Geraubtes Gut schmückt nicht: MAK zeigt Ausstellung zur Restitutionsdiskussion

Die Weigerungen der Sammlung Leopold wie des Lentos-Museums, Bilder mit zweifelhafter Herkunft zu restituieren, entfacht die Diskussion um Raubkunst von Neuem. Das MAK zeigt dazu eine Ausstellung.

Ein verwüstetes Zimmer, das Plakat von der umstrittenen Egger-Lienz-Ausstellung im Leopold Museum noch an der Wand, zahlreiche Hinweise auf einst geraubte Fotografien und Gemälde wie Gustav Klimts „Adele Bloch-Bauer II“ – die Künstlerin Lisl Ponger thematisiert in ihrer Fotoarbeit „Horror Vacui“ das private Unglück eines Wohnungseinbruchs und spart nicht mit Hinweisen auf das viel größere Verbrechen, nämlich das des Raubes von Kunst- und Alltagsgegenständen durch die Nationalsozialisten.

„Recollecting“ im MAK
Gezeigt wird diese Arbeit bei der Ausstellung „Recollecting“ im Museum für angewandte Kunst (MAK). Die Kuratorin Alexandra Reininghaus setzt die Geschichte des Raubes und der Rückgabe abseits der bekannten Beispiele in 20 Stationen um. Da werden bereits restituierte Gemälde und Alltagsgegenstände genauso gezeigt wie solche, für die noch kein rechtmäßiger Erbe gefunden werden konnte. Internationale Künstler nehmen diese Objekt- und Le­bens­geschich­ten auf und reflektieren sie in Installationen, Foto- und Videoarbeiten.

Arisierung veranschauen
Mit „Recollecting“ wollen Reininghaus und MAK-Direktor Peter Noever das System der Arisierung von meist jüdischem Vermögen demonstrieren. Dabei gehe es vor allem um die Geschichten, die mit den Gegenständen verbunden sind, und um deren Bedeutung für die Nachfahren. Das Ganze sei natürlich ein Experiment, so wie es die Arbeit mit lebenden Künstlern immer sei, betont Noever. „Das Wissenschaftliche kann man lenken, aber die Künstler haben ihren eigenen Zugang.“ Dieser persönliche Blick könnte auch bei den Nachfahren zu Spannungen führen, glaubt Reininghaus.

Versteigerung des Raubguts
Das MAK eignet sich als Ort für diese Schau auch deshalb gut, weil dort 1996 die Mauerbach-Benefizaktion stattgefunden hat. Dabei hat das Auktionshaus Christie’s 1.000 Objekte des etwa 8.000 Gemälde, Teppiche, Möbel, Waffen, Münzen und Bücher umfassenden „Mauerbach-Schatzes“ um umgerechnet 11,3 Millionen Euro versteigert. Die Republik hatte das in der Kartause Mauerbach und anderen Depots verwahrte Raubgut der Israelitischen Kultusgemeinde mit der Auflage überlassen, dass es versteigert werden und der Erlös den Opfern der Shoah zugutekommen müsse. Anders als von den Amerikanern bei der Übergabe nach dem Zweiten Weltkrieg verlangt, hatte man die rechtmäßigen Besitzer der Gegenstände nicht ausfindig machen können.

Unwürdiger Umgang
Gescheitert war das nicht nur am Können, sondern auch am Wollen. Jahrzehntelang hatten sich österreichische Regierungen bemüht, nur ja so wenig wie möglich von den im Dritten Reich geraubten Vermögen zurückzugeben. Wertvolle Gemälde gelangten als Schenkungen in den Besitz von heimischen Museen, nur damit die ursprünglichen Eigentümer wenigstens andere Bilder ausführen durften. Dieser unwürdige Umgang mit dem mehrheitlich jüdischen Raubgut änderte sich erst, als der Druck aus dem Ausland zu groß wurde und zwei Gemälde der Sammlung Leopold in New York beschlagnahmt worden waren. Vor zehn Jahren beschloss man schließlich das Kunstrückgabegesetz. Die staatlichen Museen durchforsten seither ihre Bestände nach der Provenienz aller Gegenstände. Etwa 10.000 Stücke wurden auf Basis der Entscheidungen des Kunstrückgabe-Beirates schon restitutiert.

Kunstwerke im Internet abrufbar
Der Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus führt in seiner Kunstdatenbank derzeit aber noch 9.000 herrenlose Güter. Nach den ursprünglichen Plänen hätten diese zugunsten der Überlebenden der Shoah schon versteigert werden sollen. Weil noch immer rechtmäßige Eigentümer gefunden werden, wird damit aber noch ein paar Jahre zugewartet. Seit die Kunstwerke im Internet abrufbar sind, hätten schon drei Erben(-Gruppen) die Gegenstände ihrer Vorfahren wiedergefunden, sagt Nationalfonds-Generalsekretärin Hannah Lessing. Eine Situation wie bei der Mauerbach-Aktion, wo Güter versteigert wurden, die noch Erben gehabt hätten, wolle man jedenfalls vermeiden. Die Israelitische Kultusgemeinde unterstützt diese Vorgangsweise.

Gesetz gilt nicht für Leopold
Auf die Stiftung Leopold ist deren Präsident Ariel Muzicant weit weniger gut zu sprechen. Er hat vom Verfassungsrechtler Walter Berka ein Gutachten erstellen lassen, wonach es keine verfassungsrechtlichen Probleme gäbe, wenn man das Leopold Museum als im Einfluss des Bundes stehend in das Kunstrückgabegesetz einbeziehen würde. Ministerin Claudia Schmied will davon nichts wissen und verweist auf das Ergebnis der interministeriellen Arbeitsgruppe und auf die beiden vom Bund bezahlten Provenienzforscher, die jetzt die Bestände des Museums untersuchen. Auch eine etwaige Restitution sei Aufgabe des Vorstandes der Stiftung Leopold und nicht des Bundes.

Frage des Wollens
Als eine Frage des Wollens und nicht des Könnens bezeichnet das Anwalt Thomas Höhne: „Es ist für einen Rechtsstaat nicht anrüchig, das, was er will, auch umzusetzen.“ Die Novelle zum Kunstrückgabegesetz wird im Jänner trotz dieser Kritik ohne Ausdehnung auf das Leopold Museum verabschiedet werden. Kontinuitäten zur NS-Bürokratie, wie sie Kuratorin Reininghaus in der Ausstellung auch thematisieren will.

„Recollecting“, MAK, ab 3. 12.
Unter dem Titel „Recollecting“ zeigt das Museum 20 Installationen zur Arisierung von Kunst- und Alltagsgegenständen und deren Rückgabe an die Erben. Unter den beteiligten Künstlern: Ines Doujak, Lisl Ponger, Klub Zwei. Eröffnung: 2. 12., 20 Uhr. Zu sehen bis 15. 2.

Von Waltraud Kaserer

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