Frühlingserwachen: Oster-Highlights bei den Salzburger Festspielen trotz Krisenstimmung

Der seit Wochen anhaltende Wirbel um die Osterfestspiele nervt, hat aber sichtlich keinen Imageschaden für Salzburg ausgelöst. Ein Stimmungscheck.

Diesen Samstag singt Anna Netrebko in Salzburg. Nein, nicht bei den Oster­festspielen; die Starsopranistin wird ihre neue CD „In the Still of Night“ bei „Wetten, dass …?“ präsentieren. Die TV-Show kommt allerdings live aus Salzburg. Die Stadt an der Salzach platzt damit am Wochenende buchstäblich aus allen Nähten. Wider alle Erwartungen haben die monatelangen Querelen um das unsaubere Finanzgebaren der Festspiele keinen Imageschaden ausgelöst. „Hätte es ­Simon Rattle oder andere bekannte Künstler betroffen, hätte das international wohl mehr Aufsehen erregt, aber die Streitereien auf der Verwaltungsebene sind am Publikum großteils vorbeigegangen“, analysiert Thaddaeus Ropac. Der Salzburger Star­galerist hat den Wirbel an der Salzach großteils von seiner Dependance in Paris beobachtet und „als Sturm im Wasserglas erlebt.

Osterwoche ist die umsatzstärkste Woche
„Die Osterfestspiele haben ­inter­essanterweise die höhere Internationalität als die Sommerfestspiele, können etwa auf einen besonders hohen Anteil an südamerikanischen Gästen verweisen, die im Sommer nicht zur Stammklientel zählen“, freut er sich über ungebrochen reges Treiben in der Festspielstadt. Er verbindet Business und den Glanz der Festspiele und eröffnet seine neue Kunsthalle am 25. März mit einer Präsentation des Stars der Abstraktion, Imi Knoebel. Auch Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler freut sich über das treue Stammpublikum, das, wie sie nach Überprüfung der Gästelisten versichert, auch heuer wieder vollzählig vertreten ist. „Sowohl zu ­Os­tern als auch im Sommer sind die Festspiele ökonomischer Motor der Stadt. Ich weiß noch aus meiner Erfahrung als Unternehmerin, dass die Osterwoche die umsatzstärkste Woche des Jahres ist.“ Selbst im Krisenjahr 2009 konnte man diesen Boom ver­zeichnen. „Beim Publikum handelt es sich um sehr wohlhabende Menschen, bei denen der Salzburg-­Besuch zu Ostern zum Jahresfixpunkt gehört.“

Blauer Himmel, leicht getrübt
„Natürlich waren die Leute geschockt“, plaudert ein Gastronom zur Stimmung in der Stadt: „Die Begleitmusik ist wichtig. Was die Leute an Salzburg lieben, ist das frühlingshaft Saubere, blauer Himmel, das erste Grün, das will man sich nicht trüben lassen.“ „Gewesenes gewesen sein lassen“ wollte auch der neue geschäftsführende Intendant der Salzburger ­Osterfestspiele Peter Alward. Mit dem Versprechen, „dass man im Zusammenhang mit den Salzburger Osterfestspielen bald wieder von Kultur, Musik und dem wirtschaftlichen Erfolg spricht“, trat der allseits geschätzte 59-jährige Brite quasi über Nacht die Nachfolge des gekündigten Michael Dewitte an. Von wegen. Dieser Tage hieß es nach dem monatelangen Wirbel und ersten Aufräumarbeiten, in denen man um durchschaubare Wirtschaftsstrukturen für das Festival bemüht war, zurück an den Start. Was war passiert? Aufregung verursachte ein Brief von Peter Raue, seines Zeichens Rechtsanwalt der Berliner Philharmoniker und interimistischer Geschäftsführer der Osterfestspiele in Personalunion.

