Künstlerhaus: Haselsteiner ante portas

Kulturpolitik. Wenn alles klappt, wird Montag bei der Hauptversammlung des Künstlerhauses ein Sanierungskonzept des Unternehmers Hans Peter Haselsteiner beschlossen, das die Zukunft des maroden Hauses sicherstellt.

Künstlerhaus: Haselsteiner ante portas

Hans Peter Haselsteiner ist bereit für den Einstieg beim Künstlerhaus in Wien.

Alle bisherigen Missverständnisse sollten behoben sein, sagt Christa Zeitlhofer, Vizepräsidentin des Künstlerhauses und der Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler. Sie sieht der Abstimmung am Montag optimistisch entgegen. Seit Künstlerhaus-Präsident Michael Pilz und sein Geschäftsführer Peter Zawrel im Juli das mit Hans Peter Haselsteiner ausgearbeitete Sanierungskonzept für das marode Haus am Karlsplatz vorstellten, gingen die Wogen bei den 430 Mitgliedern des Künstlervereins hoch.

In dem Konzept erklärt sich Unternehmer Haselsteiner namens der Haselsteiner Familien-Privatstiftung bereit, die Renovierung des Künstlerhauses in der Größenordnung von 30 Millionen Euro sowie die künftigen Betriebs-und Erhaltungskosten zu finanzieren. Dafür beansprucht er im Gegenzug einen Teil der Ausstellungsflächen. Sogleich war seitens einiger Künstler von "Übernahme" und einem Verlust an Autonomie die Rede, wenn Haselsteiner Mehrheitseigentümer einer Immobilie mit solch immensem Wert werde. "Die Immobilie zweckentfremdet zu verwenden oder zu Geld zu machen, geht gar nicht", erklärt indes Peter Zawrel. Das ist vertraglich festgelegt im Schenkungsvertrag von 1865, wonach die Monarchie der Gesellschaft bildender Künstler das Grundstück zur Errichtung eines Künstler-Vereins und Kunstausstellungsgebäudes überließ.  

"Wenn man sich gegen die Lösung mit Haselsteiner entscheiden würde", so Zawrel pragmatisch, "wäre das absehbare Ende hier vorprogrammiert." Denn das unter Denkmalschutz stehende Haus ist ein baulicher Sanierungsfall, für den die Gesellschaft seit einem Jahrzehnt um Subventionen bettelt. Der Bund hat klargemacht, dass er sich für die Erhaltung des Gebäudes nicht zuständig fühlt, die Stadt Wien arbeitet seit zehn Jahren an einer Lösung. Ergebnislos.

Dank der neuen Vereinsleitung sei, so Zawrel, "eine Balance zwischen gesundem Wirklichkeitssinn und visionärem Möglichkeitssinn eingekehrt. "Ich denke, dass die Mehrheit der Mitglieder die Chance erkennt. Meine Vision ist, dass das Haus das aufregendste Veranstaltungsgebäude Wiens wird." Das ist auch im Sinne des "Retters" Hans Peter Haselsteiner.

FORMAT: Warum tun Sie sich den Sanierungsfall Künstlerhaus an? Geschäftssinn, der Wunsch, etwas zu hinterlassen, Liebe zur Kunst?
Hans Peter Haselsteiner: Geschäftssinn schließe ich aus, weil es ja kein Geschäft ist. Es geht um eine Stätte der österreichischen Kunst. Natürlich hat mein Einstieg in die Sammlung Essl vor einem Jahr mein Interesse am Künstlerhaus mitbewirkt, weil ich vom Standort des Essl Museums nicht überzeugt bin. Das ist auch der einzige Unterschied zwischen mir und Professor Essl, der natürlich an seinem Standort festhält. Ich habe nichts dagegen, wenn er das Museum dort weiterbetreibt. Aber die Sammlung ist eine bedeutende und würde auch einen Standort in Wien verdienen. Die Sammlung Essl war also die Initialzündung, wenngleich sie nicht der einzige Teil des Projekts ist.

Ursprünglich hieß es, Sie wollen im Künstlerhaus Kunst nach 1945 zeigen?
Haselsteiner: Jetzt liegt ein weiter gefasstes Projekt auf dem Tisch: Wir werden Kunst der Republik zeigen, also alles nach 1918. Wir werden am 1.9.2018 das revitalisierte Künstlerhaus eröffnen. Da wird auch die Republik 100 Jahre alt. Ich möchte aber vor allem ein Projekt vorantreiben, bei dem ich mir möglichst viele Partner wünsche: Ich möchte eine Datenbank der wesentlichen österreichischen Firmen- und Privatsammlungen anlegen, von Liaunig über Angerlehner, von der Wiener Städtischen bis zur Sammlung Essl. So kann man für Ausstellungen den vernetzten Bestand österreichischer Nachkriegskunst bis zur Tagesaktualität abfragen. Das wäre ein bedeutender Step.


