Hollywood: Im Zeichen des Spiegels

In den fünfziger Jahren, nicht zufällig zeitgleich mit dem Siegeszug des Fernsehens, entdeckte die amerikanische Filmindustie ein naheliegendes Objekt der Begierde – und zwar im Spiegel: sich selbst, Hollywood also, dessen helle und dunkle Facetten nun in vielen Produktionen der großen Studios eine Hauptrolle spielen sollten.

Die Filme

In Kooperation mit dem Jüdischen Museum Wien, das die Ausstellung 'Bigger Than Life' - 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung' zeigt, nimmt sich das Österreichische Filmmuseum selbstreferenzieller Kronjuwelen jener Selbstbespiegelung zwischen 1950-62 an. Der Bogen spannt sich thematisch vom heiteren Musical 'Singin' in the Rain' (Bild links: Gene Kelly) bis zum düsteren Noir-Meisterwerk 'Sunset Boulevard' von Billy Wilder – immer noch das amtliche Referenzwerk über Licht und Schatten im Land der unbegrenzten Träume. 19.1.-9.2.

Infos und Programm: www.filmmuseum.at

Die Ausstellung

Hollywood ist eine jüdische Erfindung. Als Wirtschaftsflüchtlinge erreichte eine Gruppe mittel- und osteuropäischer Juden Ende des 19. Jahrhunderts
den Hafen von New York. Nach Karrieren in der Textilindustrie, damals ein typisch jüdisches Gewerbe, und Jobs als Filmvorführer oder Kinobetreiber, erfanden Adolph Zukor, William Fox, die Warner Brothers, Luis B. Mayer und der Deutsche Carl Laemmle die Traumfabrik Hollywood. Warum eigentlich gerade Los Angeles? Das hatte praktische Gründe: Ideale Drehbedingungen (viel Sonne, abwechslungsreiche Landschaft) und reichlich Abstand vom genialen Erfinder Thomas Edison, der damals Film-Produktion- und Verleih diktierte und von allen Betreibern von Filmvorführungen bzw. Benutzern seiner Projektoren beträchtliche Gebühren verlangte.

In einer Ausstellung des Jüdischen Museum Wien (kompetent kuratiert von Werner Hanak-Lettner) sind Ausschnitte wesentlicher Filme dieser Frühzeit der großen Studios, sowie nie gezeigte Filmplakate, Original-Exponate und Requisiten jener goldenen Ära Hollywoods zu sehen: ein Sessel aus Rick's Cafe, die Harley von 'Easy Rider' Peter Fonda, der Baseball-Schläger aus Inglorious Basterds und einiges mehr. Bis 15.4.

Der begleitende Ausstellungskatalog 'Bigger Than Life' ist bei Berzt+Fischer erschienen. (29.90 €)

Informationen: www.jmw.at

Das Buch

Wer tiefer in das finstere Herz der Traumfabrik zu blicken geneigt ist, dem sei 'Hollywood Babylon' von Kenneth Anger ans Herz gelegt. Anger leuchtet darin - viele abstossende Bilder inklusive - die dunkle Seite der Starfabrik taghell aus: Mord und Selbstmord, Sucht und Perversion, Verbrechen und Sühne. Aber Achtung: nichts für schwache Nerven.

Kenneth Anger, Hollywood 1+2, Taschenbuch bei Zweitausendeins.

-Marko Locatin (FORMAT-Online)

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