Große Oper statt kleiner Oscar: Friedkin im Theater an der Wien

US-Regisseur William Friedkin hievt im Theater an der Wien Offenbachs Oper „Hoffm anns Erzählungen“ als spektakuläre Show aus Licht und Videos auf die Bühne. Die Stars im Hintergrund: Bühnendesigner Michael Curry und Lichtkünstler Mark Jonathan.

Sind wir nicht strahlende Typen“, scherzen Michael Curry und Mark Jonathan beim Fototermin inmitten der Lichterketten auf der Bühne des Theaters an der Wien. Die beiden internationalen Big Names zeigen Schmäh und gute Laune, trotz Jetlag. Denn der amerikanische Bühnendesigner und der britische Lichtkünstler sind eben erst in Wien gelandet, wo sie den Endproben zu Jacques Offenbachs Oper „Les contes d’Hoffmann“ im Theater an der Wien den Feinschliff geben werden. Nach Vorbereitungen in den Rosenhügelstudios ist man mit der aufwendigen Produktion nun auf die große Bühne übersiedelt, wo es darum geht, mit Licht und Projektionen jene Szenerien zu erschaffen, die den Zuschauer in die Sphären der grotesken Welt Hoffmanns versetzen sollen.

Oper statt Oscar

Der US-Hollywoodregisseur William Friedkin hat dafür das perfekte Team zusammengestellt. Der 76-jährige Exmann von Jeanne Moreau, der mit dem Horrorschocker „Der Exorzist“ Filmgeschichte schrieb und für seinen Polizeithriller „French Connection“ einen Oscar erhielt, hat die Kunstform Oper relativ spät entdeckt. Sein Debüt gab Friedkin erst vor sechs Jahren mit einer „Salome“ für die Bayerische Staatsoper. Jetzt präsentiert er erstmals eine Inszenierung in Wien. Offenbach selbst starb kurz vor der Uraufführung seines letzten Werkes „Les contes d’Hoffmann“ 1880 in Paris, und die Opéra fantastique kam bei der Premiere stark ­gekürzt zur Aufführung. Friedkin präsentiert nun die rekonstruierte Urfassung.
Abseits des Highclass-Sängerensembles, angeführt von Kurt Streit in der Titelrolle, setzt Friedkin bei den skurrilen wie beängstigenden Erzählungen nach E. T. A. Hoffmann auf starke Bilder, Symbole, Psychologie und freudianische Untertöne. „Wir versuchen den höchst unterschiedlichen Stimmungen der einzelnen Szenen, vor allem aber dem starken Symbolismus in Hoffmanns Texten mit einem raffinierten Zusammenspiel zwischen Lichtkonzept und Bühnendesign gerecht zu werden“, erläutern Michael Curry und Mark Jonathan.

Über eineinhalb Jahre wurde das Projekt in intensiven Gesprächen mit dem Regie-Perfektionisten Friedkin vorbereitet, sagt Jonathan. „Natürlich fließen da auch all unsere bisherigen Arbeiten ein. Man findet nicht nur Michaels Puppendesign, sondern auch Williams Filmzitate vom gesungenen Exorzismus bis zum blutigen Kopf“, so der Lichtdesigner. „Gerade weil ­
wir schon so lange zusammenarbeiten, weiß man“, so Curry, „worauf man sich einlässt.“

Verrücktes Genie

Michael Curry gilt als weltbester Stagedesigner. Ist sein Gesicht hierzulande auch kaum bekannt, hat er sich mit seinen Ausstattungen und Puppenkreationen für den Cirque du Soleil und Broadwayshows wie „The Lion King“ und „Spider-Man“ weltweit einen Namen gemacht. Er kreiert Mega-Events zwischen Las Vegas und dem Superbowl und lieferte auch das Design zu André Hellers „Magnifico“.

Derzeit arbeite Curry, wie er beiläufig erzählt, mit der Blue Man Group an einem Redesign und mit dem frankokanadischen Theatermacher Robert Lepage an Wagners „Ring“. Und nebenher bereitet er auch ein Riesen-spektakel für die Olympischen Spiele im russischen Sotschi 2014 vor. Ein verrücktes Genie, wie ihn sein Kollege vom Licht liebevoll nennt. Ein Workaholic, der sich bis zwei Uhr früh seinen Zeichnungen widmet und mit nur fünf Stunden Schlaf auskommt. Eigentlich bringe ihn nichts so schnell aus der Ruhe, dieser intime Rahmen aber und die große Tradition des Hauses machen ihn etwas nervös, bekennt er mit Blick in den Zuschauerraum des Theaters an der Wien.

„Natürlich ändert man als Künstler nicht seine Handschrift, egal ob man Shows für 50.000 Menschen in Las Vegas entwirft oder eine Oper in kleinerem Rahmen, aber man muss sich nach den Gegebenheiten richten“, sagt Curry, „in der Oper designt man für ein Close-up. In Las Vegas kann ich voll aufdrehen, gigantisch agieren, hier wäre schon die Hydraulik mancher Maschinen zu lärmintensiv.“

Ganz auf die Sänger und deren Bewegung stimmt auch Profi Mark Jonathan die Endfassung seines Lichtkonzepts ab. Sieben Opernprojekte und fünf ­Ballettarbeiten hat der preisgekrönte Lichtdesigner derzeit weltweit in Planung.

Horror und Liebesrausch

Szene für Szene wollen die beiden durch ihr visuelles Konzept, Licht und Projektionen der Oper einen jeweils anderen Look geben, von Gothic Horror bis zum Liebesrausch. „Vor allem Farben kommen dabei zum Einsatz: Rot in seiner ­ganzen Pracht und Symbolstärke von Vitalität bis zur Gewalt, ebenso wie Blau von Schönheit bis Kälte“, so Curry, „und nicht zuletzt spielt die Dunkelheit eine ­große Rolle, immerhin handelt es sich um eine Horrorgeschichte in der Güteklasse eines Edgar Allan Poe. Wahrscheinlich kreisen ohnehin schon die Geister von Schikaneder und Offenbach über uns und checken, was wir da machen.“

– Michaela Knapp

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