Investieren in junge Kunst – Rising Stars bei der ViennaFair

Investieren in junge Kunst – Rising Stars bei der ViennaFair

Mit seinen symbolträchtigen Arbeiten sorgte der 43-jährige Pakistani Imaran Qureshi heuer bei der Venedig-Biennale für Aufsehen. Eine Schau im Museo d‘arte contemporanea in Rom, eine Außeninstallation für das Metropolitan Museum in New York und eine Nominierung von der Deutschen Bank zum "Künstler des Jahres 2013“ taten das Übrige: Die Preise für Imaran Qureshis Arbeiten stiegen rapid, die Kunstwelt wurde aufmerksam - und schon ist der Maler aus Pakistan the next big thing to buy. Das heisst, Vernissagen-Elite und Großeinkäufer, die Kunst nach Listen und Hipness-Faktor sondieren, versammelten sich, um einander die Beutestücke wegzuschnappen.

Kunstwerke sind zur Markenware geworden, bedienen nicht nur Aspekte der Freude oder der intellektuellen Herausforderung, sondern vor allem des Prestige. Wer heute was auf sich hält, der sammelt Kunst oder zeigt zumindest Kennerschaft. Dass Glanz und Glamour sowie die Höhe der Preise dabei längst mehr Rolle spielen als die Kunst selber, lässt zunehmend Kritik am System laut werden: So war der russische VIP-Einkäufer Roman Abramowitsch nicht umsonst eine der geschmähtesten Figuren des heurigen Kunst-Sommers: Er stand im Zentrum des britischen Biennalebeitrags gegen Großmannsucht von Jeremy Deller und wurde zudem literarisch in Erwin Wurms Wortskulptur über die neuen, geschmacklosen "Ich-kauf-mir-alles-auch-dich“-Sammler verewigt.

Zwischen Show und Qualität

Andererseits ist der Hype um die zeitgenössische Kunst durchaus ein Markt-Motor. Denn Kunst ist ein Business, und der Betrieb nimmt das Geld natürlich gerne in Empfang. Der Grat zwischen notwendigem Brimborium und Qualitätssicherung ist schmal: Ein Dilemma, dessen sich auch Christina Steinbrecher-Pfandt und Vita Zaman, künstlerische Leiterinnen der "ViennaFair The New Contemporary“ durchaus bewusst sind (vom 10. bis 13. Oktober in der Halle A der Messe Wien). Dennoch, so die beiden einhellig, sei die Lage in Wien anders: "Österreich hat am internationalen Kunstmarkt leider nicht die Präsenz, die man von einem Land mit dieser außergewöhnlichen Kunstgeschichte und dem wirtschaftlichen Wohlstand erwarten würde.“ Hier gelte es daher, noch mehr Leute in die Kunstszene einzubinden und für das Thema zu interessieren. Demgemäß setzt auch die heurige Ausgabe der Messe, die seit dem Sommer zu 70 Prozent unter der finanziellen Ägide des Moskauer Immobilienmagnaten und Multimillionärs Dmitry Aksenov steht, auf viele Sonderevents und ein dichtes Rahmenprogramm, um neue Käuferschichten für zeitgenössische Kunst zu begeistern. Es gelte, so Steinbrecher-Pfandt, ein sehr diverses Publikum anzusprechen: vom informierten Sammler über den engagierten Kunstliebhaber bis zum interessierten Laien. Für alle habe man unterschiedliche Zugänge: Denn, so ihre Kollegin Zaman ergänzend: "Eine neue Käuferschicht wächst natürlich nicht innerhalb eines Jahres, das ist ein Prozess. Man muss Leute auch zum Kunstkauf heranbilden, erziehen und ihr Vertrauen in den Betrieb aufbauen.“

Die lebendige heimischen Kunstszene wird heuer in der ZONE1 mit Einzelpräsentationen junger aufstrebende Talente wie Sofia Goscinski (Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz) oder Jochen Höller (bei Mario Mauroner Contemporary Art Salzburg/Wien) präsentiert. Daneben setzt man vor allem auf junge Galerien aus Ost- und Südosteuropa. Die OMV weitet ihren Fokus in diesem Jahr von der Türkei auf Rumänien und die junge Kunstszene in der Kaspischen Region aus. Weiters werden Georgien und Polen als Länderschwerpunkte präsentiert.

Dabei ist die junge polnische Szene durchaus ein Investmentmenttipp für junge Kunstsammler: Hier könne man, so Messeleiterin Zaman, schon ab 2.000 Euro zukünftige Aufsteiger kaufen. "Vielleicht kennt man den Namen des jeweiligen Künstlers hierzulande noch nicht, und auch die Namen der Galerien mögen noch nicht so klingend sein, aber man sollte wissen: diese Positionen wurden für die ViennaFair ausgesucht, sind daher also gut“, zeigen sich Christina Steinbrecher-Pfandt und Vita Zaman überzeugt.

Von Sammlern lernen

Einen lohnenden Messe-Programmpunkt für angehende Sammler liefert der deutsche Kurator Rainald Schumacher: Er lädt unter dem Titel "20 four 7 - Collecting The New Contemporary“ zu Gesprächsrunden mit einigen der derzeit bedeutendsten SammlerInnen von zeitgenössischer Kunst und bietet derart Einblicke in individuelle Modelle von Sammlungskonzepten und Initiativen zur Förderung der Kunst. Mit dabei sind u.a. der Berliner Thomas Olbricht, Gaby und Wilhelm Schürmann aus Aachen, aber auch Privatsammler aus Bukarest wie Razvan Banescu; oder Saruhan Dogun aus Istanbul, wo gerade von privater Hand viel Engagement in den Aufbau einer Kunstszene geleistet wird. Für den Markt-Experten Schumacher ist es immer noch ein großer Schritt vom Käufer zum Sammler. "Ich verstehe unter Sammlern Persönlichkeiten, die mit der Kunst leben, für die Kunst wichtiges Element ist, um ihr Verständnis von der Realität zum Ausdruck bringen, und die durch ihre lange Beziehung zu Künstlern und Werken selbst zu Experten werden.“

Wie jedes Investment ist natürlich auch jenes in zeitgenössische Kunst nicht ohne Risiko. Garantien, dass ein junger Künstler später auch im Wert steigt und in seiner Karriere gut performt, gibt es keine. Umso eingehender, so der Experte, sollte man sich mit der Szene beschäftigen: "Das Wichtigste ist, den eigenen Augen und dem Bauchgefühl zu vertrauen. Daher gilt: Schauen Sie sich so viele Ausstellungen wie möglich an! Studieren Sie Kataloge und Fachliteratur, reden Sie mit Experten wie Sammlern, Künstlern, Galeristen, Ausstellungsmachern. Und bilden Sie sich dann eine Meinung von dem, was sie sammeln möchten. Eine eigene Sammlung beginnt allerdings erst dann, wenn man einen Künstler über längere Zeit verfolgt, sich selbst bestimmte Kriterien setzt und einen Kontext sucht. Die inhaltlichen Verknüpfungen machen da mehr aus als die Quantität der Arbeiten.“ - Aber natürlich sei es, so Schumacher, "in unserem gegenwärtigen Wirtschaftssystem durchaus legitim, wenn man etwas für 100 Euo einkaufen und in Kürze um 200 Euro wieder verkaufen kann, das auch zu versuchen. - Mit Kunstsammeln hat das aber nichts zu tun.“

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