J. K. Rowlings erster Roman für Erwachsene

J. K. Rowlings erster Roman für Erwachsene

Am 27. September erscheint der erste Roman für Erwachsene von Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling. Im Vorfeld herrschen Geheimniskrämerei und ein riesiger Medienhype.

Erinnert sich eigentlich noch irgendjemand an die Anfänge von Joanne K. Rowling als Schriftstellerin? Damals, im Jahr 1997, erschien der erste Band ihrer siebenteiligen Harry-Potter-Serie - "Harry Potter und der Stein der Weisen“ - in einer Startauflage von nicht mehr als 1.000 Stück. Davor hatte ein Dutzend Verlage, deren Programmchefs sich vermutlich bis heute jeden Tag aus Reue selbst geißeln, das Manuskript um den bebrillten Zauberlehrling abgelehnt. Für eines der raren Exemplare der Erstauflage zahlen Sammler inzwischen jedenfalls bis zu 40.000 Euro. Und das ist nur einer von vielen verblüffenden Rekorden, die sich seither um Joanne K. Rowling und ihre siebenteilige Harry-Potter-Buchserie aufgetürmt haben.

Ein paar Beispiele gefällig? Die 47-jährige Britin ist der erste Mensch, der es je mit dem Schreiben von Büchern zum Milliardärsstatus gebracht hat. Aktuell hält sie mit einem geschätzten Privatvermögen von einer Milliarde Dollar auf der "Forbes“-Liste der Superreichen der Welt Platz 1.140. Von ihren Büchern wurden bisher weltweit über 450 Millionen Stück verkauft. Band sieben und Band sechs der Potter-Serie können außerdem für sich verbuchen, die am schnellsten verkauften Bücher aller Zeiten zu sein: Am Erstveröffentlichungstag gingen davon elf bzw. neun Millionen Exemplare über den Ladentisch - innerhalb von 24 Stunden. Dass laut einer Umfrage jeder zehnte Deutsche ab 14 Jahren bei Erscheinen des Schlussbandes 2007 alle Potter-Bände gelesen hatte, erscheint angesichts dessen nur folgerichtig. Ebenso der Umstand, dass die "New York Times“ sich zweimal zur Umgestaltung ihrer Bestseller-Liste gezwungen sah, weil die Potter-Titel über Jahre die Top Ten blockierten.

Goldesel streck dich

Da darf es nicht weiter wundern, dass die, die Rechte an diesem Goldesel halten, diese Rechte mit Zähnen und Klauen verteidigen und auf eine tausendfach erprobte Erfolgsstrategie setzen: mauern, was das Zeug hält, und gleichzeitig die gierig lechzende Rowling-Fan-Gemeinde sowie die Medien mit wohl dosierten Informationshäppchen bei der Stange halten.

Jedenfalls zeigt der Hype um Joanne K. Rowlings neues Buch schon im Vorfeld seines Erscheinens am 27. September mehr als nur leicht hysterische Züge. Demgegenüber beschränkt sich das Faktische auf wenige Vorab-Infos. Deutscher Titel des Buchs: "Ein plötzlicher Todesfall“, im englischen Original "The Casual Vacancy“. Seitenzahl: 600. Ort der Handlung: eine vermeintlich idyllische englische Kleinstadt, in der der plötzliche Tod eines Mannes namens Barry Fairbrother und das nachfolgende Ringen um seinen Gemeinderatssitz einen veritablen Flächenbrand auslösen.

Außerdem: Es wird Rowlings erster Roman für Erwachsene. Zumindest wird er als solcher beworben. Dabei wird elegant unter den Tisch gekehrt, dass auch schon die Harry-Potter-Serie als für alle Lesergenerationen geschriebene "All-Age-Literatur“ vermarktet wurde und einige Bände parallel in einer Kinder- und einer Erwachsenen-Ausgabe erschienen. Unbestritten hingegen: Seit Erscheinen des ersten Potter-Bandes vor 15 Jahren ist Rowlings Hauptleserschaft dem Kinder- und Teenageralter entwachsen und mit Mitte 20 bereit für einen Erwachsenen-Roman aus der Feder ihrer Lieblingsautorin.

Vorabexemplare für Rezensenten gibt es keine. Auch die deutschen Übersetzer mussten in London arbeiten, weil das Originalmanuskript des Buchs aus Sicherheitsgründen "ausschließlich in den Räumen des englischen Verlags zugänglich ist“ - so eine Presseaussendung der Verlagshäuser Carlsen und Ullstein, in denen die Hardcover- bzw. die spätere Taschenbuchausgabe des neuen Rowling-Titels auf Deutsch erscheinen wird.

Damit hat Carlsen noch Glück gehabt: Die deutsche Übersetzung darf zeitgleich mit der englischen Originalausgabe erscheinen, tags darauf - am 28. September - folgt die französische Übersetzung. Pech dagegen haben die Verlage, die Rowlings Bücher in Italien, Finnland und Slowenien verlegen. Laut Aussage von Rowlings Agentur The Blair Partnership gelten diese Länder als Hochrisikogebiete für Piraterie, und man wolle vermeiden, "dass das Manuskript durchsickert“. Mit einem Wort: ein veritabler Buch-Krimi!

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