der eigentlich mit Vornamen Hans heißt, aber zwecks besserer Vermarktung von seiner Plattenfirma, ohne gefragt zu werden, zum James umbenannt wurde, ist eine Output-Maschine. So sehr, dass es niemanden wundert, wenn plötzlich wieder verschollenes Material auftaucht, wie vor kurzem mit dem "American Album“ geschehen. Was man trotz Riesenoutput merkt: Der Orchesterleiter Last hat Spaß an seinem Tun. "Ich hatte Glück, Musik ist für mich keine Arbeit, sie ist mein Leben“, sagt er ohne Spur von Koketterie. Braucht er auch nicht, bei über 80 Millionen verkauften Tonträgern.

War auch Revolutionäres unter dem Eingängigen? Durchaus. Er coverte die Beatles, als den vier Herren aus Liverpool abseits der Jugendkultur großes Misstrauen entgegenschlug. Er erfand mit seinen Nonstop-Alben den modernen Disco-Mix und bereiste für eine ausgedehnte Tour auch die ehemalige Sowjetunion. Durchaus ein Krampf, wie Last, der mittlerweile seit Jahrzehnten in Florida lebt, erzählt. "Die Zensoren drehten uns bei den ‚falschen‘ Nummern immer den Strom ab. Einem Saalaufpasser hab ich dann einmal nach einem Auftritt ein Album geschenkt. Er strahlte über beide Backen. Was er nicht wusste - in der Plattenhülle war eine Aufzeichnung einer Rede von Leonid Breschnew.“ Subversion à la Last. Da passt es ins Bild, dass seine Tanzmusik gerade von der partywütigen russischen Jugend wiederentdeckt wird.

Generation Hansi

Das kommt nicht von ungefähr. Vor dem Musiker und vor allem dem sehr unaufgeregten Menschen Hans Last, der "immer ein Ohr an den aktuellen Charts hat“, verneigen sich die großen Pop-Artisten der Gegenwart. Quentin Tarantino adelte den Deutschen, indem er seine berühmte Panflötenmelodie "Der einsame Hirte“ auf den Soundtrack zu "Kill Bill“ hievte. Die gleiche Nummer knöpfte sich auch Rapper und Wu-Tang-Clan-Mastermind RZA vor, der sie fürs Album "They call me Hansi“ durch den Sample-Fleischwolf drehte.

Das Album war 2004 als generationsübergreifende Würdigung gedacht, der sich Künstler wie Jan Delay und Tom Jones anschlossen. Überhaupt, wenn es um Generationen geht, ist Last der richtige Ansprechpartner: Sein Orchester - 40 Musiker, aus allen Teilen der Welt - ist altersmäßig gut durchmischt. Wobei Chef Hansi schon in den Sechzigern hohe soziale Standards bezüglich Mitarbeiterführung anlegte und nach wie vor großen Wert auf Teambuilding legt. "Nur zwei sind von Anfang an dabei, die sind aber jünger als ich“, ist Last durchaus stolz, dass er als Oberhaupt agiert. Sein Publikum jedenfalls sei nicht zwangsläufig in der hochbetagten Liga zu finden, wie der bald 84-Jährige entspannt lächelnd erklärt.

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