Interview mit Volks Rock'n'Roller Andreas Gabalier: "Neid lässt mich kalt"

Spätestens seit Andreas Gabalier im Juni beim Formel 1 Grand Prix in Spielberg das Land als "Heimat großer Söhne" besungen und dabei auf die Töchter vergessen hat ist er der bekannteste Musiker des Landes. Gabalier hat die Sympathien vieler Heimatverbundener. Dabei denkt auch er im Interview mit FORMAT-Redakteurin Angelika Kramer darüber nach, Österreich aus Steuergründen zu verlassen.

Interview mit Volks Rock'n'Roller Andreas Gabalier: "Neid lässt mich kalt"

FORMAT: Sie haben mit 29 Jahren alles erreicht, was man als Musiker erreichen kann. Haben Sie eigentlich noch Ziele?

Andreas Gabalier: Um es mit Hornbach zu sagen: Es gibt immer etwas zu tun. Nein, im Ernst: Ich möchte auch einmal ganze Stadien füllen.
Manager Klaus Bartelmuss: Hast du doch eh schon einmal in Singapur. Singapur steht nächstes Jahr wieder auf dem Programm. Außerdem verhandle ich gerade mit New York und Shanghai wegen Konzerten im nächsten Jahr.

Was, würden Sie sagen, war bislang Ihr größter Erfolg?

Gabalier: Dass ich die Volksmusik-Ecke verlassen habe und nun mit dem Volks- Rock-'n'-Roll etwas komplett Eigenständiges mache. Und dass vom Jugendlichen bis hin zum Senioren alle zu meinen Konzerten kommen.

Wo ist das Publikum am schwierigsten mitzureißen?

Gabalier: Das war sicher in Singapur. Den ersten Abend musste sich das Publikum an mich gewöhnen, am zweiten sind sie aber schon richtig mitgegangen.

Welche Rolle spielt der Verdienst, wenn Sie vor Tausenden Leuten auf der Bühne stehen?

Gabalier: Bei Konzerten gar keine. Geld ist eine angenehme Nebenerscheinung. Aber man darf auch nicht vergessen, ich habe viele Jahre für fast nichts gespielt, ehe ich ab 2012 mit meiner ersten Tournee richtig verdient habe. Ich habe erkannt, dass man erst merkt, was man alles nicht braucht, wenn man viel Geld verdient.

Was machen Sie denn mit Ihrem Geld?

Gabalier: Ich habe mir bei Graz ein Grundstück mit Haus gekauft, das ich umbauen ließ. Und vielleicht kaufe ich mir jetzt doch einmal ein neues Motorrad. Meines ist schon sechs Jahre alt. Das wäre so eine nette kleine Belohnung für die harte Arbeit.
Manager Bartelmuss: Das werden wir noch sehen. Wir wollen ja nicht, dass dir etwas passiert.

Sie haben auch einmal gesagt, Sie würden selbst in Aktien investieren. Immer noch?

Gabalier: Ich denke, das geht die Öffentlichkeit nichts an.

Haben Sie schon einmal überlegt, Ihren Wohnsitz aus steuerlichen Gründen ins Ausland zu verlagern?

Gabalier: Bis jetzt noch nicht. Aber wenn ich so etwas wie Reichensteuer höre, könnte das schon ein Thema werden.

Spenden Sie auch Geld an Bedürftige?

Gabalier: Ja, natürlich. Aber das hänge ich nicht an die große Glocke.

Spüren Sie so etwas wie Neid von alten Freunden oder Konkurrenten?

Gabalier: Ich habe fünf Freunde, die habe ich zum Teil schon seit dem Kindergarten. Die sind bestimmt nicht neidisch und unterstützen mich und freuen sich mit mir. Und Neid der Konkurrenz lässt mich ziemlich kalt. Wenn man beneidet wird, weiß man, dass man erfolgreich ist.

Hat Ihnen die Diskussion über die Bundeshymne eher geschadet oder geholfen?

Gabalier: Sicher geholfen. Mich reden Leute an, die mit meiner Musik nichts anfangen, aber mir jetzt ihre Sympathie wegen der Bundeshymne bekunden. Vor allem Frauen!

Stört es Sie, dass HC Strache Sie vor seinen Karren spannt?

Gabalier: Das tut er ja nicht. Wir haben auch klargestellt, dass er uns nicht für Werbung verwenden darf.

Haben Sie jetzt vor, sich öfter in die Politik einzubringen?

Gabalier: Nein, wirklich nicht!

Ihre GmbH führt als Unternehmensgegenstand auch Gastronomie an. Wollen Sie unter die Wirte gehen?

Gabalier: Es gibt da Visionen in die Richtung. Es gibt Gespräche, dass wir etwas in die Gastro-Richtung machen. Aber momentan geht es zeitlich nicht.

Wie läuft Ihre eigene Trachtenkollektion?

Gabalier: Sensationell. Wir kommen mit dem Produzieren nicht nach. Ich habe mir gerade die Frühjahrskollektion angeschaut. Die gefällt mir noch besser als die Herbst-Winter-Kollektion. Sie ist flippiger.

Würden Sie nächstes Jahr beim Song Contest mitmachen wollen?

Gabalier: Nein, teilnehmen möchte ich sicher nicht. Ich will mir ja nicht selbst ein Haxl stellen, bei mir läuft es momentan zu gut. Außerdem, denke ich, ist der Song Contest politisch gelenkt.

Als Testimonial treten Sie fast nie in Erscheinung. Warum nicht?

Gabalier: Wenn man zu oft dabei ist, schadet man sich nur selber. Aber es gibt jetzt ein paar ganz große Anfragen. Das eine oder andere Werbeprojekt wird also wahrscheinlich nächstes Jahr dazukommen.

Wurmt es, dass Ö3 Ihre Lieder nie spielt?

Gabalier: Ganz im Gegenteil. Was in Ö3 als Hits verkauft wird, hat mit den Wünschen der Hörer nichts zu tun. Es ist für mich ein großer Segen, dass ich dort nicht gespielt werde. So können die Lieder auch nicht so schnell abgenutzt werden.

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