Ich bin dort wie da Erfüllungsgehilfe

Das heißt, Sie werden im Künstlerhaus große Personalen zeigen, Themenschauen planen, aber auch ganze Sammlungen präsentieren?
Haselsteiner: Da möchte ich niemandem vorgreifen, ich plane eine Zusammenarbeit mit der Albertina und Klaus Albrecht Schröder, der durchaus Interesse an einem zweiten Standort hat. Und ich brauche einen starken Museumspartner.

In Erl sind Sie Festspielpräsident, was werden Sie im Künstlerhaus sein?
Haselsteiner: Ich bin dort wie da Erfüllungsgehilfe. Im Künstlerhaus wird die Haselsteiner Familien-Privatstiftung Miteigentümer einer gemeinsamen Besitz-und Betriebs-GmbH namens Künstlerhaus sein. That's it.


Letztendlich bleibt natürlich über, dass man sagen muss: Ihr habts nix beigetragen, schämts euch.

Wie sind die Ausstellungsflächen zwischen der Stiftung und dem Verein aufgeteilt?
Haselsteiner: Auch da gibt es einen exakten Plan. Das Erdgeschoß wird, abzüglich der Büroräume, von der Stiftung bespielt, das gesamte Obergeschoß bleibt dem Verein und ich werde ohne Einladung keinen Fuß dorthin setzen.

Sie helfen damit auch Stadt und Bund aus der Bredouille, die innerhalb der letzten Jahre keine Lösung für die Künstlerhaus-Sanierung gefunden haben.
Haselsteiner: Ich werde aber Stadt wie Bund durchaus in die Pflicht nehmen, denn ich bin ein Anhänger der PPP-Modelle, der öffentlich-privaten Partnerschaft. Letztendlich bleibt natürlich über, dass man sagen muss: Ihr habts nix beigetragen, schämts euch.

Francesca Habsburg will mit ihrer Sammlung von Österreich abwandern, weil die Kulturpolitik zu behäbig sei und nie eine Gelegenheit am Schopf packt.
Haselsteiner: Ich habe wenig Verständnis für solche Klagen. Man muss die Gelegenheiten selbst bei Schopf packen. Mein Respekt gilt da etwa Herbert Liaunig, der sein wunderbares Museum einfach gebaut hat, sich nicht über Kulturpolitik beschwert, sondern selbst Kulturpolitik gemacht hat. Ich glaube, die Habsburgs hätten da auch genügend Möglichkeiten, so wie etwa die Liechtensteins.

Was ist Ihre Vision für das Künstlerhaus neu?
Haselsteiner: Dass es gelingt, der österreichischen Kunst nach dem Ersten Weltkrieg eine Heimstädte zu schaffen. Das Haus soll eine Marke werden. Künstlerhaus mit Inhalt, sozusagen.

Die Fakten: Künstlerhaus Neu

Finanzplan. Hans Peter Haselsteiner erklärte sich namens der Haselsteiner Familien-Privatstiftung bereit, die "Renovierung, Modernisierung und Erweiterung des Künstlerhauses" - in der Größenordnung von 30 Millionen Euro - zu finanzieren. Zuzüglich 700.000 Euro pro Jahr für die Erhaltung des Gebäudes innen und außen. Dazu wird eine gemeinsame Besitzgesellschaft gegründet, in der die Privatstiftung 74 Prozent hält, der Verein 26 Prozent.
Die Sperrminorität ist gesichert: Ohne die Zustimmung der Künstlervereinigung können keine wichtigen Beschlüsse gefasst werden. Der Großteil der Flächen würde der Künstlervereinigung "zur dauerhaften Nutzung überlassen". Dazu gehören unter anderem die beiden Seitenflügel, in denen das Brut-Theater und das Stadtkino untergebracht sind.

Terminplan. Die Bauarbeiten sollen 2018 abgeschlossen sein. Geplante Wiedereröffnung: 1.9.2018 - anlässlich des 150-Jahre-Jubiläums des Künstlerhauses.

Was wird gezeigt? Die Ausstellungssäle im Erdgeschoß werden von Haselsteiner in Kooperation mit Albertina und Klaus Albrecht Schröder bespielt. Haselsteiner will diese Flächen der österreichischen Kunst seit 1918 widmen. Auch die Sammlung Essl, an der Haselsteiner zu 60 Prozent beteiligt ist, soll im Künstlerhaus einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Interview mit Hans Peter Haselsteiner - FORMAT Ausgabe 46/2015.
Zum Inhaltsverzeichnis und ePaper-Download

Opernball - Maria Großbauer gibt Organisation ab

Maria Großbauer gibt nach dem vierten Opernball unter ihrer Regie die …

Interview

Kulturphilosoph Egginton: "Ein perfekter Teufelskreis"

Ein Interview mit dem US-Kulturphilosophen William Egginton rund um die …

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Der Markt für Vinyl-Schallplatten erlebt ein Revival. Davon profitieren …

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs