Hans Peter Haselsteiner über sein Millionen-Investment in das neue Opernhaus in Erl

Hans Peter Haselsteiner investiert 36 Millionen Euro in das neue Opernhaus in Erl. Der Bautycoon über sein Engagement und Gründe, die eine solche Investition rechtfertigen.

Gustav Kuhns Traum vom Festspiel-Mekka in Tirol ist in greifbare Nähe gerückt. In unmittelbarer Nähe des bestehenden Festspielhauses in Erl haben die Bauarbeiten zu einem beheizbaren Winterfestspielhaus begonnen. „Der Baustellenlärm ist für mich die reinste Musik“, freut sich Maestro Kuhn, Leiter der Festspiele Erl, Dirigent und Regisseur in Personalunion. Mit seinen Wagner-Aufführungen und einem Mix aus alter und moderner Musik hat er schon bisher eine treue Fanschar in die „Untere Schranne“ locken können. Das alte Haus, 1957 erbaut, das alle sechs Jahre auch die Passionsspiele beherbergt, gilt als einer der besten akustischen Plätze weltweit. Mit dem beheizbaren Neubau aber kann man künftig eine zweite Saison starten. Im Dezember 2012 soll eröffnet werden.

Der Entwurf stammt vom renommierten Wiener Architektenteam Delugan Meissl, das schon für sein Porsche-Museum in Stuttgart international gefeiert wurde. Die Kosten in der Höhe von 36 Millionen Euro werden vorerst zur Gänze von der Hans Peter Haselsteiner Privatstiftung getragen. HPH, als Strabag-Chef einer der bedeutendsten Industrielenker Österreichs und großer Musikliebhaber, ist auch Präsident der Festspiele Erl. Finanzielle Zuschüsse sind von Landesseite her versprochen, aber noch ausständig. Im FORMAT-Interview erklärt Haselsteiner sein Millioneninvestment in ein Kulturprojekt.

FORMAT: Sie investieren ja nicht nur in Erl, sondern mit dem Strabag-Artaward auch in bildende Kunst. Wie ist denn diese Leidenschaft für Kunst entstanden?

Haselsteiner: Die Liebe zur zeitgenössischen Kunst habe ich durch den Bildhauer Walter Nagl entdeckt, den ich in früher Jugend kennen gelernt habe. Und natürlich war die Erziehung meines Vaters, der bildende Kunst besonders geschätzt hat, ausschlaggebend.

FORMAT: Und die Affinität zur klassischen Musik?

Haselsteiner: Die habe ich meiner Mutter zu verdanken, die selbst Sängerin und Chorleiterin war und mich von Kindheit an an die klassische Musik herangeführt hat. Obwohl natürlich für einen Vierjährigen eine Messe in der Domkirche zu Salzburg nicht gerade das Highlight ist. Es war also nicht Liebe auf den ersten Blick, aber ausreichend prägend fürs Leben.

FORMAT: Ihre Mutter stammt ja aus Ebbs in Tirol, Sie sind also in der Region verwurzelt. Was ist, über die Heimatverbundenheit hinausgehend, die Motivation, 36 Millionen Euro in den Bau eines Opernhauses zu stecken?

Haselsteiner: Wenn man die Tiroler Festspiele dauerhaft in der Kulturlandschaft Österreich verankern will, dann muss man ihnen ein Winterhaus ermöglichen. Durch ein beheizbares Haus kann man sozusagen eine zweite Saison eröffnen.

FORMAT: Man hat sich für eine „große Lösung“ entschieden, der Orchestergraben des neuen Hauses wird größer als jener in der Wiener Staatsoper.

Haselsteiner: Klar, das ist keine Probebühne mehr, sondern ein Haus, das alle Notwendigkeiten abdeckt.

FORMAT: Welche Rolle spielt bei Ihrem Engagement die Künstlerpersönlichkeit Gustav Kuhn?

