Generation Golf auf Jüdisch: Oliver Polak ist Entertainer der Stunde - und liest in Wien

Er thematisiert unverkrampft Antisemitismus, plaudert über seine Beschneidung und hat ein hintersinniges Judenspiel entwickelt. Darf man das? Er darf, sagt der deutsche Komiker & Autor Oliver Polak.

„Super, dass ihr mich vom Bahnhof ab­geholt und ins Studio gebracht habt, vor 70 Jahren war es ja anders­rum“, lautete seine unortho­doxe Begrüßung für Stermann & Grissemann, in deren Sendung „Willkommen Österreich“ er jüngst sein ORF-Debüt gab. Oliver Polak darf das, denn er ist Jude. So auch der Titel seines Buches. Der 32-jährige Stand­up-Comedian aus Papenburg im Emsland gilt als Entertainer der Stunde. Sein Metier ist die Unterhaltung, und Juden sind sein Thema.

Zwischen Zynismus und Zionismus
Dass er selbst aber nicht viel mit Juden abhängt, ist in seinem Buch nachzulesen. Eine Art „Generation Golf“ auf Jüdisch. „Lassen Sie uns unverkrampft miteinander umgehen. Treffen wir eine Vereinbarung für die Dauer der Lektüre: Ich vergesse die Sache mit dem Holocaust, und Sie verzeihen uns Michel Friedman“, schlägt er dem Leser gleich im Vorwort vor – ehe er lakonisch seine Kindheit als einziger jüdischer Knabe in einer deutschen Kleinstadt reflektiert, seine doppelte Beschneidung schildert oder einleuchtend erklärt, warum Jamaikaner und Juden eigentlich dasselbe sind. Polak ist kein Politkabarettist und schon gar kein Berufs­jude, vielmehr bewegt er sich auf eine derart unverkrampfte Weise , dass ihm sogar die befreundeten Autorenkollegen Maxim Biller und Henryk M. Broder Respekt zollen.

Vom Viva-Moderator zum Standup-Comedian
Der Sohn eines Textilhändlers und einer Germanistin machte sein Abitur am Carmel College, einem jüdischen Internat in England. Sein Gesicht kennt man bereits seit Anfang 2000 vom Musiksender Viva, wo er als Komoderator bei der „Viva-Family“ agierte. 2006 beschloss Polak, Standup-Comedy zu machen, und eroberte sich mit seinen alle Humor-Tabus brechenden Auftritten innerhalb kürzester Zeit eine Fangemeinde. Das nächste Buch hat er bereits in Arbeit. Es soll „Thora, reloaded“ heißen. Was seine Wien-Lesung betrifft, stellt er schon vorab klar: „Es wird kein Abend mit Räucherstäbchen und Teelichtern, sondern eher mit Schäferhund und lauter Musik. Also nichts für die Anhänger von Lea Rosh!“

Das Buch: „Ich darf das, ich bin Jude“, KiWi, € 8,95
Die Lesung: B72 (8., ­Hernalser Gürtel, Bogen 72)
So., 23. 11. ’08, 20 Uhr

Siehe auch Interview mit Oliver Polak: Jud süß-sauer geht, Jude gibt Vollgas nicht

Von Michaela Knapp

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