108. Geburtstag von Hannah Arendt: Warum ihr Leben und Werk noch heute relevant ist

108. Geburtstag von Hannah Arendt: Warum ihr Leben und Werk noch heute relevant ist
108. Geburtstag von Hannah Arendt: Warum ihr Leben und Werk noch heute relevant ist

Google ehrt heute zu ihrem 198. Geburtstag die Publizistin und politische Theoretikerin Hannah Arendt. Gestorben ist die ursprünglich aus Deutschland stammende Jüdin am 4. Dezember 1975 - die Themen, die ihr Leben und Werken bestimmen, haben jedoch auch heute noch Relevanz.

Hannah Arendt war Opfer der Entrechtung und Verfolgung von Menschen jüdischer Abstammung in der Zeit des Dritten Reichs; dies zwang sie zur Emigration. Nachdem sie vom nationalsozialistischen Regime ausgebürgert worden war, war sie von 1937 bis 1951 staatenlos, bevor sie schließlich die US-amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen bekam. Arendt hatte einem Eintrag auf Wikipedia zufolge unter der Staatenlosigkeit sehr gelitten; der Erwerb der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft bedeutete für sie, "das Recht, Rechte zu haben".

Heute gibt es nach Angaben des UNHCR weltweit mindestens zehn Millionen staatenlose Menschen - mit starken negativen Nachteilen für die jeweiligen Individuen; denn für sie gelten zwar die Menschenrechte, aber nicht die Rechte der Staatsbürger, wie etwa das Recht zu wählen. Als Gründe für Staatenlosigkeit gelten auch heute noch politische Diskriminierung politischer Minderheiten und Rechtskonflikte zwischen einzelnen Staaten, aber auch etwa Situationen, in denen neue Staaten entstehen, aber nicht alle Bürger in das neue Rechtssystem integriert werden. Verteilt sind diese Menschen auf Asien, Afrika, aber auch in Europa (Details dazu auf dieser Karte des UNHCR).

Die Palästina-Frage

Auch nahm Arendt Stellung zu Palästina und Israel - eine Frage, die auch heute noch als ungelöst gilt: Erst im vergangenen Sommer war es nach Morden an Jugendlichen zu bewaffneten Konflikten am Gaza-Streifen gekommen. Auf Wikipedia heißt es dazu:

"Hannah Arendt schrieb Ende 1948 den Artikel Frieden oder Waffenstillstand im Nahen Osten? (veröffentlicht in den USA im Januar 1950). Darin setzt sie sich mit der Geschichte Palästina und der Gründung des Staates Israel auseinander. Frieden kann demnach nur durch eine Verständigung und faire Vereinbarungen zwischen Arabern und Juden erreicht werden."

Ihre Vision war ein binationales Palästina - eine Föderation, die möglicherweise andere Staaten des Nahen Ostens umfassen könnte. Neben dem israelisch-palästinensischen Konflikt leidet der Kulturraum auch unter Spannungen innerhalb des Islam, etwa den Konflikten zwischen Sunniten und Schiiten.

Ein Standardwerk politischer Bildung

Berühmt wurde Hannah Arendt mit ihrem Totalitarismusbuch. Hierzu heißt es auf Wikipedia:

"Dieses Werk, das heute zum Standard politischer Bildung gehört, brachte ihr viel Zustimmung und zahlreiche Vortragseinladungen ein. „Sie war die erste Theoretikerin, die das Phänomen des Totalitarismus als eine in der Menschheitsgeschichte völlig neue Form politischer Macht verstand.“[144] Es diente teilweise als Grundlage für einen erweiterten Totalitarismusbegriff und als Argument gegen die nachstalinistische Sowjetunion im Kalten Krieg. Sie geriet damit immer wieder in die Kritik von eher orthodoxen Sozialisten."

Geschätzt wurden in Fachkreisen nicht nur ihre Forschungsergebnisse zum Nationalsozialismus, sondern auch ihre Analysen des politischen Systems. Totalitäre Systeme, wie etwa Nordkorea, sind zwar auch heute noch ein politisches Thema; allerdings hat sich die globale Landschaft geändert: Heute gibt es weniger Autokratien und Diktaturen als so genannte "gescheiterte Staaten" - also Staaten, die ihre grundlegenden Funktionen nicht mehr erfüllen können. Der "State Fragility Index" des Center of Systemic Peace bietet einen globalen Überblick über jene Staaten, die von einem Scheitern bedroht sind.

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