Haselsteiner: Natürlich geht das alles auf die Kuhn’sche Initiative zurück. Ohne Kuhn wäre ich nicht Präsident der Tiroler Festspiele und hätte dieses Engagement nicht. Wir haben uns in Erl kennen gelernt, ich war Zuschauer, wir kamen ins Gespräch, er war sehr überzeugend, und es ist rasch eine Freundschaft entstanden. Ich schätze seine Wahrhaftigkeit und Unbestechlichkeit in künstlerischen Angelegenheiten. Er handelt seinem überragendem Talent gemäß und schielt nicht nach Feuilleton und Kritikermeinung.

FORMAT: Sie haben mehrfach betont, dass Sie es auch schätzen, dass Sie sich in Erl nicht vor den Inszenierungen zu fürchten brauchen. Wie lauten denn Ihre Kriterien für einen gelungenen Opernabend?

Haselsteiner: Ich bin kein Anhänger von Plüsch und Originalkostümen. Man kann auch wunderbar modern inszenieren und dem Werk dabei treu bleiben. Ich bin nur der Meinung, es steht einem Regisseur nicht zu, in die Oper so einzugreifen, dass man sie nicht wiedererkennt.

FORMAT: Ihre Lieblingsoper?

Haselsteiner: Ich liebe die „Traviata“ genauso wie den „Parsifal“.

FORMAT: Und zur Entspannung nach einem anstrengenden Tag?

Haselsteiner: Da höre ich lieber Diana Krall.

FORMAT: Wie bringen Sie sich als Präsident der Festspiele ein?

Haselsteiner: Meine Aufgabe ist es, den Künstlern optimale Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Ich will, dass qualitätsvoll gearbeitet und musiziert wird.

FORMAT: Was hat Sie persönlich für den Entwurf von Delugan Meissl eingenommen?

Haselsteiner: Es war eine Juryentscheidung. Aber der Delugan-Meissl-Entwurf war der überzeugendste. Sie haben eine eigenständige Architektursprache gefunden, aber auch Respekt vor der Architektur des bestehenden Passionsspielhauses und der umgebenden Landschaft gezeigt.

FORMAT: Wie oft kontrollieren Sie selber den Fortgang via installierte Baustellen-Webcam?

Haselsteiner: Ich schau da selten rein, dafür habe ich Profis wie meinen Sohn, der ist ja auch Architekt. Aber ich bekomme jede Woche einen Bericht.

FORMAT: Derzeit wird das Projekt wie der laufende Betrieb zur Gänze von der Haselsteiner Privatstiftung getragen, finanzielle Zuschüsse von Bund und Land sind versprochen, aber noch ausständig …

Haselsteiner: Dass der laufende Betrieb keine Förderung erhalten wird, war immer klar. Alles andere wird man sehen.

FORMAT: Stiehlt sich der Staat aus der Pflicht?

Haselsteiner: Ich habe, was die Festspiele Erl betrifft, dem Land und dem Bund vorgerechnet, dass es ein echtes Joint Venture sein muss aus öffentlichen und privaten Bemühungen, daher würde ich niemals mehr als 50 Prozent der notwendigen Mittel aus privater Hand beisteuern, weil ich eben genau der Meinung bin, dass das ein Abschieben der Verantwortung wäre. Fifty-fifty aber ist ein faires Verhältnis.

FORMAT: Auch die Lage der Museen wird immer prekärer, es gibt kaum Ankaufsbudgets, andererseits bauen Privatsammler eigene Ausstellungshäuser.

Haselsteiner: Da ist viel im Gange, aber es ist noch nicht so ausgereift wie in Amerika, wo die gemeinsame Verantwortung für die Künste längere Tradition hat. Es gibt ja zwei Arten von Unterstützung. Sponsoring, das heißt, man setzt Werbemittel ein, um Kunst zu fördern, und die Kunst gibt zurück, was sie geben kann, nämlich Prestige und öffentliche Aufmerksamkeit. Zum anderen klassisches Mäzenatentum, wo der Geber keine Rückleistung erwartet.

FORMAT: Sehen Sie sich als Mäzen?

Haselsteiner: Ich sehe mich als Partner der Kunst.

Interview: Michaela Knapp

Tiroler Festspiele Erl, 7. bis 31. Juli
Mit „Tannhäuser“, „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Parsifal“ stehen heuer wieder drei große Wagner-Opern auf dem Programm. Info: www.tiroler-festspiele.at

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