Fotokunst: Monat der Fotografie wird mit 125 Ausstellungen in Wien gefeiert

Mit über 125 Ausstellungen steht Wien im November ganz im Zeichen der Fotokunst. Irene Andessner verwandelt heuer auch den Stadtraum zum Schauplatz.

Bei der vergangenes Wochenende abgelaufenen Londoner Frieze Art Fair war die Fotokunst zwar zurückhaltend vertreten, was zu sehen war, hatte allerdings seinen Preis: etwa eine neue Arbeit von Andreas Gursky um 600.000 Euro oder eine kleine von Thomas Struth um 120.000 Euro.

Materielle Foto-Vergänglichkeit
Summen, von denen der heimische Markt nur träumen kann. Faktoren wie die Verunsicherung, ob Fotografie, im Licht betrachtet, auch für die Ewigkeit besteht, bis hin zur alltäglichen Überreizung durch die Bilderflut, der wir weniger im künstlerischen als vielmehr im privaten und öffentlichen Raum ausgesetzt sind, sorgen, so Fotokurator Moritz Neumüller, für Destabilisierung des Marktes. Ob YouTube-Videos, Digicamshots oder Handyfotos, „die Flüchtigkeit des Bildwerks schlägt sich auch in der materiellen Vergänglichkeit der künstlerischen Produktion nieder“. Was hat Wert? Was Bestand? „Gerade diese Allgegenwart des fotografischen Bilds macht Veranstaltungen wie den Foto-Monat notwendig“, so der Experte.

Von Suttner in Citylight-Kästen
Zum dritten Mal schließt sich Wien nun dem europäischen Monat der Fotografie an. Im öffentlichen Raum wird die Aktion von einem Projekt begleitet, das schon im Sommer Augenmerk auf sich zog: Auf 400 Ge­wista-Citylight-Kästen präsentiert die Foto- und Performancekünstlerin Irene Andessner inszenierte Fotoporträts legendärer Wiener Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts. Man sieht Bertha von Suttner, Margarete Schütte-Lihotzky oder Hedy Lamarr. Immer aber ist es Irene Andessner, die die Frauen in der ihr eigenen Technik darstellerisch interpretiert hat. Seit den 80er-Jahren arbeitet die gebürtige Salzburgerin im Genre Selbstporträt, sieht sich selbst als „körperliches Ausgangsmaterial zur Inszenierung anderer Persönlichkeiten“.

Selbstporträts von Fremdautoren
Ob Marlene Dietrich oder Wanda SM, die pedantische Dokumentaristin arbeitet hart an der Archivierung eines bestimmten Augenblicks, dafür recherchiert sie und präpariert sie sich monatelang. Auch ihr neuestes Projekt ist Teil der Serie „I. A.“ („Im Auftrag“), für die sie Künstlerkollegen als Role-Model zur Verfügung steht. Über 20 solcher Selbstporträts mit fremder Autorenschaft sind bisher entstanden. Nun hat Andessner mit dem italienischen Fotografen Paolo ­Leone das Leben der real existierenden ­Wienerin Ursula K. in Szene gesetzt, die glanzvollere Zeiten gesehen hat und im ­Styling der 70er-Jahre verharrt, terrorisiert vom Gedanken, zu altern.

Gemütszustand à la Südbahnhof
An Schauplätzen wie einem Waschsalon, dem Südbahnhof oder dem Bellaria-Kino entstanden detailverliebte Aufnahmen, die immer auch einen Gemütszustand widerspiegeln. Interessant für Sammler: Neben der Analogfotografie arbeitet Andessner ­immer auch mit Polaroidkameras. Da das US-Unternehmen aber die Produktion von Sofortbildkameras und Filmen bereits eingestellt hat, ist das Material nur noch beschränkt verfügbar; es ist daher mit steigendem Wert zu rechnen, wie Florian Kaps bestätigt.

Vierzehn Polaroid-Schichten
Kaps hat sich mit seiner Galerie auf Polaroids spezia­lisiert und zeigt Andessners Zyklus im Original und in Lambda-Print-Editionen. Für Einsteiger ist das Standardformat (70 x 68, Auflage: 47 Stück) um 247 Euro zu haben, eine 3er-Gruppe (Aufl: 25) um 1.250 Euro. Was die Haltbarkeit der ­Polaroids betrifft, gibt der Fachmann Entwarnung: „Ein Polaroid ist in 14 Schichten aufgebaut, samt versiegelter Schutzschicht. Und 100 Jahre Garantie gibt es auch bei einem Ölbild nicht, wenn es nicht licht­geschützt hängt.“

Von Michaela Knapp

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