Mit Missverständnissen endgültig aufräumen
Darin enthalten: die Forderungen, dass der Osterfestspiele- Förderverein Verluste nicht durch seine Rücklagen abdecken muss, dass die Karajan-Stiftung 25 Prozent der Gesellschaftsanteile bekommen soll und dass es keine Kontrolle der Osterfestspiele durch offizielle Stellen geben soll. Vor allem letzter Punkt kann „wohl nur ein Missverständnis sein“, urteilt Helga Rabl-Stadler dazu und stellt klar: „Wo öffentliches Geld fließt, muss öffentliche Kontrolle möglich sein.“ An Peter Alward wird es nun liegen, mit solchen „Missverständnissen“ aufzuräumen. Als richtiger Mann für diese bewegte Zeit wird Alward, dem von Branchenexperten Riesenmusikverstand attestiert wird, in Salzburg gehandelt. Damit ist der distinguierte ehemalige EMI-Repräsentant hart in der Schlangengrube Salzburg gelandet. Das ist gewöhnungsbedürftig, wie selbst Insider eingestehen: Telefonate mit Rechtsanwälten, der unter Druck stehenden Landeshauptfrau Burgstaller und der Frau von Karajan lassen kaum Zeit für Programmatisches. Die wesentliche Sitzung zur Causa war zu Redaktionsschluss im Gange. In Windeseile versucht man noch vor dem Festspielauftakt am Samstag die Wogen zu glätten.

Große Ungewissheit in der Festspielstadt
Alward selbst hat sich seinen Einstand wohl anders vorgestellt. Der frisch gekürte Festspielchef, der das Festival seit seiner Gründung als Gast verfolgt, will vor allem bei der Opernpremiere wieder auf das Recht der ersten Nacht setzen. „Auch ich halte es für einen Kardinalfehler, wenn die Premiere woanders stattfindet“, leistet Helga Rabl-Stadler Schützenhilfe. „Immerhin muss man zu Ostern mit nur einer Oper den Geschmack des Publikums treffen.“ Der leidenschaftlichen Salzburgerin liegen die Osterfestspiele sehr am Herzen. Mit großem Bangen hat sie das Hin und Her verfolgt. Sind doch die ­Osterfestspiele für die Festspielpräsidentin auch ein besonders geschätzter Mieter, der drei Wochen das Große Festspielhaus belegt, wie derzeit bei der „Götterdämmerung“. Für 2012 gibt es einen Koproduktionsvertrag. Da ist „Carmen“ unter Simon Rattle als große Osterpremiere angesetzt, bei den Salzburger Sommerfestspielen wird sie dann nachgespielt. „Inter­essanterweise“, so Rabl-Stadler, „gibt es nur 5 Prozent Überschneidung der Gäste der Oster- und der Sommerfestspiele.“

Überbuchte Sommerfestspiele
Für diesen kommenden Jubiläumssommer „90 Jahre Salzburger Festspiele“ (25. Juli bis 30. August) liegt der Kartenverkauf, wie Rabl-Stadler nicht ohne Freude anmerkt, sogar „stark über den Erwartungen: 1.800 Besteller mehr als im Vorjahr kann man bereits jetzt verbuchen. Allein die internationalen Bestellungen haben sich um 20 Prozent erhöht. Dreifach überbucht sind alle Vorstellungen des „Jedermann“ mit dem neuen Titelhelden Nicholas Ofczarek und seiner „Buhlschaft“ Birgit Minichmayr. Dazu findet sich auch Peter Steins „Ödipus“ mit Klaus Maria Brandauer und „Phädra“ mit Sunnyi Melles und Paulus Manker auf dem Programm. Besonders ansprechend ist auch das am Samstag startende Programm der Osterfestspiele. Neben der top besetzten „Götterdämmerung“ aus Aix-en-Provence mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle zählt die von Peter Sellars szenisch aufbereitete „Matthäuspassion“ mit hochkarätigen Sängern wie Thomas Quasthoff und Magdalena Kozená und das Verdi-Requiem unter Mariss Jansons zu den Höhepunkten. Restkarten gibt es noch für alle Veranstaltungen! Im Vergleich zu den Sommerspielen sind die Osterfestspiele aber ein teures Vergnügen, das großteils im Abonnement genossen wird (Oper und drei Konzerte, € 1.230,– in der Topkategorie). Umso mehr müsse man, so Peter Alward, „darauf achten, dass die Programme so einmalig sind, dass sie diese Preise rechtfertigen“.

Michaela Knapp

TIPP: Die Highlights zu Ostern in Salzburg
Neben den Osterfestspielen (27. 3. – 5. 4., Restkarten: www.osterfestspiele-salzburg.at ) locken auch zahlreiche Galerien mit dichtem Programm:
Platzhirsch Thaddae­us Ropac eröffnet seine neue Kunsthalle in der Vilnius­straße 13, 25. 3., 18.30 Uhr).
Nikolaus Ruzicska lädt zur großen „Brigitte Kowanz Personale“, Eröffnung: 27. 3., 12 Uhr.
Und in der Residenz Salzburg star­tet am 27. 3. die alljährliche Kunst & Antiquitätenmesse.

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