Interview mit Regisseur Dornhelm: "Ich hätte dafür gezahlt, mit Netrebko zu arbeiten"

Regisseur Robert Dornhelm über eine uneitle Diva und die Tücken, die ein Opernstoff fürs Kino birgt.

Format: Wie ist es Ihnen mit Anna "Superstar" Netrebko gegangen? Hat Sie sich gut von Ihnen führen lassen?
Dornhelm: Es war ein Vergnügen! Anna Netrebko ist ein Vollprofi, sehr lustig und offen. Im Vergleich zu Filmschauspielern hat sie wirklich null Eitelkeiten.
Format: Die Vitalität am Set ist zu spüren. Selbst die Sterbeszene der tuberkulosekranken Mimì ist ein Augenschmaus.
Dornhelm: Es war Annas großer Wunsch, die Sterbeszene nicht wie bisher zugedeckt, hüstelnd und vom Tod gezeichnet zu spielen. Sondern als Frau und Liebende, deren Lebenstrieb noch einmal aufblüht. Auch mit Dekolleté. Sie war während des Drehs schwanger, ihr Busen größer, sie stolz darauf.

"Pläne wie für MTV"
Format: Wie sehr haben sich Netrebko und Rolando Villazón beim Opern-"Newcomer" Dornhelm in die Inszenierung eingebracht?
Dornhelm: Nur in die Interpretation ihrer Rollen. Zur Inszenierung selbst meinten sie: Wir haben volles Vertrauen in dich. Es scheint viel hierarchischer in der Oper zuzugehen als auf dem Filmset - dem Regisseur unterwirft man sich.
Format: Sie suchen keine großen Experimente beim Bühnenbild, auch wenn die Kamera die Möglichkeiten des Raums lustvoll auslotet. Absicht?
Dornhelm: Einige warfen mir vor, dass ich zu konventionell geblieben bin. Tatsächlich hatte ich ursprünglich Pläne wie für MTV. Die Mansarde als Kathedrale, schnelle Schnitte, sogar die Akteure vor Greenscreen, also im leeren Raum, spielen zu lassen. Doch da fehlte einfach das Feuer. Ich habe diese Pläne sukzessiv fallen lassen. Es geht letztlich um die Liebenden, um Emotion. Darauf konzentriert sich mein Film.

Keine Aids-kranke Mimì
Format: War eine Neuinterpretation des Stoffs je Thema für Sie?
Dornhelm: Jemand schlug vor: Warum lassen Sie Mimì nicht an Aids sterben? Der Besagte ist einer der größten Opernmäzene des Landes, der auch viel Geld für die Staatsoper ausgibt. Also bitte … Ich denke, man muss Puccini ganz einfach treu bleiben.
Format: Vertragen sich Kino und Oper dennoch?
Dornhelm: Ich hätte sicherlich kein Sonnenlicht oder originale Schauplätze wie Paris toleriert, das wurde mir ja auch angeboten. Oper verträgt keinen Naturalismus, da würde man zu Recht fragen: Warum singen sich diese Figuren eigentlich an?

"Originalton wäre perfekt"
Format: Was braucht eine Oper im Kino?
Dornhelm: Perfekt wäre ein Originalton, aber den kann sich kein Mensch leisten. Eine Drehzeit von vier Monaten hätte auch kein Sänger der Welt. Wir haben Playback gedreht, ich habe die Akteure aber dennoch gezwungen, voll zu singen. Das spürt man einfach.
Format: Wie ist der Produzent Jan Mojto auf Sie gekommen?
Dornhelm: Ich hatte gerade den TV-Vierteiler "Krieg und Frieden" gedreht, als Mojto mich fragte, ob ich ihn bei einer Dokumentation über Karajan beraten könne. Ich habe daraufhin 3,5 Monate lang Karajan-Material gesichtet. Zum Vergleich: "Krieg und Frieden" war in zwei Monaten geschnitten. Mojto sprach mich dann während des vielen Opernschauens auf "La Bohème" an. Ich sagte, für den Job würde ich viel Geld zahlen.

"Hommage an Netrebko"
Format: Was wollten Sie mit dieser Operninszenierung?
Dornhelm: Ich wollte Anna Netrebko und Rolando Villazón ein Denkmal setzen, sie für immer auf Celluloid bannen.
Format: Hätte es das Projekt ohne Netrebko gegeben?
Dornhelm: Definitiv nicht. Es ist eine Hommage an sie und wird in vielen Ländern funktionieren. Davon bin ich überzeugt. Auch wenn damit sicherlich kein neues Opern-film-Genre geboren wird.

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