"Ich habe Lehrgeld bezahlt“

"Ich habe Lehrgeld bezahlt“

FORMAT: Sie sind als Galerist und Sammler spezialisiert auf chinesische Kunst. Sind Sie schon einmal auf eine Fälschung reingefallen?

Gary Ho: Nicht nur einmal. Es gab sogar Zeiten, da hatte ich regelrechte Pechstränen. Ende der Achzigerjahre erwarb ich einen großen Teil des Nachlasses des Künstlers Zhang Daqian. Es waren hunderte Werke. Und wie sich kurze Zeit später herausstellte, waren alle Fälschungen. Einige davon sogar nicht mal sonderlich gut gemacht. Da ärgert man sich natürlich. Aber das war nicht das letzte Mal, dass ich einer Fälschung aufgesessen bin. Sagen wir einfach, ich habe viel Lehrgeld bezahlt.

Wie lassen sich Fälschungen für Kunstsammler am besten erkennen?

Ho: Da gibt es leider kein Geheimrezept. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, eine chemische Analyse im Labor durchzuführen - doch die ist teuer und braucht viel Zeit. In der Praxis ist es wohl Erfahrung und Bauchgefühl. Doch das täuscht eben auch oft.

Ist das Problem mit Fälschungen in den letzten Jahren größer geworden?

Ho: Ja. Der chinesische Kunstmarkt boomt. Jeder ist auf der Suche nach alten Meistern - und gerade die lassen sich erstaunlich gut fälschen. Tuschezeichnungen sind da besonders anfällig. Aber auch bei Kunsthandwerk wie Porzellan und Figurinen ist das Fälschungspotential hoch. Ich schätze, dass bis zu 30 Prozent der Ware, die von renommierten Kunsthändlern angeboten wird, gefälscht ist.

Wer verdient an den Fälschungen?

Ho: In den seltensten Fällen sind es die Fälscher selbst. Meist sind schon die Reproduktionen Auftragswerke - manchmal werden die dann, beispielsweise nach dem Tod des Besitzers, von den Erben im Glauben verkauft, es handle sich ohnehin um Originale. Da wird es extrem schwierig, den Überblick zu bewahren. Es gibt aber auch ein organisiertes Fälschernetzwerk, das Reproduktionen im großen Stil anfertigt.

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